Workshops

SC Freiburg und Wildwasser sensibilisieren mit SC-Profis für sexuelle Gewalt

Anika Maldacker

Die Vereine Wildwasser und SC Freiburg setzen mit Workshops am Rotteck-Gymnasium ein Zeichen gegen sexualisierte Gewalt. Dafür fährt der SC mit prominenten SC-Spielern wie Nils Petersen und Clara Schöne auf.

Mit ihrer Aktion wollen sie für das Thema sexualisierte Gewalt sensibilisieren: Unter dem Motto "Ja heißt ja! Nein heißt nein!" gingen die Vereine Wildwasser und SC Freiburg am Montag in zwei siebte Klassen des Rotteck-Gymnasiums. Neben den Beratern von Wildwasser sprachen auch die SC-Spieler Nils Petersen, Clara Schöne, Philipp Lienhart und Anja-Maike Hegenauer mit den Schülerinnen und Schülern.


SC-Spielerin Clara Schöne liest vor: "Ein Junge sagt zu seiner Freundin: Wenn du nicht mit mir schläfst, mache ich mit dir Schluss". Die Siebtklässlerinnen laufen alle sofort zu einem Schild mit dem Titel: Grenzüberschreitung. In dem 90-minütigen Workshop, den Beate Biederbick von Wildwasser und Schöne zusammen halten, müssen die Mädchen verschiedene Aussagen einordnen. Grenzüberschreitung oder okay? Das gelingt den Mädchen mit erstaunlich viel Sicherheit. "Zwei Jungs halten ein Mädchen fest und fassen ihm an die Brüste. Danach sagen sie, dass das nur Spaß gewesen sei", liest Schöne vor. Klarer Fall: Grenzüberschreitung, sagen die Mädchen. "Das ist eine intime Stelle und da macht man keinen Spaß", sagt eines der Mädchen bestimmt.

"Das Thema ist gerade aktuell, das müssen wir nutzen." Clara Schöne

Der SC Freiburg will mit dieser Aktion dem Verein Wildwasser und dem Thema sexualisierte Gewalt mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Im vergangenen Jahr ging der Erlös der Weihnachtsaktion des Sportclubs bereits an Wildwasser. "Nun wollten wir den Verein auch mit unseren SC-Profis verstärken", sagt Niklas Ziegler aus der Abteilung Gesellschaftliches Engagement. "Das Thema ist gerade aktuell, das müssen wir nutzen", sagt Schöne.

Wenn es um die Täter geht, sind die Siebtklässler überrascht

Die zwei siebten Klassen sind in zwei Jungen- und zwei Mädchengruppen aufgeteilt. Jede Gruppe wird von einer Betreuerin oder einem Betreuer und einem SC-Profi geführt. In einer Turnhalle müssen Manuel Tumino und Nils Petersen mit ihren Stimmen gegen das Geschrei der Nachbarsportklasse und das Echo ankämpfen. Ein Junge trägt ein SC-Trikot, ein anderer eines vom BVB. Tumino, der für Wildwasser Workshops für Jungs gibt, klärt auf: Neun von zehn Tätern kämen aus der Familie, zwei bis drei Schülerinnen oder Schüler in deutschen Klassen seien Opfer sexueller Gewalt geworden und mehr als 90 Prozent der Täter seien Männer. Die Jungen schauen sich verblüfft an. Auch die Mädchengruppe um Schöne und Biederbick war zuvor überrascht, als sie diese Zahlen hörte.

Dann liest Nils Petersen in Etappen eine Geschichte vor. Wenn für die Schüler eine Grenzüberschreitung stattfand, sollen sie stehen bleiben, ansonsten einen Schritt nach vorne machen. Ein Trainer versteht sich gut mit einem seiner Schützlinge, er fördert ihn, schreibt ihm Nachrichten, zuletzt will er ihn in der Gemeinschaftsdusche berühren. Die Schüler vermuten schnell, worauf die Geschichte hinausläuft.

"Das ist anders als Autogrammstunden geben." Nils Petersen

Manuel Tumino ist nach dem Workshop zufrieden. "Wenn eine Person wie Nils dabei ist, sind die Schüler einfach ruhiger", sagt er. Auch Nils Petersen freut sich über diese Aktion. "Das ist anders als Autogrammstunden geben", sagt der SC-Spieler. "Wir nutzen unsere Reichweite gern für so ein sinnvolles und wichtiges Thema, auch weil Freiburg in der vergangenen Zeit wenig positive Presse bekommen hat."

Zum Abschluss dürfen die Siebtklässler und ihre Betreuer für ein Gruppenfoto posieren. Ziegler ermuntert die Posierenden zum Strahlen: "Stellt euch mal vor, der SC gewinnt am Samstag mit 1:0 gegen Leipzig." Bei den SC-Frauen ist er nicht mehr sicher. "Gegen wen spielt ihr am Wochenende?"

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