SC-Torwart auf Facebook: Oliver Baumann - Gefällt mir!

Markus Hofmann & Julian Schwizler

Die offizielle Facebook-Seite von Cristiano Ronaldo hat 37 Millionen Fans. Die von Mesut Özil 3,5 Millionen. Oliver Baumann, der Torwart des SC Freiburg, konnte zu Wochenbeginn seinen 4575. Fan begrüßen. Der junge Torwart des SC Freiburg ist jener SC-Spieler, der das soziale Netzwerk am intensivsten nutzt und eine eigene Facebook-Seite betreibt. Ein fudder-Interview über Fußball und Facebook.



Betreuen Sie Ihre Facebook-Seite wirklich selber – oder macht das eine Agentur?

Oliver Baumann: Nein, ich schreibe alle Beiträge selber. Am Anfang hat mir ein Mitarbeiter der Pressestelle des SC Freiburg geholfen.

Andere Spieler lassen die Beiträge Ihre Facebookseite von PR-Agenturen verfassen. Ist das nicht Etikettenschwindel?

Doch. Das sollte ein Spieler schon selber machen. Man macht den Fans sonst etwas vor.

Wie ist Ihre Facebook-Page entstanden?

Ich habe mich zunächst privat auf Facebook angemeldet und Freundschaftsanfragen von Leuten bekommen, die ich noch nie im Leben gesehen habe. Ich habe mein Profil dann umbenannt, damit mich keiner mehr findet. Trotzdem hatte ich die Idee, Facebook auch öffentlich zu nutzen und bei der SC-Pressestelle nachgefragt, ob das geht. Die Antwort: „Klar, wir können dir eine offizielle Fanpage erstellen“.  Auf meiner Facebookseite versuche ich den Freiburger Fans jetzt einen kleinen Einblick und ein bisschen Nähe zu geben. Ich möchte den Fans etwas zurückgeben, weil sie uns jedes Wochenende unterstützen Extrem aktiv bin ich aber nicht, da ich nicht die ganze Zeit an meinem Handy hängen möchte, mit dem ich die Seite verwalte.

Mussten Sie schon einmal eingreifen, weil sich User auf Ihrer Facebook-Seite im Ton vergriffen haben?

Es gab wenige Kommentare, die beleidigend waren. Die habe ich gelöscht.

Wie sieht der Facebook-Knigge beim SC Freiburg aus?

Viele Regeln haben wir nicht. Ich kann nur von mir sagen, dass ich nicht so viel Privates preisgeben will. Werbung ist auch ein Thema, da sollte man aus Rücksicht auf die Sponsoren ein bisschen aufpassen. Der Verein beobachtet die Seite und könnte problematische Beiträge rausnehmen.

Der Verein hat also auch Adminrechte und kann intervenieren?

Ja, die hat er. Dass eine andere Person eingreifen kann, ist dann sinnvoll, wenn ich mal nicht auf die Seite schauen kann.

Beim FC Liverpool hat Ryan Babel (jetzt Hoffenheim) nach einem Spiel den Schiedsrichter verspottet und eine Fotomontage über Twitter veröffentlicht. Daraufhin hat der englische Fußballverband ihn zu einer Strafe von 10000 Pfund verurteilt. Wie hätten Sie als Verbandsfunktionär reagiert?

Ich hätte ihm auch eine Strafe gegeben. Die Schiedsrichter haben es schwer genug. Kollegen kann man ja mal aus Spaß veräppeln. Aber bei Schiedsrichtern geht das nicht.

Ryan Babel betreibt auch ein Videoblog auf Youtube, wo man ihn auf Autobahnraststätten und Autowaschanlagen sehen kann. Ist das cool oder ein exzentrischer Egotrip?

Wenn ihm langweilig ist... Mein Ding ist das nicht.



Andere Spieler sind dagegen recht freizügig auf Facebook unterwegs und veröffentlichen auch private Fotos. Warum haben Sie sich dafür entschieden, dass der Privatmann Oliver Baumann auf Facebook kaum zu sehen ist?

Weil ich finde, dass die Fans mich vor allem als Fußballer sehen sollen. Man kann schon mal private Bilder veröffentlichen, aber das sollte nicht zur Gewohnheit werden. Ich will nicht zu viel von meinem Privatleben preisgeben. Ich versuche auch insgesamt, meine Facebook-Aktivitäten in Grenzen zu halten. Ich will einfach ein bisschen Kontakt mit den Fans halten: „Hi, ich geh grad zur U21 und bin im Zug, was macht ihr denn so?“

Der NBA-Star Dwight Howard hat mal getwittert, dass er während des Spiels pupsen musste. Wie viel Nähe zum Star verträgt der Fan?

(lacht) Für die Fans war das sicher witzig. Das ist ja menschlich, Fans pupsen sicherlich auch mal auf der Tribüne. Das kann man schon preisgeben, das ist ja eine lustige Geschichte. 

Als Manuel Neuer zu Bayern gewechselt ist, schlug ihm auf seiner Facebookseite der blanke Hass entgegen. Wie würden Sie damit auf Facebook umgehen?

Als Spieler sollte man sich nie persönlich angegriffen fühlen und vor allem nicht in der Konzentration auf den Fußball stören lassen. Facebook ist ja eine Plattform, auf der die Leute ihre Meinung äußern sollen. Beleidigungen können ja gelöscht werden.

Lukas Podolski präsentiert auf seiner Facebookpage den Hersteller seiner Kickschuhe. Sie haben neulich Ihren Handschuhausrüster vorgestellt. Inwiefern ist Facebook ein Vermarktungskanal für einen Spieler?

 
Vielleicht ist Lukas Podolski dazu vertraglich verpflichtet. Bei mir passiert da gar nichts auf der Ebene. Was meine Handschuhe angeht: Ein Fan hatte die Frage gestellt, mit welchen Handschuhen ich spiele, weil er sich selber diese Marke kaufen will. Da man im Fernsehen sieht, welche Marke das ist, habe ich die Frage ohne Bedenken beantwortet.

Bei der Fußball-WM 2010 haben einige Nationalteams ihren Spielern ein Twitter-Verbot auferlegt. Ist das noch zeitgemäß?

Wenn der Verband oder der Trainer dies während eines Turniers so möchten, ist das in Ordnung. Die Spieler sollen sich aufs Wesentliche konzentrieren und nicht darüber nachdenken „Was könnte ich denn heute schreiben?“. Das ist einfach erfolgsbezogen.



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[Fotos © Dominic Rock, dapd, BZ-Grafik/Zeh]