SC verliert gegen Hannover: Tore und Pfiffe

Joel Ibrahim

Hannover 96 ist so erfolgreich wie nie. Durch drei Tore von Abdelloue (24. Minute), Schlaudraff (31.) und Rausch (58.) am Donnerstagabend im Dreisamstadion ist die Teilnahme am Europapokal in der kommenden Spielzeit so gut wie in trockenen Tüchern.



Wer hätte vor der Saison gedacht, dass nur noch nicht geklärt ist, ob die Hannoveraner in der Euro League spielen oder sogar in der Champions League? Weder Robin Dutt, für den der Klub aus der niedersächsischen Hauptstadt eine der Überraschungen der Saison ist. Und auch die Fans von Hannover 96 nicht, die den Erfolg ihres Vereins mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen.


Einerseits spricht man jetzt endlich mal von Hannover, das sonst als graue Maus im Mittelfeld oder gar in der Abstiegszone rumdümpelte. Auf der anderen Seite kann der nicht allseits beliebte Präsident Martin Kind bei Erfolg seine Argumente contra die 50+1-Regel einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Die 50+1-Regel besagt, dass ein Verein in Deutschland nicht mehr als 50% seiner Anteile an einen Privatinvestor abgeben darf. Martin Kind möchte die Regel abschaffen, damit die Bundesliga international konkurrenzfähig bleibe und Ausnahmeregelungen, wie es sie bei den Werksklubs Wolfsburg und Leverkusen sowie teilweise bei 1899 Hoffenheim und RB Leipzig gibt, keinen Vorteil verschaffen. Vor allem Fangruppen kämpfen für eine Erhalt der 50+1-Regel, um die Kommerzialisierung im Fußball zu bremsen.

Auch Hendrik und Steffen, beide in der Fanszene von Hannover 96 aktiv, sind ob der Vorhaben Kinds empört. Dieser sei ein ziemlicher Idiot, er führe den Verein entgegen der allgemeinen Faninteressen. „Dieser weitere Schritt zur Kommerzialisierung führt, nur um ein Beispiel zu nennen, zu einer von egoistischen Privatinvestoren veranlasste Ticketpreis-Anhebung, um den Profit zu steigern“, sagen sie. Ähnlich sieht es Sascha, 17 Jahre alt, seit vier Jahren kein Spiel seines Klubs verpasst. Er ist der Meinung: „Wer sich gegen seine Fans stellt, anstatt mit ihnen zu sein, der kann sich verpissen.“ Man ist sich einig, das für die 50+1 und gegen Martin Kind etwas unternommen werden müsse. Nur was, da ist man sich noch nicht ganz sicher. Jetzt möchten auch die 96-Fans den aktuellen Erfolg der Mannschaft erstmal genießen.



Das Spielgeschehen vom Donnerstagabend ist schnell erzählt. Versuchte der SC Freiburg in der Frühphase der Partie den Gegner zu kontrollieren und das Spiel zu gestalten, wendete sich das Blatt ziemlich schnell. Und auch von den anfangs lautstarken Stimmen auf der Nordtribüne blieb bald nur noch ein überschaubare Menge übrig.

Immerhin ließ die sich die Stimmung nicht vermiesen und feierte stattdessen weiter ihre Mannschaft und sich selber. Zurechtweisen musste man zahlreiche angebliche Fans, die der frühe Klassenerhalt all zu sehr geblendet hat. Einige meinten die Mannschaft und insbesondere den seit einigen Wochen unter Form spielenden Ömer Toprak derart auszupfeifen und zu beschimpfen, dass es Trainer Robin Dutt auf der anschließenden Pressekonferenz schwer hatte, sich zu beherrschen. Manche Leute hätten augenscheinlich die absurd lange Kranken-Akte des Jungprofis vergessen, so sein Coach. Im Gästeblock war die Stimmung schon gleich nach dem ersten Tor ausgelassen. Der Europapokaleinzug wurde mit teilweise nacktem Oberkörper und dem Hochwerfen von Kleidungsstücken frenetisch gefeiert. Beachtlich, dass so viele Fans aus dem Norden zu solch später Zeit an einem Werktag den Geästeblock füllten. Das Spiel wäre noch schneller erzählt gewesen, hätte Hannover nach dem dritten Tor nicht auch nur noch das Nötigste getan. So schöpfte Freiburg eine  Viertelstunde vor Abpfiff noch einmal Hoffnung, nur leider im Gegensatz zum vergangenen Heimspiel gegen Hoffenheim viel zu spät. Der Anschlusstreffer durch Jan Rosenthal nach knapp 75 Minuten machte zwar die Schlussphase wieder etwas interessanter, es gab auch noch einige Torchancen zu sehen. Aber unterm Strich zeigte es nur eines: Hannover agierte heute insgesamt zu abgeklärt, um geschlagen zu werden. Beim SC Freiburg stimmte wenigstens die Moral.

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  [Bilder: dpa]