SC gegen Nürnberg: Tapfere Kämpfer im Dreisamstadion-Kühlschrank

David Seitz

Zwölf kranke Spieler im Kader, darunter Torjäger #1 Papiss Demba Cissé: unter diesen Bedingungen konnte der SC Freiburg gegen den 1. FC Nürnberg keine Glanzleistung hinlegen, aber erkämpfte sich ein 1:1. David war für fuder dabei. Wie's war:

6 lange Wochen musste er ohne sein Badenova Stadion auskommen, die Vorfreude auf das erste Heimspiel war überschäumend, doch dann das: Es las sich dramatisch für den SC Fan als am späten Dienstag Nachmittag eine Schreckensmeldung die Runde machte. "Cissé verletzt, Schuster verletzt". So simpel aber genauso besorgniserregend war die Hiobsbotschaft. Kann Freiburg jetzt überhaupt noch gewinnen, wer soll jetzt die Tore schießen, hat der SC überhaupt noch einen Stürmer? Verschiedenste angstvolle Fragen kursierten im Netz und es schien kurzzeitig so, als hätten zwei Ausfälle den seit dieser Saison gelassenen und erfolgsverwöhnten Freiburger Fußballfan in Angst und Schrecken versetzt. Das war am Dienstag.


Je länger sich der SC Fan aber mit der unangenehmen Situation auseinandersetzte desto mehr beruhigte sich sein Gemüt. Er merkte, dass mit Kisho Yano doch noch ein gelernter Stürmer im Kader steht. Er seufzte beruhigt als er bemerkte, dass mit Nürnberg nicht unbedingt ein Angstgegner nach Freiburg kommt und er schmunzelte schon wieder ein bisschen als am Donnerstag der Wechsel von Erik Jendrisek von Schalke nach Freiburg offiziell bekannt gegeben wurde.

Der Schock saß immer noch tief, doch in sozialen Netzwerken half man sich gegenseitig wieder auf die Beine:

Status von SC-Fan 1: Stärkt sich noch bissle, dann geht's ab nach Freiburg: noch hat Nürnberg trotz der vielen Ausfälle beim SCF nicht gewonnen!!!

SC-Fan 2: Hat de Jendrisek eig schon die Spielberechtigung?

SC-Fan 1: Jep, formal spielberechtigt ist er wohl...nur er war selbst wohl auch gerade krank, das heißt es  ist die Frage wie fit er ist und ob Dutt ihn dann gleich reinwirft, was ich mir Mangels Alternativen aber schon vorstellen kann...

SC-Fan 2: Denk er wird fit sein, war ja immerhin Spieler unter Magath :D die haben ja au Training bei Minus Grad un müsse ohne Handschuhe un Mütze trainiere :D hoff mal der knippst gleich ;)

SC-Fan 1: Hoffen wir's mal dass IRGENDWER trifft :) und ab geht's!

SC-Fan 1: :D Stimmt auch, von mir kann au der Barth treffe;) 3 Punkte müsse her!!


Bis zum entscheidenden Spiel am Samstag Nachmittag ist der SC Fan dann zu 95% widerhergestellt, auf Nord strotzen die Gesichter nur so vor Heißhunger auf drei Punkte. Trotzdem ist dem SC Fan bewusst.  "Heut geht's um die Wurscht" – eine echte Bewährungsprobe steht bevor und man ist sich nicht immer ganz sicher ob der SC Fan wirklich nur wegen der eisigen Temperaturen so zittert.

BadenFM Mann Oli Bolz ist der Erste der eine Ladung Fan-Frust abbekommt, "Jaja ich hab' euch auch vermisst" – seine persönliche Liebeserklärung an die Nordtribüne. Cissé ist für einige Sekunden auf der Anzeigentafel zu sehen, der SC Fan flippt aus, das Gesicht allein versetzt die Nordtribüne in Freudentaumel, dann wieder Ruhe – noch ist ja kein Tor geschossen, kein Ersatz gefunden.
Mit dem ersten Bier in der Hand und der Sonne im Gesicht setzt leichte Entspannung ein, die Blicke richten sich auf die 11 Roten, die es an diesem Tag richten sollten.

Die erste Überraschung des Tages: Dutt wirft Neuzugang Jendrisek ins kalte Wasser. Was der SC Fan mit Hilfe seines iPhones eigentlich schon längst recherchiert hatte wird zur Gewissheit. Zwei Trainingstage müssen reichen um sich zu aklimatisieren und ein bisschen Namen zu lernen.

Anpfiff, der SC Fan hat die Strapazen der letzten Tage vergessen, verdrängt oder auf Spielende verschoben – was sich ihm auf dem Platz bietet lässt zunächst weder Hoffen noch Bangen zu. Die SC Abwehr steht wie ein Bollwerk – Bastians, Butscher, Barth und Mujdza lassen die Clubberer auflaufen wie ein Kagan Türsteher in Höchstform. Der 1. FC Nürnberg kommt während der ersten Halbzeit nicht ein einziges Mal gefährlich vors Tor, der SC Fan ist kurz zuvor sich entspannt zurückzulehnen, doch ein altvertrauter Gedanke verhindert den vollständigen Entspannungszustand. Wer schießt heute das Tor für den SC? Die Missverständnisse im Offensivspiel häufen sich, das neue System mit den zwei Spitzen Caligiuri und Jendrisek scheint noch nicht verinnerlicht, Jan Rosenthal vertendelt einige Bälle – richtig gefährlich ist auch der SC in der ersten halben Stunde nicht.

Der SC Fan will gerade den Frust über die teils merkwürdige Regelauslegung von Schiri Marco Fritz mit einem großen Schluck aus dem Becher hinunterspülen, da passiert die Sensation. Fast aus dem Nichts schießt Johannes Flum den SC mit 1:0 in Front, der Ball kullert ihm über den Kopf und aus kürzester Distanz schiebt Flum ein. Souverän ist anders, aber das ist dem SC Fan sowas von egal, das herbeigesehnte Tor ist da von oben kommt die Bierdusche, von vorne die Sonne – Stadion-Wellness in Reinkultur ."Wir brauchen keinen Cissé, wir haben ja Flum", der SC Fan wird kurzzeitig übermütig, mit seinem iPhone bringt er historisches ans Licht. "500. Bundesligator für den SC Freiburg, wie geil ist das denn".

In der Folgezeit verpasst es der SC Freiburg dann aber einen Treffer nachzulegen, Caligiuri ist immer wieder auf der rechten Seite durch, macht aber zu wenig aus den sich bietenden Räumen. Jendrisek läuft viel, lauert permanent auf Fehler, doch das Spiel läuft an ihm vorbei. Felix Bastians sagt später über Jendriseks Leistung. "Er hat alles reingehauen was er hatte, aber er war ja kürzlich noch krank". Begeisterung klingt irgendwie anders.

Die erste Hälfte plätschert zu Ende, doch kaum hat Schiri Fritz wieder angepfiffen platzt dem SC Fan der kragen. "Wie kann man denn da Einwurf geben, da war doch der Nürnberger dran". Er ist auf 190, Nürnberg wechselt aus, doch die Pfiffe gegen den Schiri reißen nicht ab. Dann plötzlich Stille – fassungslos schaut der SC Fan ins eigene Tor zu Füßen der Nordtribüne. Während Schiri Fritz noch sein Fett weg bekommt schießt Julian Schieber das 1:1, ein Sonntagsschuss aus spitzem Winkel in den Winkel des Tors von Oliver Baumann.

Da ist sie plötzlich wieder, die Angst, die Panik, die jetzt eine Stunde lang einfach weg war, innerhalb von fünf Minuten kommt der 1. FC Nürnberg drei mal gefährlich vor das Freiburger Tor. Der SC Fan muss aus nächste Nähe mit ansehen wie sein Team mit dem Feuer spielt, Eigler trifft die Latte, der Kopf ist knallrot. Durchatmen, weitersingen: "Auf geht's Freiburg schieß ein Tor!" - Leichter gesagt als getan.

Die souveräne Defensive aus der 1. Halbzeit scheint im Kopf schon auf der Massagebank zu liegen, Nürnberg demontiert nicht aber dominiert, doch das Spiel plätschert nur noch so dahin. Immer wieder liegt ein Nürnberger am Boden, auf der Suche nach dem spielerischen Niveau möchte man meinen. Gegen Ende des Spiels findet die Freiburger Defensive langsam wieder zusammen, der Kopf des SC Fan hat die Farbe gewechselt, blassrosa, aber gezeichnet von den letzten Minute, dann der Abpfiff.

Abgsehen von den wenigen Torszenen war es ein Spiel, wie man es sich vorstellt wenn der VFL Osnabrück gegen Waldhof Mannheim spielt, das 1:1 ist unterm Strich gerecht und der SC Fan weiß nicht ob er sich nun über den Schiri, über die Nürnberger oder doch über den SC Sturm aufregen soll. Ratlos macht er sich auf den Heimweg. Wie hat der Schieber eigentlich den Ball aus diesem Winkel reingeschossen? Hat der SC die Bewährungsprobe bestanden? Wäre es mit Cissé und Schuster besser gelaufen? Haben wir jetzt einen Ersatz-Torjäger oder nicht?

7 Tage bleiben um diese Fragen zu diskutieren und die Euphorie wieder zu entfachen, dann geht's nach Stuttgart zum Derby.

 

Stimmen zum Spiel


Oliver Barth:
"Man muss einfach damit rechnen, dass wir in der Rückrunde nicht mehr ganz so viele Punkte machen wie in der Hinrunde, wir müssen jetzt so schnell wie möglich 40 Punkte zusammenkriegen und dann schauen wir weiter. Der Ausfall von Cissé bringt uns nicht aus dem Konzept, wir trainieren ja jeden Tag miteinander und können damit schon umgehen."

Felix Bastians: "Wir haben uns in der ersten Halbzeit für die offensive Variante entschieden und Forechecking gespielt,  in der zweiten Hälfte ist uns dann halt ein wenig die Luft aus gegangen, was verständlich ist. So einen Spieler wie Cissé vermisst man immer, wir haben das ohne ihn ganz gut gemacht."

Mehr dazu:

[Bilder: dpa]