Scanners im Swamp: Bitte niemals aufhören!

Gina Kutkat

Es gibt Bands, für die würde man völlig selbstlos die Hand ins Feuer legen. Weil man um ihre Größe weiß, auch wenn der Rest der Welt noch keine Ahnung hat. Für die Scanners aus London würde manch Freiburger nach dem gestrigen Konzert im Swamp sicherlich auch beide Pranken in die Glut halten, denn auch ihr zweiter Gig war einfach furchtbar schön.



Ihr Körper ruckelt und zuckelt im Takt der Musik, so dass ihre dunklen Ponysträhnen ihre Augen verdecken. Doch Sängerin Sarah Daly hält sie sowieso die meiste Zeit über geschlossenen oder verdreht sie gen Decke, als müsste sie verhindern, dass man ihr in die Seele schauen kann. Ein vergeblicher Versuch - denn die Seele der Scanners-Sängerin steckt in ihren Songs. Und mit diesen Songs gingen sie und ihre drei Bandkolleegen gestern Abend im Swamp mal wieder unter die Haut.


War man nach dem ersten Scanners-Konzert vor 1 1/2 Jahren frisch verliebt in die vier Londoner, so ist aus den Schmetterlingen im Bauch nun Liebe geworden. Das liegt zum einen am Zauber, den Sängerin und Bassistin Sarah ausstrahlt, zum anderen am Vermögen der Band, jeden Song so kraftvoll und inbrünstig zu spielen, sodass die Herzen der Zuschauer mit den Drums um die Wette pochen. Auf der kleinen Wohnzimmerbühne im Swamp sah man gestern Abend, wie sich die Musiker zu ihrer Musik gedankenverloren schütteln. Und damit schüttelten sie auch alle anderen.

Ab und zul schreit Sarah Daly so laut sie will, als hätte sie keine Wände um sich herum. "I Know You're Not Ready To Live/ Are You Ready To Die?" fragt sie den Unbekannten aus ihrem Song "Lowlife". Das Lied hört das Publikum im Swamp an diesem Abend gleich zweimal. Als die Scanners am Ende ihres Konzerts immer wieder auf die Bühne gerufen werden, müssen sie einen ihrer Titel wiederholen, weil sie mit so vielen Zugaben nicht gerechnet haben. Bitte hört niemals auf - wünscht sich der Zuschauer, der soeben 90 Minuten unterkühlten, aber alles andere als abgeklärten, Rock'n'Roll erlebte.

Manchmal genügt eben der einfache Rocksong.

Simpel, direkt und konsequent, so sind die Scanners. Die klassische Instrumentierung wird nur durch Tambourin, Becken und einen Leuchtstab verstärkt, den Sarah bei den elektronischeren Stücken hin- und herwirbelt. Bombast und mehrschichtige Gitarrenriffs sucht man vergeblich, dafür findet man laute Gitarren, einen schnellen Bass und ein treibendes Schlagzeug in den Songs der Alben "Submarine" und "Violence is Golden".

Die Scanners sind nicht nur eine Band, sie könnten auch eine Gang sein. Die kluge und schöne Anführerin wäre Sarah, Gitarristin Amina das wilde und lustige Mädchen, das ab und zu gezähmt werden müsste, Gitarrist Matt der vernünftige große und coole Bruder, der die Verantwortung übernehmen würde und Drummer Tom das freche Nesthäkchen der Truppe. Wer wäre mit solch einer Gang nicht gerne befreundet?

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