SCF anno 2014: Zu Gast in der Mackarena

David Weigend

Die Umzugspläne des SC Freiburg, eventuell in Richtung Europapark Rust, beschäftigen heute die Freiburger. Wir wagen einen satirischen Blick in die Zukunft und begleiten Marc Terenzi, Stadionsprecher der Mackarena, im Jahr 2014 zum Regionalligaspiel gegen Toom Baumarkt Schweinfurt. Und Ihr könnt die Geschichte fortsetzen.



10. August 2014

Hart schlagen die Absätze von Marc Terenzis cremefarbenen Westernstiefeln auf dem noch frischen Asphalt des Parkplatzes neben der Mackarena. Nostalgisch pfeift der Endinger Strizzi die Melodie von Bon Jovis „You give love a bad name“ vor sich hin. Marc Terenzi, Stadionsprecher des SC Freiburg, auf dem Weg zur Arbeit, während im Hintergrund sein Privatheli wieder abhebt.

Wie immer begrüßt er die Clubkollegen, die an der Euromaus-Lounge abhängen und Aperol-Isostar süffeln, mit texanischem Handschlag beziehungsweise Bruderkuss: Sportdirektor Dirk Dufner, der sich von Terenzi eine alberne Ed Hardy-Mütze hat aufschwatzen lassen; Co-Trainer Heiko Butscher, der gelangweilt auf seinem i-phone Mini herumtippt; daneben Platzwart Volker Finke, der nach seinem Japanausflug eine neue Herausforderung gesucht und als Greenkeeper in Rust auch ideologisch gefunden hat.



„Hey, Jungs. What’s up? Hat einer den Yacine gesehen?“, fragt Terenzi und lässt eine Kaugummiblase platzen. Yacine, der alte Schrauber. Der sollte ihm ruhig mal helfen, den neuen Hummer ein wenig aufzumotzen. Darauf stehen die Weiber doch.

„Der hängt wohl noch drüben ab und fährt im Mega-hullámvasút ein paar Aufwärmrunden“, sagt Heiko. „Hä? Where?“, fragt Terenzi. „Mega-hullámvasút“, wiederholt Heiko mit der Gleichmütigkeit eines DB-Schalterbeamten. „Kennst du denn noch nicht die Achterbahn im neuen, ungarischen Themenbereich?“ „Ach so, this one!“, denglischt Marc.

Ein Lächeln huscht über seine schmalen Lippen, als er sich erinnert, wie er neulich drei PR-Runden mit dem Ding gedreht hat, jedes Mal eine andere Presse-Tussi, die sein rechtes Händchen hielt. Die fudder-Schnitte war die beste. Hat geschrien wie Gina-Lisa nach der Koksparty im Schneeblau. Aber das ist ja Schnee von gestern.



„Okay, Guys, man sieht sich“, ruft Terenzi, fährt sich beiläufig über die Strassverzierungen im Brustbereich seines SC-Totenkopfshirts und latscht Richtung Sprecherkabine. Die Arena ist zwar nicht ausverkauft, aber mit 20.000 Zuschauern wenigstens dreiviertel gefüllt. Der heutige Gast in der Regionalliga Süd, Toom-Baumarkt-Schweinfurt 05, zieht halt doch nicht so fett wie erwartet.

Terenzi nimmt die Sonnenbrille ab und wirft einen Blick ins Rund der Mackarena: die Fans, die früher im Dreisamstadion auf Nord standen, sitzen jetzt auf Schalensitzen mit Gesäßheizung. Reichlich überflüssig im August. Aber den Stolz der Sponsoren will hier niemand verletzen.

Die fehlenden Stehplätze sind nicht der einzige Grund, warum die meisten SC-Anhänger dem Sportclub den Rücken gekehrt haben: Die Euromaus, die das SC-Füchsle als Maskottchen zwangsablöste; 2012 wurde per Sonderdekret von OB Dieter Salomon verboten, das Badnerlied zu singen, „die Grenze des guten Patriotismus hat dieses Hetzlied schon immer überschritten!“

Stattdessen müssen die SC-Fans beim Einlaufen der Mannschaften nun DJ Bobos „Welcome to the Mack World“ singen. Bier mit Alkohol gibt es keines mehr, dafür ausschließlich Dauer-Kombikarten „SC plus Science House“, die den Fan zum Besuch einer öden Ex-Attraktion im Park nötigen. Den Stau zwischen Autobahnausfahrt und Stadion entgeht man mit dieser Teurokarte freilich nicht.



Ablenkung durch Attraktionen

08.45 Uhr: Trainer Robin Dutt, mittlerweile einen DFB-Pokalsieg und zwei Abstiege im Breuningersakko, sucht verzweifelt nach seinen Spielern. In der Kabine sind sie jedenfalls nicht und um 10 Uhr ist Anstoß. Solche Anstoßzeiten kommen DFL, DSF, VAG und der Europa-Park Freizeit- und Familienpark Mack KG noch entgegen. Und selbstverständlich richtet sich der Vorstand des Sportclubs nach diesen Wünschen. Wo der Euro rollt, da rollt auch der Ball.

Aber, Herrschaftszeiten, wo sind Dutts Spieler abgeblieben?

Speedjunkie Abdessadki hängt wieder im ungarischen Puszta-Rollercoaster ab, so viel steht fest; Mo Idrissou genießt im "Magic Cinema 4D for Adults" den neuen Augustiner-Erotikthriller "Säule der Toleranz III: Alice im Ständerland" und Julian Schuster tuckert samt Großfamilie auf der Marionetten-Bootsfahrt ("Im Walzertakt strudeln die Wassergondeln gemächlich durch die Welt der Feen und Märchen").



Dutt trabt im Zweireiher durch den Freizeitpark. An der Geisterbahn, seit dem Wegfall von Terenzis grässlichen Horrorspäßen reichlich verwaist, sieht Dutt ein bekanntes Gesicht: Leistungsträger Ömer Toprak kommt kreidebleich aus dem Spukschloss, Miss Ortenau im Schlepptau. „Ey, Trainer. Das war so gruselig. Der Riese mit der Perücke am Schluss so: ,Hier ist mein Reich und hier werdet ihr ennnndennn!“

Dutt packt seinen Schützling am Kragen: „Nix da, Ömer, sonst kriegst du mir noch nen Rückfall. Ab in die Kabine. Und kannst du mir nicht sagen, wo die anderen abgeblieben sind? Das Spiel geht gleich los!“

Aber Ömer zuckt nur mit den Schultern und sagt: "Ich würd die anderen mit dem Megaphon ausrufen! Frag doch mal die Wilden Jungs, ob sie dir ihres leihen!"

[Fotos: Europapark, dpa, Otto Schnekenburger]

Wie geht es weiter in der Mackarena? Wenn Ihr Lust habt, schreibt Eure Fortsetzung in die Kommentare. Wir freuen uns drauf.

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