SC Freiburg vs. Stoke City F.C.: Im Traumland

Veit-Lorenz Cornelis

Es geht wieder los. Diese Sache mit dem Ball. Am Samstag hat der SC Freiburg im Saisoneröffnungsspiel gegen Stoke City 1:1 gespielt. fudders Fußball-Philosoph Veit Cornelis war auch dabei:



Wie ein Kind am Weihnachtsvorabend habe ich mich gefühlt. Oder ein jung-gebliebener Erwachsener am Weihnachtsvorabend. Oder vielleicht wie der Weihnachtsmann kurz vor seinem Jahreshöhepunkt. Ach, ich weiß nicht. Ich habe mich eben gefreut. Mit dem Fahrrad den neuen Highway „FR-1“ Richtung Littenweiler, durch das Drehkreuz hinein, Radler links, Heimspiel rechts. Hinein auf die Galeria del Norte. Erste Treppe hoch, rechts halten. Durchdrücken, ankommen, der Blick auf's Grün. Chirurgische Präzision. Welcome home, Football! Es geht wieder los.


Titelträume

Zweite Minute, erstes Tor. So kann´s losgehen. Das Radler schwappt leicht über – das Zittern ist wieder da. Wie ein Junkie habe ich mich nach Monaten des Entzugs gefragt, ob ich geheilt bin. Zufrieden stelle ich fest: Ich bin noch immer suchtkrank. In meinen Vorstellungen rauschen Bilder vor meinem imaginären Auge vorüber: Julian Schuster mit Meisterschale, Champions-League-Pott, „Sportclub-Museum meistbesuchtes Museum am Oberrhein“ – der Titel der Badischen-Zeitung hinausgetragen in die Welt. Als Pavel Krmas den Eckball ins Tor köpft, bin ich mir sicher, dass diese Saison zufriedenstellend wird. Ich nippe glücklich an meinem Radler.

Hannover, Augsburg, Hoffenheim, Freiburg

Die darauf folgenden Minuten lassen mich wieder etwas hektischer trinken. Die Retrospektive des SCF erstrahlt in musealer Gestalt. Wie so oft gesehen, zieht sich der Sportclub nach Führungstreffern zurück. Lässt nach einer gelungenen Anfangsphase den Gegner etwas kommen. Es folgen Bilder im Kopf, die daran erinnern, dass der Fußballgott „das Unentschieden“ geschaffen hat. Beliebte Jünger dieser Insignie: Hannover, Augsburg, Hoffenheim...und jetzt der SC. Wird es so kommen, haben wir den Klassenerhalt am 30. Spieltag sicher. Eine Platzierung 10 bis 13. Solides Mittelfeld – Fokus auf die nächste Saison. Tristesse de football.



Der SC Freiburg in Liga zwei...

Der Ausgleich durch die englischen Gäste, die im Übrigen ihrer nachgesagten Brutalität im Zerstören gegnerischer Angriffe ausgiebig nachkommen. Der Ausgleich fällt kurz nachdem Krmas fällt. Pavel Krmas, mit dem ich mich gerne mal über die tschechische Literatur während des Prager Frühlings unterhalten würde, dieser Strafraumhüne, lässt den Engländer, ausgerechnet in Persona des Ex-Hannoveraners Mame Diouf ziehen und zielen.

Da ist es wieder dieses Gefühl: Testspielpanik!

Heute eine Klatsche kassieren und die ersten Gegner in der Liga trinken den Schampus schon beim Einzug ins Colombi. So geh´n die Freiburger, die Freiburger.... ich verdränge jeden dunklen Gedanken. Ich halte es wie Luke Skywalker: Niemals lasse ich diese dunklen Mächte zu. NIEMALS!




In der zweiten Halbzeit machen uns einige Angriffe und Personen auf dem Feld sehr froh. Ich bin glücklich, dass Fallou Diagne noch da ist. Ich bin froh, dass Sebastian Freis noch da ist. Und als Sascha Riether den Platz mit seiner legendären Nummer „22“ betritt, geht es mir wie der Tante, die den verlorenen geglaubten Neffen nach 30 Jahren wieder sieht. „Schön, dich wieder zu sehen. Wo hast Du gesteckt? Erzähl mal....!“. Seine Handzeichen entsprechen denen Sir Simon Rattles während er Beethovens was-weiß-ich dirigiert. Elegant und geplant.

Einige folgende Angriffe lassen hoffen: Wir werden nichts mit dem Abstieg zu tun haben! Einige Angriffe der Gegner schüren Angst. Dann der Abpfiff. Unentschieden. Nächste Woche geht es los gegen Eintracht Trier im Pokal. Dann zeigt sich, was die Streich-Jungs leisten können. Das Radler ist ausgetrunken. Die Sonne scheint. Der Mensch ist zufrieden. Stoke City F.C. (nicht irgendein Gegner!) ein Unentschieden abgerungen.

Mal sehen, von was ich heute Nacht träumen werde...

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[Fotos: dpa]