SC Freiburg: Tabellenführung verschenkt

Hanno Riethmüller

Der gestrige Besuch im Dreisamstadion war unterm Strich ein ärgerlicher: Stockfehler, Ballverluste, Ungenauigkeit, schlechter Abschluss in den Reihen des SCF, obendrein eine schwache Leistung des Schiedsrichters. Hanno analysiert das 1:1 gegen TuS Koblenz und zeigt auf, woran es im Spiel der Freiburger hapert.



Spielverlauf

Druckvollen und attraktiven Fußball im eigenen Stadion hatte SC-Trainer Robin Dutt von seiner Mannschaft gefordert. Die Spieler waren gestern gegen die in dieser Saison auswärts noch sieglose TuS Koblenz sichtlich gewillt, dieses auch in die Tat umzusetzen. Der Wille war da, doch leider war kein Weg in Sicht, der da hinführen sollte. Statt attraktiv wurde umständlich gespielt, daraus resultierten ungenaue Zuspiele, viele Ballverluste und letztlich fehlender Druck aufs gegnerische Tor.

Dutt vertraute erneut der Mannschaft, die das Auswärtsspiel in Frankfurt erfolgreich bestritten hatte, mit einem mit Johannes Flum, Ivica Banovic, Eke Uzoma und Yassin Abdessadki stark besetzten Mittelfeld und Mo Idrissou und Suat Türker als Sturmspitzen. Daniel Schwaab und Kevin Schlitte besetzten wie gewohnt die Außenpositionen der Viererkette und im Abwehrzentrum hatte neben Heiko Butscher erneut Ömer Toprak den Vorzug vor Pavel Krmas erhalten.



Bei guten Platzverhältnissen - trotz des Schneefalls in der vorhergehenden Nacht - fand der SC erst nach 20 Minuten einigermaßen ins Spiel. Nach einem schönen Schuss von Mohamadou Idrissou konnte der Koblenzer Torwart David Yelldell den Ball nur nach vorne abklatschen. Doch Johannes Flum, dem der Ball direkt vor die Füße fiel, wollte es zu schön machen und den Ball unter Yelldell durchspitzeln, blieb an diesem aber hängen. Von da an lief es bei den Freiburgern etwas besser und die anfangs noch mitspielenden Koblenzer zogen sich immer weiter in die Defensive zurück. Außer einem gefährlichen Kopfball von Schlitte nach einer Ecke wollte aber nichts Konstruktives mehr gelingen. Das Spiel des SC blieb ungenau und umständlich, so dass immer wieder ein Raunen durch die 11 700 Zuschauer ging, die sich oftmals gradlinigere Spielzüge und schnellere Torabschlüsse gewünscht hätten.

Mit 0:0 ging es in die Pause und das Zwischenfazit fiel sehr zwiespältig aus. Gut gespielt hatte der Sportclub bis dahin zwar nicht, war aber dennoch die überlegene Mannschaft. Koblenz war offensiv völlig harmlos, der SC hatte wenigstens die ein oder andere Torchance gehabt. Außer der Möglichkeit von Flum war aber nichts Zwingendes dabei gewesen. Die Mannschaft war bemüht, zeigte bisweilen gefällige Ansätze, die sie sich aber durch Unkonzentriertheiten selbst immer wieder zerstörten.



Die zweite Halbzeit begann dann deutlich besser. Endlich gelang es den Freiburgern, Druck aufzubauen und sich Torchancen zu erarbeiten. Gerade in dieser Phase fiel aber völlig überraschend das Tor auf der anderen Seite. Nach einem Eckball für Koblenz ließen Toprak und Idrissou höflich zwei Meter Abstand zu einem Koblenzer Spieler, der sich dafür mit einem für SC-Torwart Simon Pouplin unhaltbaren Kopfball bedankte. Nun lag der SC mit 0:1 hinten und es kam, was kommen musste: Koblenz stellte jegliche Offensivbemühungen ein und verteidigte mit Mann und Maus den eigenen Strafraum. Die Freiburger waren sichtlich geschockt und das druckvolle Spiel war zunächst dahin.

Dutt stellte nun taktisch um und verstärkte die Offensive, indem er Jonathan Jäger für Banovic einwechselte und kurz darauf Tommy Bechmann für Schlitte. Butscher rückte für Schlitte auf die linke Außenbahn und Flum übernahm dessen Innenverteidigerposition. Diese Umstellungen brachten die Freiburger tatsächlich wieder besser ins Spiel, und so entwickelte sich in der letzten Viertelstunde ein Sturmlauf auf das Koblenzer Tor.

Der Druck der Freiburger wuchs von Minute zu Minute und endlich ergab sich auch eine ganze Reihe von guten Tormöglichkeiten. Doch immer war ein Koblenzer Bein dazwischen (Türker), waren die Zuspiele zu ungenau (zweimal Idrissou auf Türker) ging der Ball knapp am Tor vorbei (zweimal Uzoma) oder konnte Torwart Yelldell abwehren (Abdessadki, Jäger etc). Julian Schuster wurde für den schwachen Uzoma eingewechselt und brachte noch einmal eine weitere Belebung des Freiburger Spiels.

Schließlich beendete Tommy Bechmann mit seinem ersten Tor für den SC das Haareraufen auf den Tribünen. Von Idrissou mit einem Kopfball im Strafraum angespielt, drehte sich Bechmann in der 89. Minute geschickt um seinen Gegenspieler und schoss den Ball knapp an Torwart Yelldell vorbei zum 1:1 ins Tor. In den letzten beiden Spielminuten ergaben sich turbulente Szenen vor beiden Toren, die das Spiel noch in beide Richtungen hätten kippen können. Letztlich blieb es aber beim Remis.

Leider muss über Schiedsrichter Schössling noch ein Wort verloren werden. Zwar lag er mit seinen Entscheidungen meist richtig, eine vernünftige Leitung des Spiels misslang ihm jedoch völlig. Über die ganze Partie versuchten die Koblenzer Spieler mit einer Reihe von taktischen Fouls, Behinderungen und Spielverzögerungen den Freiburger Spielfluß zu stören. Dies zu unterbinden wäre Schösslings Aufgabe gewesen, der er nicht genügend nachkam. Erst in der Schlussphase des Spiels zückte er einige Male die gelbe Karte für derartige Vergehen, was den Sportclub in zweifacher Hinsicht benachteiligte. Erstens hätten einige Koblenzer früh den Platz wegen zweier gelben Karten verlassen müssen und zweitens passierte dieses Missgeschick nur einem Freiburger.

Tommy Bechmann hatte das einzige taktische Foul des SC begangen und erhielt dafür die gelbe Karte. Als er bei seinem Torjubel kurz auf den Zaun stieg, um mit den Fans zu feiern, erhielt er die zweite gelbe Karte und so musste der Sportclub die wichtigen letzten Minuten in Unterzahl zubringen. Und schließlich pfiff Schössling die Partie auch noch nach nur einer Minute Nachspielzeit mitten in der turbulentesten Phase des Spiels ab, obwohl vor allem die zweite Halbzeit von Unterbrechungen geprägt war.



Analyse

Aber natürlich darf dem Schiedsrichter keine Schuld am verpassten Freiburger Erfolg zugeschoben werden. Der SC ist vielmehr anfangs an seinen eigenen Ansprüchen, später an der mangelnden Chancenauswertung gescheitert. Das Mittelfeld mit vier Spielern zu besetzen hat sich nicht ausgezahlt. Zu schwach agierten vor allem Flum und Uzoma.

Banovic spielte zwar ordentlich, konnte aber wenig Akzente setzen und seine beiden direkt geschossenen Freistöße waren eine leichte Beute für den Koblenzer Torwart. Abdessadki war vor allem in der zweiten Halbzeit ein belebendes Element im Freiburger Mittelfeld. Er versuchte wie immer, das Spiel schnell zu machen, auf die Flügel zu bringen und bei gegnerischem Ballbesitz Druck auf den ballführenden Spieler auszuüben.

Die eingewechselten Jäger, Bechmann und Schuster brachten den gewünschten frischen Wind und hatten maßgeblichen Anteil an der starken Freiburger Schlussphase. Türker hatte in der ersten Halbzeit seinen bisher wohl besten Auftritt im Freiburger Trikot, in der zweiten Hälfte gelang ihm weniger. Idrissou konnte seine Dynamik nicht wie gewohnt ins Spiel einbringen und war bis auf die Torvorlage eher unauffällig.

In der Abwehr fiel vor allem Butscher positiv auf, der nach hinten nichts zuließ und sich gegen später immer mehr in die Offensive einschaltete. Toprak ist leider zumindest eine Mitschuld am Gegentreffer anzulasten, stand ansonsten sicher, sorgte aber gelegentlich durch schmerzliche Fehlpässe für Unruhe. Schlitte versuchte viel für die Offensive zu tun, leistete sich aber auch einige Stockfehler.



Einen ganz schwarzen Tag hatte Daniel Schwaab. Die wenigen gefährlichen Vorstöße der Koblenzer resultierten fast immer aus Ballverlusten von Schwaab in der Offensivbewegung. Die sonst so wichtigen Vorstöße aus der rechten Defensive fehlten der Mannschaft merklich. Torwart Pouplin hatte wenig zu tun, strahlte aber die nötige Sicherheit aus.

Zum Glück für den SC Freiburg haben die in der Tabelle vor ihm platzierten Mannschaften Mainz und Kaiserlauten ebenfalls Punkte an diesem Spieltag gelassen. Insofern ist kein großer Schaden entstanden. Andererseits ist es schon sehr ärgerlich, dass die Schwäche der Mitkonkurrenten nicht zum eigenen Vorteil genutzt werden konnte. Zumal mit der TuS Koblenz kein gleichwertiger Gegner im Badenovastadion zu Gast war. Die mögliche Tabellenführung ist mit diesem Unentschieden regelrecht verschenkt worden.