SC vs Kuba: Misslungene Generalprobe

Clemens Geißler

Verschüttete Spezi, enttäuschte Zuschauer und Uzomas Lieblingsballverlust: Beim Sportclub ist noch viel Luft nach oben. Drei Tage vor dem ersten Pflichtspiel der Saison präsentierte sich die Mannschaft von Robin Dutt vor 8 000 Zuschauern gestern Abend mit wenig Dynamik und vielen Abspielfehlern. So sprang letztlich nicht mehr heraus als ein mageres 0-0 gegen die Nationalelf von Kuba.



Die Rahmenbedingungen machen Lust auf einen schönen Fußballtag. Sonnige 25 Grad, einige vielversprechende Neuzugänge und ein groß angelegtes Fußballfest mit Riesenkicker, Slalomstangen sowie Fußballkegeln und Preisschießen. Viele Familien erfreuen sich mit ihren Kindern dieser Angebote.


So werden auch einige Leute ins Stadion gelockt, die sich sonst wohl eher nicht dort blicken lassen. Auch die Presseplätze sind von Ortsfremden überlaufen: Kinder, die Spezi über die Tische schütten und viel zu stark parfümierte, weibliche Teenager, die aussehen, als seien sie nach US-Vorabendserienstars benannt worden.

Die meisten von ihnen blättern in irgendwelchen Zeitschriften oder löchern ihre Väter mit Fragen. Mit viel Stolz wird kompetent geantwortet: „Die Roten sinn mir“.



Die Roten kicken besonders in Hälfte eins einen ziemlichen Stiefel. Umständliches Aufbauspiel, kaum Tempo, im Mittelfeld landet nahezu jeder Ball beim Gegner. Eke Uzomas Lieblingsballverlust wird ein halbes Dutzend mal gezeigt: Sich arglos in den Gegner reindrehen und dabei den Ball weit vom Fuß springen lassen.

Sogar Heiko Butscher verliert als letzter Mann den Ball und kann sich beim Neuzugang von Stade Rennes, Torhüter Simon Pouplin, bedanken, dass dieser Conzalez‘ Schuss klärt. In den Minuten 15 und 25 hat Butscher dann aber zwei aussichtsreiche Kopfballchancen, zunächst wird jedoch Abseits gewinkt, beim zweiten Mal lenkt der kubanische Torwart, der beim Aufwärmen einen miserablen Eindruck hinterließ, den Ball über die Latte.



Der Gegner ist alles andere als der erwartete Sparringspartner. Wer mit einem Kantersieg über eine karibische Klamauktruppe gerechnet hat, sieht sich schnell getäuscht. Zwar sieht der Torwarttrainer aus wie ein Kirmesboxer, aber die Insulaner zeigen einen feinen Fußball und auch ihre Namen klingen wie leichte und lebensfrohe Urlaubsmusik: Der Kapitän heißt Jorge Clavelo, andere tragen Namen wie Renier Alcantara, Yusvani Caballero oder Leonel Duarte.



Diese Zerstreuung wird jählings unterbrochen, als Suat Türker nach einem langen Pouplin-Ball vollkommen alleine auf das kubanische Tor zuläuft, aber zum Entsetzen aller am Torwart scheitert. Kurz darauf scheppert ein Schuss des wiedererstarkten Jonathan Jäger flach an den langen Pfosten. Bechmann hatte hereingegeben.

Der Rest der ersten 45 Minuten ist ein müder Sommerkick, währenddessen der Stadionsprecher sogar noch Zeit findet, Geburtstagsgrüße auszurufen: „Sarah von der Nordtribüne wird 22. Grüße von Stefan, Steffen und Chris.“

Aufheiterung bringt da höchstens noch eine Serie von Missfallensäußerungen auf der Haupttribüne: „Worauf wartsch denn?“, „Wie kamma so ä Pass schpiele? Sowas Bescheuertes“, „Sag mal, Ömer, des isch doch alles Scheiße“ und immer wieder „Ha, nai“, auch in der Variante „Hä, nai“ oder einfach nur „Nai“. Man wähnt sich in Wyhl zu Zeiten der Kraftwerkspläne.



Zur zweiten Halbzeit laufen elf neue Breisgauer auf. Selten wurde die Floskel „Man hätte jeden auswechseln können“ so ernst genommen. Auch die Neuzugänge zeigten einen eher enttäuschenden Auftritt. Türker im Sturm bekam wenige Bälle und ließ eine dicke Chance liegen. Bechmann auf rechts offensiv spielte zu zögerlich und hätte sich mehr zutrauen sollen. Vom Neuen aus Straßburg, Yacine Abdessadki, kamen kaum Impulse für den Spielaufbau. Solide, aber wenig beschäftigt agierte Pouplin im Kasten.

Mehr Tempo, ein größerer Wille, weniger klare Gelegenheiten – so lautet das Steno der zweiten Hälfte: Hervorzuheben ist der Einsatz des später verletzt ausgewechselten Ivica Banovic, dem seine vorläufige Versetzung ins zweite Glied sichtlich nicht geschmeckt hat. Der Georgier David Targamadze zeigt einige sehenswerte Dribblings, die an den Iashvili aus besseren Tagen erinnern – Zungeschnalzen und gefällige „Oh‘s“ und „Ah‘s“ allerorten.

Spielmacherqualitäten offenbart zum Erstaunen mancher Maximilian Mehring. Er ist immer anspielbar und in Bewegung, seine Passquote liegt nahe an 100%.



Durch die Feldüberlegenheit des Sportclubs kommt es noch zu einigen guten Gelegenheiten: 46. Minute: Idrissou schießt in Rücklage eine Banovic-Hereingabe über den Kasten. U 19-Europameister Toprak taucht immer wieder bei Standards gefährlich vorne auf: Zwei Kopfbälle (55. und 73. Minute) verfehlen ihr Ziel aber knapp und nach einer Stunde bolzt auch er aus wenigen Metern über das Gehäuse. Zehn Minuten vor Schluss zirkelt Julian Schuster frech einen Freistoß aufs kurze Eck, doch der an diesem Tag fehlerfreie Dany Quinteros kann gerade noch parieren.

In der Schlussphase kommen die Kubaner gar noch zu einigen Kontermöglichkeiten gegen die weit aufgerückten Platzherren, ein Tor wäre aber des Guten zu viel gewesen.

Man kann nur hoffen, dass dieser wenig berauschenden Generalprobe ein gelungenes Pokalspiel in Unterhaching am Freitag folgt. Steigerung unbedingt erforderlich, Haching ist derzeit gut drauf.