SC: Gute Defensive sorgt für Arbeitssieg

Hanno Riethmüller

Der SC Freiburg hat sich wieder einmal schwer getan. Harte Arbeit war nötig, um die Serie von vier Siegen in Folge des FC Augsburg zu beenden. In einem spielerisch eher schwachen aber zumindest immer spannenden Spiel gewinnt der SC mit 1:0.



In der Pressekonferenz nach dem Spiel wird Sportclub-Trainer Robin Dutt besonders die Abwehrarbeit seiner Mannschaft loben und den spürbaren Willen, dieses Spiel unbedingt zu gewinnen. Dabei hatte die Mannschaftsaufstellung eher etwas anderes vermuten lassen.


Mit vier Stürmern war die Mannschaft auf’s Feld gegangen. Neben Mirnes Mesic und Karim Matmour präsentierten sich den 13.400 Zuschauern mit Amir Akrout und Mohamadou Idrissou auch zwei neue Gesichter, was zunächst einmal Hoffnung auf ein offensiv geführtes Spiel machte. In der Defensive dagegen nichts Neues. Die Viererkette in gewohnter Besetzung mit Daniel Schwaab, Pavel Krmas, Heiko Butscher und Dennis Aogo und davor die beiden defensiven Mittelfeldspieler Eke Uzoma und Ivica Banovic.

Die ersten Minuten des Spiels versprachen durchaus eine offensive Ausrichtung. Der SC versuchte das Spiel schnell nach vorne zu tragen, blieb aber durch eine ganze Reihe von Abspielfehlern immer schon sehr früh in der Augsburger Abwehr hängen. Aber schnell war spürbar, dass die Freiburger Mannschaft in der Defensive sehr aggressiv und konsequent zu Werke ging. Die Kritik der letzten Wochen an der Defensivarbeit schien Wirkung zu zeigen.

Die Offensive fand jedoch nur langsam ins Spiel. So war es fast überraschend, als nach 10 Spielminuten bereits das Führungstor für den Sportclub fiel. Akrout hatte sich sehenswert auf der linken Seite an der Grundlinie durchspielen können, passte den Ball scharf nach innen, so dass ihn der Augsburger Torwart Neuhaus nur abfälschen konnte. Der Ball sprang Matmour vor die Füße, und der hatte wenig Probleme, zum 1:0 zu verwandeln. Die Führung tat nicht nur der Seele gut, sondern auch dem Spiel. Der SC gewann deutlich an Sicherheit und hatte Spiel und Gegner nun deutlich im Griff, allerdings ohne sich klare Torchancen herausarbeiten zu können.

Nach zirka 30 Minuten drohte das Spiel dann aber immer mehr zu verflachen. Und so wurde eine scheinbare Nichtigkeit zum Aufreger und gab dem Spiel eine erstaunliche Wende. In einem harmlosen Zweikampf mit Banovic ließ sich der Augsburger Michael Thurk fallen und forderte danach vehement vom Schiedsrichter Anklam einen Freistoß. Wegen nachhaltigen Meckerns erhielt er die Gelbe Karte. Von nun an schienen die Augsburger wie wachgerüttelt, vor allem allerdings in Hinsicht auf Unfairness im Spiel. Ständig wurden Schiedsrichterentscheidungen kritisiert und gegnerische Spieler provoziert.

Leider war Referee Anklam mit dieser Situation überfordert und begann, das sowieso schon etwas zerfahrene Spiel hoffnungslos zu zerpfeifen. Die Folge davon waren bis Spielende sechs Gelbe, ein Gelb-Rote und eine Rote Karte.



Doch zunächst profitierten die Augsburger auch im Spiel von der veränderten Situation. Butscher und Krmas hatten bis dahin alle ihre Zweikämpfe und Kopfballduelle gewonnen. Doch plötzlich drückten die Augsburger und die Freiburger Hintermannschaft wurde nachlässig. Zunächst strich nach einer Ecke ein Kopfball knapp über Alexander Walkes Tor. Und nur kurz darauf in der 37. Minute kam nach einem schlecht geklärten Freistoß ein Augsburger völlig ungehindert auf der linken Strafraumseite zum Schuss, beförderte den Ball aber zur Erleichterung der Zuschauer nur ans Außennetz. Bis zum Pausenpfiff konnte sich zwar keine Mannschaft mehr Torchancen erarbeiten, aber die Augsburger hatten mehr vom Spiel.

In der Halbzeitpause wurde auf den Tribünen eifrig diskutiert, wie dem Freiburger Spiel durch personelle Änderungen auf die Sprünge geholfen werden könnte. Es fehlte offensichtlich eine Schaltstelle im zentralen bzw. offensiven Mittelfeld. Mesic, der diese Position wohl auszufüllen hatte, spielte unglücklich und war bis dahin kaum zu sehen gewesen. Also Manuel Konrad oder Owusu Ampomah rein und Mesic raus? Oder Aogo nach vorne, Butscher auf Links und dafür Otar Khizaneishvili in die Innenverteidigung? Nichts davon passierte. Trainer Dutt schickte dieselbe Elf wieder auf den Platz und diese Rechnung schien zunächst aufzugehen.



Der Sportclub übernahm wieder das Kommando auf dem Feld und spielte auch fleißig nach vorne. Doch Idrissou zielte vorbei und ein Tor von Butscher nach einem Aogo-Freistoß in der 50. Minute wurde wohl zu Recht wegen Abseits abgepfiffen. Nur eine Minute später war Matmour plötzlich am Strafraum durchgebrochen, wurde aber vom Augsburger Hertzsch weggeschubst und der erhielt dafür die Rote Karte, weil er nach Meinung des Schiedsrichters letzter Mann gewesen war.

Nun waren die Augsburger erst richtig aufgebracht und das Spiel wurde fortan mehr von Meckereien, Fouls, Schwalben und kleinlichen Schiedsrichterentscheidungen bestimmt als von sehenswertem Fußball.

In Überzahl kontrollierten die Freiburger nun vorerst das Spiel, aber Torchancen blieben Mangelware. In der 66. Minute wurde dann der numerische Vorteil des SC egalisiert, weil Akrout - der in der ersten Hälfte bereits wegen Verhinderns der Ausführung eines Freistosses die Gelbe Karte gesehen hatte –  für ein durchaus umstrittenes Foul bei einem Kopfballduell die Gelb-Rote Karte gezeigt bekam.

Viel Fußball bekamen die Zuschauer nun nicht mehr geboten. Ständige Unterberechungen ließen keinen Spielfluss aufkommen. Butscher köpfte noch knapp neben das Tor und Aogo versuchte einen Dropkick mit Wucht ins Tor zu befördern, schoss aber weit über den Kasten.

Erst in der 78. Minute entschloss sich SC-Trainer Dutt zur ersten Auswechslung. Ampomah kam für Mesic, der sich in der zweiten Halbzeit leicht verbessert zeigte. Ampomah konnte aber nicht für eine Belebung des Spiels sorgen. In der 81. Minute kam Henrich Bencik für Idrissou. In der Schlussphase drohte der Sportclub sich noch einmal den Schneid abkaufen zu lassen. Der FC Augsburg drängte auf den Ausgleich, was aber hauptsachlich am erneut nachlassenden Offensivspiel der Freiburger lag. Zu fahrlässig war die Mannschaft, wenn sie in Ballbesitz war, dafür umso konzentrierter und bissiger, wenn es darum ging, die Augsburger nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

So entstanden noch einige scheinbar brenzlige Situationen, was zur allgemeinen Nervosität auf den Zuschauerrängen beitrug, aber letztlich ließ die Abwehr keine Torchance der Gäste mehr zu und schaukelte den knappen 1:0 Sieg nach Hause.



Nun war nicht nur Robin Dutt klar: Diesen Erfolg hatte die Mannschaft der ausgezeichneten Defensivarbeit zu verdanken. Allen voran muss da Eke Uzoma genannt werden, der ein grandioses Spiel machte. Banovic spielte gut, verblasste aber neben dem fast schon omnipräsenten Uzoma. Krmas und Butscher bildeten eine weitgehend souveräne Innenverteidigung, aber die Außenpositionen ließen ein wenig zu wünschen übrig. Schwaab erwischte einen weniger guten Tag und bei Aogo wechselten sich Licht und Schatten ab. Im Angriff tat sich vor allem der Tunesier Akrout durch einen in Freiburg selten gesehenen und schon immer schmerzlich vermissten Zug zum Tor hervor.

Idrissou war nicht sehr auffällig, fügte sich aber gut in die Mannschaft und Matmour kam über seine rechte Seite weniger zum Zuge als sonst. Allerdings war er an allen Spiel entscheidenden Situationen beteiligt. Mesic blieb wie erwähnt blass und Torwart Alexander Walke hatte aufgrund der stabilen Abwehr keine Möglichkeit, aber auch keinen Anlass, sich auszuzeichnen oder einen Fehler zu machen.

Unter der Überschrift ‚Arbeitssieg’ ist dieses Spiel wohl abzuhaken, was auch dem eher erleichterten als begeisterten Applaus der Zuschauer nach dem Spiel zu entnehmen war. So bleibt noch festzuhalten, dass der Sportclub seine Serie von sieben Spielen ohne Sieg beenden konnte und weiterhin in der Tabelle an den Aufstiegsplätzen dranbleibt. Kein schönes Spiel, kein überzeugender Sieg, aber trotzdem war’s unterhaltsam, ganz im Gegensatz zum letzten Heimspiel gegen Osnabrück. Die defensive Präsenz der Mannschaft war beeindruckend und mit meinem persönlichen Hoffnungsträger Akrout und einem akklimatisierten Idrissou wird Robin Dutt in der Pressekonferenz sicherlich auch mal die Offensivarbeit herausheben können.