SCF in Ahlen: Auswärtsfahrt gescheitert

David Weigend

Es hätte so schön werden können: Der SC Freiburg gewinnt 3:0 bei Rot-Weiß Ahlen, erobert die Tabellenspitze und fudder live dabei. Mitten drin waren wir auch: im Stau hinter Frankfurt. Protokoll eines verhinderten Stadionbesuchs.



Es wäre auch so schon knapp geworden. Gegen 12.30 Uhr starten wir den Motor, um die Reise gen Norden anzutreten. Um 18 Uhr ist Anpfiff im Wersestadion. 523 Kilometer berechnet der Routenplaner, Fahrtzeit zirka fünf Stunden.

Kurz vorm Gambacher Kreuz kommt unser Fiat zum Stillstand. Ein Unfall, Stau. Okay, dann schaffen wir es vielleicht wenigstens zur zweiten Halbzeit. Aber auch daraus wird nichts. Eine Stunde Schritttempo, danach reger Feierabendverkehr. Die Hoffnung schwindet.



Wir änderten die Fahrtrichtung und kommen zu unserm Hotel in Neuss, das wir eigentlich erst vier Stunden später aufsuchen wollten. Die letzte Rettung: eine Sportpinte, in der man sich den SC-Kick anschauen kann. Aber das ist gar nicht so leicht in Neuss. Es ist sogar unmöglich.

Der desinteressierte Barkeeper in der so genannten Sportsbar des Hotels sieht uns mit abschätzigem Blick an, als wir ihn bitten, doch auf Premiere Bundesliga umzuschalten. Nur für eine halbe Stunde! Nichts da. Seine Anweisung sei es, weiterhin ManU-TV laufen zu lassen, also die 100. Wiederholung irgendeines stumpfen Rooneytreffers.



So kommen wir dann also nach 400 Kilometern Auswärtsfahrt in den Genuss des ZDF-Videotextes, den wir freilich auch billiger hätten haben können. Zum seichten Klang von Abtei-Werbung legen wir unsere Bleifüße aufs Hotelbett und starren auf das "RW Ahlen - Freiburg 0:3 (0:2)". Wie geil wärs jetzt im Gästeblock im Wersestadion! Stattdessen vertrocknen uns die Kehlen, weil wir das hoteleigene Tafelwasser (0,3 Liter für 3 Euro) lieber doch nicht öffnen wollen. Mit Leitungswasser stoßen wir auf die Tabellenführung an.



Gestern haben wir uns wenigstens noch Koblenz gegen Nürnberg reingezogen, im Nürnbergblock. Die fränkischen Fans sind uns SC-Anhängern nicht abgeneigt seit ihrem glücklichen 2:0-Sieg vor zwei Wochen. Der Kick im Oberwerthstadion (Endstand 1:1) verdirbt den meisten von ihnen jedoch kräfig die Laune. Die eigene Elf wird verbal hart rangenommen, besonders Torschütze Marco Engelhardt ("Du Mädchen!") sowie Christian Eigler ("Bollelutscher!") genießen wenig Kredit bei den rot-schwarzen Fanatikern. Bei besonders drastischen Fehlpässen der Cluberer rütteln die Fans im Gästeblock voller Wut am Zaun und fragen sich zu Recht, warum diese Spieler dafür auch noch Geld bekommen.

Uns kann das reichlich egal sein. Dennoch sehen wir lieber davon ab, einen Schwarz-Roten Zwedschgamännla für Mittwoch ins Dreisamstadion einzuladen, da er mitten in der Konversation beginnt, einen Koblenzer Polizisten anzupflaumen: "Ich lass mich doch von euch hier net durchs halbe Dorf umleiten, Scheiße hier, das ist doch keine Gastfreundschaft, viel Spaß Euch noch in der Regionalliga!"

Mini-Galerie: Bernhard Peter

Ja, unser Seepark-Schlachtenbummer Börny hat es irgendwie bis nach Ahlen geschafft und vier Mal auf den Auslöser gedrückt. Mit N für Next kommt das nächste Bild.