SCF auf Schalke: "Alles, nur schwarz-gelb darf es nicht sein"

Bernhard Amelung

Vergangenen Samstag machte sich SC-Fan Bernhard von seinem Wohnort Essen auf den Weg zur Arena Auf Schalke. Im folgenden Bericht schildert er uns einen "ehrlichen" Fußballnachmittag, den er so schnell nicht vergessen wird. Vorallem, aber nicht nur wegen der drei Punkte, die der SC im Gepäck mit nach Hause nahm.



Tipps, Dresscode und eine Alkoholkontrolle

Vom Essener Süden machen wir uns mit der Straßenbahn auf den Weg nach Gelsenkirchen zur Fußball-Arena Auf Schalke. In der proppevollen Bahn werden wir mit ehrlichem Ruhrpott-Charme empfangen. Wir hören bereits einige Anhänger, die über die Höhe der bevorstehenden Niederlage diskutieren. Willy, ein Schalke-Fan wie er im Buche steht: "Ich hab' 4:0 für Schalke getippt, meine Oma 3:1." Nach dem Spiel wird er uns in seine Lieblingskneipe einladen. Probleme wegen unserer Freiburg-Jerseys werden wir seiner Meinung nach nicht kriegen: "Mit eurem Freiburg-Trikot kriegt ihr da keine Probleme. Nur schwarz-gelb darf's nicht sein!"

Routinemäßige Alkoholkontrolle am Eingang der Gäste. Ein Freund von uns muss pusten. Die Antwort des Ordner, der ihm zudem noch einen fragwürdigen Blick zuwirft: "0,97 Promille?!" Unser Mitstreiter, der heute Morgen schon einen Kick auf Asche hinter sich gebracht hatte: "Kann eigentlich nicht sein, liegt daran, dass ich gerade erst den letzten Schluck aus der Dose genommen habe." Der Ordner, etwas ungläubig dreinschauend, verzichtet auf eine Diskussion: "Passt schon. Viel Spaß beim Spiel."
Wir scherzen und vermuten, dass man das Stadion gar nicht unter 0,5 Promille betreten darf. Gespannt warten wir auf das bevorstehende Spiel vor beeindruckender Kulisse.

Emotionen pur und ein Paukenschlag

Im Gästeblock angekommen, stimmt die Tonlage der rund 500 mitgereisten Breisgauer. Laut stimmen sie den Anfeuerungsruf "Hier regiert der SCF" an. Etwas optimistisch, da sie sich zirka 60.000 Schalkern gegenüberstehen. Noch kurz ein leckeres Pils und eine Krakauer von der elektronischen Knappenbezahlkarte abbuchen lassen und schon pfeift Schiedsrichter Fleischer die Begegnung an. SC-Nummer 1 Simon Pouplin muss sich im ersten Einsatz nach überstandener Schulterverletzung, gleich vor der Schalker Nordwand beweisen.



Nach hektischem und nervösem Beginn wittern unsere Jungs ihre Chance und kommen immer besser ins Spiel. Es wird das von Dutt prophezeite Spiel der "Emotionen pur". Die Freiburger werfen viel Kampfkraft und hohe Laufbereitschaft in die Wagschale und vergessen dabei nicht, wie vom Trainer gefordert, den Ball laufen zu lassen. Dann, kurz vor der Pause, ein echter Paukenschlag: Du-Ri Cha lässt über rechts den Knappen Benedikt Höwedes stehen und schiebt überlegt ins lange Eck ein. Kein Wunder, dass ab sofort in unserem Fanblock ausgelassene Freude und Heiterkeit herrscht.

Ansprache und Pfiffe

Die Ansprache zur Pause von S04-Trainer Felix Magath hätten wir allzu gerne gesehen, mitgefilmt und auf Youtube veröffentlicht. Vermutlich wird sie aber ähnlich wie in diesem Video ausfallen. Er hat offensichtlich die Faxen dicke und wechselt zur Pause gleich drei Spieler aus.

Der Schalker Sturmlauf  bleibt allerdings, sieht man von einem guten Kuranyi-Schuss der knapp am Pfosten vorbeirauscht ab, vorerst aus. Für einen Club der in den nächsten vier Jahren Deutscher Meister werden möchte, spielen die Schalker reichlich bieder und einfallslos. Ein sogenannter neuer Schalker Kreisel ist auch mit viel Fantasie auf dem Rasen nicht auszumachen.
Einziges spielerisches Mittel, der wie blutleer wirkenden Knappen, bleibt der lange und hohe Ball auf Kevin Kuranyi. Nicht nur die Leistung der Spieler wird mit Pfiffen quittiert, auch Rafinha, der angeblich vor einem Wechsel zu Bayern München stehen soll, wird gnadenlos ausgepfiffen.



"Der SCF, der SCF, der SCF ist wieder da!"

Der Gästeblock ist im Fußball-Fieber und skandiert: "Der SCF, der SCF, der SCF ist wieder da!" Die ersten Schalke-Fans verlassen die Tribüne und werden mit dem obligatorischen "Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen" freundlich, aber bestimmt von den Freiburger Anhängern verabschiedet. Nur beim Pfostenschuss von Levan Kenia verstummt der Breisgau-Block noch einmal für einen kurzen Moment, doch dann, kurz darauf, ist dass Spiel vorbei. Der erste Sieg in der Bundesliga seit dem 29.1.2005 ist unter Dach und Fach gebracht. Wichtige Punkte sind das, die der SC im Kampf gegen den Abstieg sehr gut gebrauchen kann und mit denen nicht jeder gerechnet hätte.

Lustiger Heimweg

Auf dem Weg nach Hause wird es dann noch mal lustig: Eine asiatische Reisegruppe in schwarz-gelben Trainingsanzügen hatte sich ins Stadion verirrt. Ihr Reiseleiter erzählte vorher wohl nichts von der Farbenvorliebe der Schalker Fans. Wir, mit unseren SC-Trikots, bekommen von den Schalke-Fans anerkennendes Schulterklopfen, kombiniert mit den freundlich gemeinten Worten "Na du Arsch, jetzt freust'e dich, oder?" Die Asia-Truppe dagegen wird mit weniger netten Schmährufen besät: "Schwarz-gelbe Scheiße!"



In der Straßenbahn zurück nach Essen wird über Gott und die Welt diskutiert. Wechselt Rafinha jetzt zu den Bayern oder gibt es einen guten Puff in Bonn? Sofort wird uns ein solches Etablissement empfohlen, welches sogar mit guten "Westermann-Preisen" aufwarten würde.
In unserer Euphorie lassen wir leider die Digitalkamera auf dem Straßenbahnsitz liegen, doch in Erinnerung bleibt ein ehrlicher Schalker Fussballsamstag, mit allem Drum und Dran. Punktesammeln ist schön, besonders auf Schalke!

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[Fotos © dpa, Bernhard]