SC: Pit richtets in letzter Minute

Clemens Geißler

Dieser Kick war nichts für Frühaufsteher: Einige der gerade mal 12.400 Zuschauer hatten gestern Abend bereits ihre Plätze verlassen, als Jonathan Pitroipa in der 90. Minute den 3:2-Siegtreffer gegen Fürth erzielte. Der Bericht zu einem enervierenden Spiel.



In einer jederzeit spannenden und am Ende mitreißenden Partie konnte das Team von Robin Dutt letztlich drei Punkte einfahren und bleibt so im Aufstiegsrennen weiter auf Verfolgerkurs. Der Gast aus Fürth dagegen verlässt den Breisgau als unglücklicher Verlierer und kann nun wohl alle Erstligaträume begraben.


Nach einer Stunde scheint an der Dreisam alles gelaufen. Es steht 2:1 für Fürth, weil der eingewechselte Ilicevic von der Freiburger Defensive nicht richtig angegriffen wird und Kotuljac seinen Pass über SC-Torwart Langer im Tor unterbringt. Zu diesem Zeitpunkt hat der Sportclub bei schlechterem Torverhältnis sechs Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz und die Saison ist damit so gut wie abgehakt. Das Publikum ist wie gelähmt und keiner traut den Rot-Weißen noch etwas zu.



Doch dann kommt wieder einmal das zum Vorschein, was die Mannschaft schon in so vielen Heimspielen (und leider zu selten auch auswärts) gezeigt hat: Wenn es nicht läuft, bäumt sich das Team noch einmal mit aller Macht auf. Indes: Allein mit dem Willen wäre das Spiel wohl nicht mehr gekippt. Es braucht schon eine der unzähligen Leichtfertigkeiten in der Gästedefensive, um den Sportclub auf die Siegerstraße zu bringen.

Ein versuchter Befreiungsschlag landet irgendwie auf Linksaußen, wo Schlitte schnell schaltet und den Ball am überhastet herausgelaufenen Torhüter Kirschstein vorbei auf Pitroipa querlegt. Dieser drückt den Ball mit der Hacke ins leere Tor: 73. Minute: 2:2. Kurzer Jubel, dann die Erkenntnis: Auch ein Punkt ist zu wenig. Von Fürth kommt jetzt gar nichts mehr. Freiburg drängt die Kleeblätter tief in die eigene Hälfte. Aber es springt – außer einem Banovic-Kopfball nach einer Ecke – nichts mehr Zwingendes heraus.

Dann die 90. Minute. Wie im Training kombinieren sich die Hausherren plötzlich noch einmal durch fränkische Slalomstangen nach vorne. Akrout-Idrissou-Akrout-Idrissou-Querpass auf Pitroipa und dieser netzt in Luca-Toni-Manier eiskalt mit links ein. 3:2. Fürth ist niedergerungen, das Stadion bebt: Kollektive Gänsehaut.



Dabei sieht es lange nicht nach einem weiteren Heimsieg aus. Denn die Sportclub-Abwehr verhält sich anfangs wie der Prototyp des höflichen Gastgebers. Pavel Krmas setzt mit viel Übersicht – leider den gegnerischen – Martin Lanig in Szene und dieser bedankt sich, indem er nach innen zieht und mit einem scharfen Flachschuss Michael Langer keine Chance lässt. So hat man sich an der Dreisam das Verfolgerduell nicht vorgestellt.

Eine Viertelstunde lang spielt die Dutt-Elf mit schlechter Raumaufteilung und teilweise übernervös. So stellt sich etwa wieder Krmas eine gefühlte Minute auf einen langen gegnerischen Abschlag ein und köpft trotzdem ins Leere. Mit angeschwollener Zornesader brüllt ein Haupttribünengast, was alle denken: „Aufwachen!“

Heiko Butscher scheint sich das zu Herzen zu nehmen. Mit überragendem Einsatz setzt er – trotz diverser Ballverluste – einfach solange nach, bis er plötzlich auf halblinks vor dem Fürther Goalie auftaucht. Seinen Rechtsschuss kann Kirschstein noch parieren, dem anschließenden Kopfball Butschers aber nur noch hinterher schauen: Der Ausgleich zeigt wieder einmal, was ein Tor bewegen kann.

Der Sportclub beißt sich jetzt in die Partie und profitiert dabei immer wieder von sorglosem Abwehrverhalten der Franken. Insbesondere vor der eigenen Abwehr gefällt sich die Elf von Bruno Labbadia mit ungenauen Flachpässen der Marke „Wirf ihm ein Stück Brot nach, sonst verhungert er“. Leider aus Sicht der Freiburger reicht es nur zu einem Schuss von Ali Günes, dessen Abpraller Idrissou nicht erreicht.

Dann, kurz vor der Pause, ist Rot-Weiß schon von den Sitzen aufgesprungen: Aber Glockners trockener Linksschuss landet nur am Innenpfosten. So muss auch Andreas Ibertsberger am Wurststand noch auf Hälfte zwei hoffen, in der sich ja dann zum Glück alles wunschgemäß entwickeln wird.



Hervorzuheben sind die Moral der gesamten Truppe von Robin Dutt im allgemeinen sowie im besonderen die überragende Leistung von Kapitän Heiko Butscher, der gestern sein überragendes Stellungsspiel und seine Zweikampfstärke sogar noch mit Ideen in der Spieleröffnung vereint. Dass gerade ihm der zwischenzeitliche Ausgleich gelingt, ist da nur noch das i-Tüpfelchen auf die Vorstellung des Freiburger Abwehrchefs.

Bleibt zu hoffen, dass der Sportclub den Rückenwind aus dem packenden Schlagabtausch gegen Fürth mit nach München nimmt und endlich auswärts einmal nachlegt. Zweifel sind dabei allerdings durchaus angebracht, hatte man doch gestern die längste Zeit das Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, in dem keine der beiden Mannschaften für die erste Liga tauglich ist.