SC-Talent Christian Bickel: "Mein Traum wird erst wahr, wenn ich die ersten Spiele gemacht habe"

Till Neumann

Nach 17 Regionalliga-Toren in der letzten Saison, ist Christian Bickel seit dieser Saison in der 1. Mannschaft des SC Freiburg. In der Bundesliga wartet der 20-jährige noch auf seinen ersten Einsatz. In der kommenden Woche ist er im Kader beim U20-Länderspiel Deutschland gegen Polen in Offenburg. Till hat für fudder mit ihm gesprochen.

 

 

Christian, du bist seit ein paar Wochen Teil der 1. Mannschaft des 
SC. Wie fühlt sich das an?

Christian Bickel: Ich war letztes Jahr schon ein paar Mal beim Training der 1. 
Mannschaft dabei. Jetzt fest dazu zu gehören ist natürlich anders, 
besser. Es ist ein schönes Gefühl.


Ist für dich ein Traum in Erfüllung gegangen?

Mein Traum wird erst wahr, wenn ich die ersten Spiele gemacht habe. Dann werde ich richtig realisieren, dass ich dabei bin.


Wie ist es, mit den ganz Großen wie Papiss Cissé zu trainieren und zu spielen?

Natürlich hat man am Anfang großen Respekt. Das legt sich dann aber, zumindest teilweise. Klar, will ich denen auch zeigen, was ich kann. Zeigen, dass ich mithalten kann. Aber ich versuche auch, mir etwas von den Spielern wie Cissé oder Schuster abzuschauen.

Was hast du den von Cissé bis jetzt gelernt?

Seine Persönlichkeit, sein Auftreten, das ich richtig gut. Auch neben dem Platz. Wie er seine Tore schießt, was er sagt - das alles 
ist super für die Mannschaft und für mich. Ich kann mir da viel 
abschauen. Cissé ist ein Vorbild.


Wie klappt denn die Intergration in die SC-Mannschaft?

Wir Jungen [Anmerkung von fudder: Er und Simon Brandstetter] wurden super von der Mannschaft aufgenommen. Vor dem ersten Training gab es einen Abend, an dem wir neuen Spieler begrüßt wurden. Heiko Butscher und 
Julian Schuster haben sich gut um uns gekümmert. Der Mannschaftsrat 
im Allgemeinen ist immer für uns da. [Anmerkung von fudder: Der Mannschaftsrat  
besteht aus Kapitän Heiko Butscher, Oliver Barth, Julian Schuster und Pavel Krmas]

In den ersten zwei Bundesligaspielen hast du noch nicht gespielt. Dafür aber 20 Minuten im DFB-Pokal. War das ein überraschender Einsatz für dich?

Gerechnet habe ich mit dem Einsatz definitiv nicht. Es war überragend, dass ich reinkommen durfte. Ich konnte zum ersten Mal 
reinschnuppern, schauen, wie das Niveau so ist.


Hast du das Gefühl gehabt, mithalten zu können?

Ja, schon. Dass dann noch ein Tor nach einer Ecke von mir fiel, war sehr positiv. Auch wenn es das Ergebnis insgesamt nicht war. Ich 
hoffe, dass ich in nächster Zeit noch mehr zeigen kann.


Wie waren die Reaktionen deiner Freunde und Familie?

Alle haben sich für mich gefreut und waren stolz. Die haben das 
Spiel im Fernsehen geschaut.


Wo lebt denn deine Familie?

In Erfurt. Ich telefoniere jeden Abend mit meinen Eltern und meiner Schwester. Wir tauschen uns aus, wie der Tag gelaufen ist. Ich bin 
ein Familienmensch.


Du hast im letzten Jahr bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga ordentlich eingenetzt. 17 Tore in 33 Spielen, das lässt  
sich sehen. Wie viel kannst du dem SC diese Saison helfen?

Die Regionalliga ist nicht die Bundesliga. Aber die 17 Tore waren schon überragend für mich. Ich denke der Knoten ist geplatzt. Wenn 
ich jetzt meine Chance vom Trainer bekomme, versuche ich alles zu 
geben. Mit meinen Standards und meiner Schusstechnik möchte ich Tore 
vorbereiten. Und vielleicht ja auch mal selbst eins machen.


Was glaubst, wie viel Einsatzzeit wirst du diese Saison in der Bundesliga bekommen?

Ich habe da keine bestimmte Vorstellung. Ich arbeite aber dafür, das 
ein oder andere Mal spielen zu dürfen. Der Trainer sagt mir, meine 
Entwicklung ist gut. Ich soll so weitermachen. Dann wird meine 
Chance kommen.


Hast du ein persönliches Saisonziel?

Ich möchte mich weiterentwickeln. Wenn möglich auch mal spielen. 
Wenn nicht, sammle ich Spielpraxis in der zweiten Mannschaft.


Deine Stärken sind, wie du sagst, Standards und die Schusstechnik. Was sind deine Schwächen?

Die liegen eher in der Defensive. In den Zweikämpfen muss ich stabiler werden. Das hat mir auch der Trainer gesagt. Ich mache deshalb zusätzliche Krafteinheiten. Wenn wir im Training Eins zu Eins-Situationen üben, spiele ich immer den defensiven Part. Da legt 
Marcus Sorg Wert drauf. Ich denke, wenn ich diese Schwäche ablegen 
kann, sieht es besser für mich aus.


Am 31. August ist das U20-Länderspiel Deutschland gegen Polen in 
Offenburg. Du bist im Kader.

Richtig. Das ist mein fünftes Spiel bei der U20. Ich denke, die 
Chancen, dass ich zum Einsatz komme stehen ganz gut.


Wie viele Eier legt ihr den Polen in den Korb?

Ich hoffe, dass wir gewinnen werden, egal wie hoch (lacht).


Aktuell ist Jugendtrend im deutschen Fußball. Mario Götze, André Schürrle oder Holger Badstuber haben ungefähr dein Alter. Sie sind  
schon in der A-Nationalmannschaft. Wann sehen wir dich bei Jogi Löw?

Ich freue mich für die Jungs. Sie haben es verdient. Dass sie schon 
soweit sind, spornt mich an. Natürlich ist es auch mein Ziel, 
irgendwann einmal in der Nationalmannschaft zu spielen. Aber dafür 
muss man sich perfekt entwickeln und verletzungsfrei bleiben. Ich hoffe, dass meine Entwicklung gut verläuft. Dazu muss ich aber erstmal im Verein die nächsten Schritte machen.


Was machst du denn, wenn du nicht auf dem Fußballplatz bist?

Ich habe eine Freundin. Sie arbeitet auch beim SC Freiburg. Ich verbringe viel Zeit mit ihr oder mit Freunden. Ich chille viel. Normal, wie andere Jungs in meinem Alter auch.


Es heißt, die Profifußballer würden oft Videospiele zocken. Du auch?

Auf jeden Fall. Mein Lieblingsspiel ist Fifa.

Was für Musik hörst du?

Ich höre das was gerade so läuft. Viel HipHop. Und mir gefallen die 
Black Eyed Peas.


Machst du auch Party?

Fußball, Disko und Alkohol passen nicht zusammen. Ich gehe am 
Wochenende eigentlich fast nie weg. Wenn, dann Mal zur Weihnachtsfeier oder so. Ich gehe vielleicht zwei Mal abends aus. 
Ich bin kein Draufgänger.


Hast du richtige Kumpels in der Mannschaft?

Ich bin mit Simon (Anmerkung von fudder: Simon Brandstetter) zu den Profis 
gekommen. Wir machen viel zusammen. Fahren gemeinsam zum Training und sind auch abends zusammen.


Und die Groupies?

Naja, das hält sich in Freiburg in Grenzen. Ich merke es höchstens 
auf Facebook: Da kommen schon einige Freundschaftsanfragen mehr. 
Aber ich ignoriere das. Ich habe ja eine Freundin.


Abschließend noch deine Prognose. Wo steht der SC am Ende der Saison?

Über dem Strich. Wir halten die Klasse.


Und wer wird deutscher Meister?

Borussia Dortmund. Ich bin seit Kindheit Fan des Vereins.






Zur Person: Christian Bickel



Position: Offensives Mittelfeld
Rückennummer: 29
Geboren: 27. Januar 1991 in Bad Langensalza
Laufbahn: beim SC Freiburg seit 1. Januar 2009
vorher: Rot-Weiß Erfurt und FSV Wacker 03 Gotha

U20-Länderspiel




Was:
Deutschland gegen Polen
Wann: Mittwoch, 31. August, 18.30 Uhr
Wo: Karl-Heitz-Stadion, Offenburger

Drei Spieler des SC Freiburg
wurden von U20-Trainer Frank Wormuth nominiert: Christian Bickel, Simon Brandstetter und Marc Endres. Kein anderer Verein stellt so viele Spieler für den Kader.



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DFB: U20-Team der Männer SC Freiburg: Kader - Christian Bickel Badische Zeitung: SC Freiburg holt Regionalliga-Duo zu den Profis   [Foto: Till Neumann]