SC vs Ahlen: Schlussoffensive wirkungslos

Clemens Geißler

Alles gewollt, aber wenig bekommen: Beim gestrigen 1:1 gegen Rot-Weiß Ahlen hat es dem SC Freiburg an Durchsetzungskraft im gegnerischen Strafraum gemangelt. Immerhin wird man sich nicht über fehlende Spannung im kommenden Aufstiegskampf beklagen können.



Zwei Tore, zweimal die Nummer zwei als Torschütze und zwei verschenkte Punkte sind die Bilanz einer ereignisreichen Zweitligapartie. Vor 15.500 Zuschauern geht Freiburg nach einer starken Stunde in Führung, muss aber nur wenige Minuten später den Ausgleichstreffer hinnehmen.


Es ist ein Abend für Haderer. Der Sportclub erspielt sich in nahezu allen Phasen der Begegnung gute und beste Möglichkeiten, macht aber nur ein Tor. Entsprechend strapaziert wird das Nervenkostüm der Zuschauer. Und am Ende wird es nur ein Punkt. Die brennendste Frage der Heimkehrenden war denn auch, ob es vielleicht wieder nicht zum langersehnten Aufstieg reicht.

Mit solcherlei Überlegungen tragen sich die beiden Bodyguards von Ministerpräsident Oettinger freilich nicht. Sie lehnen lässig im schwarzen C+A-Anzug und mit Knopf im Ohr an einem Daimler mit Stuttgarter Kennzeichen, der hinter der Haupttribüne geparkt ist. Bis dieser abfährt, werden weite Teile der PKWs von Ordnern aufgehalten. Die Reaktion ist ein wütendes Hupen, beinahe noch lauter als das Pfeifkonzert, das viele Fans für den Landesvater bereithalten.



Weitere Zielscheiben diffuser Missfallensäußerungen sind an diesem Abend ein privater Fernsehsender, der sich auf Zweitligafußball spezialisiert hat, sowie immer mal wieder Schiedsrichter Dr. Brych.

In der Tat agiert letzterer oftmals sehr großzügig, wenn es um die Bestrafung von Fouls geht. Denn in der ausgeglichenen Anfangsviertelstunde gehen die Gäste zu Werke, als hätte ihnen Rolf Rüssmann himself eine Kabinenpredigt gehalten: „Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.“ Brych indes belässt es in dieser Phase bei einer einzigen Gelben Karte.

Ab der zwanzigsten Minute dann beginnt eine Drangperiode der Breisgauer, die mit kleinen Verschnaufpausen im Grunde bis zum Schlusspfiff anhält: Den Auftakt bildet ein Schuster-Freistoß aus gut 25 Metern, der um Haaresbreite am Gästegehäuse vorbeifliegt. Mitte der ersten Hälfte passt der emsige Idrissou flach vors Tor, doch Bechmann verzieht aus kurzer Distanz. Im nächsten Angriff dann fällt der Däne im Strafraum, zum Unmut des Publikums bleibt die Pfeife des Unparteiischen aber stumm.

Nach dem Wechsel bestürmt der Tabellenführer – euphorisiert von einer sehr lautstarken Kulisse -streckenweise das Gästetor. Doch ob Schusters Freistoß, Jägers Verstolperer oder Butschers Kopfball aus drei Metern, den der frischgeschorene Mannschaftskapitän mit langen Haaren womöglich noch verwertet hätte – die Kugel will einfach nicht ins Netz. Es ist nicht nur für Butscher zum Haareraufen.



Minute 64: Auf einmal steht Pavel Krmas richtig und drückt eine Abdessadki-Flanke über die Linie. 1:0. Der ganze angestaute Frust bricht sich mit einem riesigen Jubel Bahn. Das muss es jetzt gewesen sein! Feiernde Fans und stehende Badner beklatschen die nächsten Minuten. Was für ein Comeback!

Zurück kommen dann aber leider auch die Westfalen. Einen Augenblick fehlender Konzentration und der aufgerückte Marcel Busch köpft nach einer Ecke aus wenigen Metern ein. Im Gästeblock galoppieren rund 14 Leichtbekleidete vergnügt durch ihr Areal. Für sie muss es wie ein Traum sein, war es doch das allererste Mal, dass Ahlen das Freiburger Gehäuse überhaupt aus der Nähe betrachten konnte.



Aber die Dutt-Elf reißt das Heft sofort wieder an sich. Die Gäste kommen – bis auf ein sehr gefährliches Mal (75. Minute: Flachschuss Großkreutz) – nun kaum mehr aus der eigenen Hälfte. Im Strafraum der Gäste spielen sich mitunter tumultartige Szenen ab, die noch den behäbigsten Tribünengast aus dem Sitz heben.

87. Minute: Innerhalb einer Szene geht Banovic im Strafraum zu Boden und Idrissou köpft an den Pfosten. 90. Minute: Flum feuert aus acht Metern, Langerbein macht aber seinem Namen alle Ehre, klärt mit sensationellem Reflex und hält den Punkt für seine Farben fest.

Hat es der Sportclub jetzt also vermasselt? Emotional betrachtet ja: Hoher Aufwand und wenig Ertrag. Pech und Unvermögen. Alles gewollt, aber wenig bekommen. Doch sachlich betrachtet war die Lage schon lange nicht mehr so aussichtsreich: Acht Spieltage vor Ende Tabellenführer, hat das Team von Robin Dutt alles noch in eigener Hand.



Man muss nicht in jedem Spiel auf Biegen und Brechen auf Sieg spielen, was sich in den finalen Runden der vergangenen Saisons oft eher hemmend auswirkte. Viel entscheidender aber ist, dass der Tabellenführer mit dem gestrigen Spiel wieder zurück zu alter Leistungsstärke gefunden zu haben scheint. Das wird auch einige Enttäuschte auf dem Nachhauseweg wieder aufgerichtet haben.