SC Freiburg verliert 0:4 in Köln: Ganz unten angekommen

Jan Wittenbrink

Der SC Freiburg taumelt Richtung zweite Liga: 0:4 hieß es am Samstag beim 1.FC Köln. Jan war für fudder im Gästeblock dabei.



Der Stadionsprecher gibt in Köln gerne mal den Theaterdirektor. „Es gibt nun 15 Minuten Pause, in denen Sie etwas essen und trinken können.“ Eine Viertelstunde später: „Nehmen Sie jetzt bitte wieder Ihre Plätze ein, es folgen weitere 45 Minuten Spielzeit.“ Zweiter Teil einer Vorstellung, auf die die mitgereisten Freiburger Fans an diesem Samstagnachmittag wohl gerne verzichtet hätten.


Vor dem Spiel ist vieles ähnlich wie in Freiburg. Beim Superschling-Gewinnspiel werden Preise in die Fankurven geschleudert. Ein Solar-Unternehmen wirbt auf Werbebanden für Sonnenenergie. Das Wetter ist auch wie zuhause, die Sonne strahlt durch die Streben des Daches hindurch direkt in den Gästeblock. Wer erkennen möchte, was sich auf dem Rasen abspielt, muss eine Hand vor die Stirn halten. Das erschwert das Klatschen. Ist deshalb die Stimmung so mies?

Der Vorsänger mit schwarz-rot-gelber Mütze müht sich vergeblich, den recht spärlich besetzten Freiburger Block für sich zu gewinnen. Die Fans stehen schweigend da und beobachten, wie Lukas Podolski auf der Gegenseite schon in der zweiten Minute beinahe Oliver Baumann überwindet. Latte. Von unten zieht Glühweinduft die Stufen hinauf.

Die Freiburger leiten in der ersten Hälfte einige vielversprechende Aktionen über rechts ein, der entscheidende Pass in die Mitte geht aber jeweils daneben. Als Jan Rosenthal in der 23. Minute im Mittelfeld den Ball verliert, geht es ganz schnell. Podolski legt ab auf Christian Clemens, 0:1. Der SC liegt mal wieder hinten. Zum achten Mal in Folge. Aus dem Gästeblock ertönt ein zaghaftes „Wir wollen euch kämpfen sehen“. Nach der Pause geht nach vorne fast nichts mehr. Keine Ideen, kein Kampfgeist.



Ein wackeres Grüppchen rund um den Vorsänger singt monoton vor sich hin. Gegenüber springt die FC-Tribüne wild auf und ab. Der Kölner Erzfeind Mönchengladbach liegt hinten. Gegen Augsburg. Der SC ist also letzter. Und liegt plötzlich 0:2 zurück. Katastrophenpass von Butscher, Peszco auf Podolski. „Kölle Alaaf“ schallt es durchs Stadion.

Ein weiß-roter Spielzug nach dem anderen rollt jetzt auf das Tor von Oliver Baumann zu. Marcus Sorg wechselt die Nummer 27 ein: Topjoker Stefan Reisinger. Wenig später trifft aber wieder die Kölner 27: Ein Eckball von Christian Clemens wird länger und länger und senkt sich ins Freiburger Tor. Direkt verwandelt. Ungläubiges Kopfschütteln im Freiburger Block.

Zwei SC-Fans vom Niederrhein haben mit dem Spiel abgeschlossen und erfreuen sich an der Liaison des violett-orangen Himmels mit den leuchtenden Säulen des Stadiondachs. „Man muss sich irgendwie ablenken. Die lassen sich doch vorführen wie Schulkinder.“ Wie aufs Stichwort narrt Lukas Podolski die komplette Freiburger Hintermannschaft und schiebt aus kurzer Distanz zum 0:4 ein. Die beiden Fans verlassen das Stadion. Die Reihen im Block lichten sich, auch der Vorsänger ist nicht mehr zu sehen. Auf den Stufen liegt eine zerfledderte Ausgabe der Stadionzeitschrift „Geißbock-Echo“. Auf dem Titel: Volker Finke.



Nach Ende der Vorstellung stellen sich die Darsteller dem Publikum. Die Weißen und die Blauen laufen in entgegengesetzte Richtungen. Das Ensemble um Starschauspieler Lukas Podolski wird stürmisch bejubelt. Papiss Demba Cissé führt seine Truppe mit hängendem Kopf zum Gästeblock und erhält ein paar Klatscher. Pfiffe gibt es kaum. Wenn der SC untergeht, dann schweigend. Das Freiburger Publikum leidet leise.

Gegenüber wettern die Kölner Fans gegen den FC Schalke, der Interesse an ihrem Poldi bekundet hat. „Keine Schale in der Hand, Peter Zwegat auf der Bank.“ Um den neuen Tabellenletzten aus Freiburg geht es da schon lange nicht mehr. 

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  [Bild 1 & 3: Jan Wittenbrink; Bild 2: dpa]