SC Freiburg: Spitzenreiter zeigt Oberschenkel

Hanno Riethmüller

"Alle im Breisgau glauben daran, dass der SC aufsteigen kann, und dann sehen wir ihn wieder, den Sport Club Freiburg in der Bundesliga", so sangen gestern die SC-Junkies und die Wilden Jungs auf der Nordtribüne des Dreisamstadions. Das 5:0 des Sportclubs gegen Wehen verursachte dort gestern wilden Jubelpogo und Butscher zeigte Oberschenkel.



"Kontrollierte Offensive" lautete gestern die taktische Anweisung von SC-Trainer Robin Dutt gegen den SV Wehen Wiesbaden, denn er rechnete mit einem defensiv eingestellten und konterstarken Gegner. So kam es dann auch. Wehen zog sich bei Freiburger Ballbesitz weit in die eigene Hälfte zurück und lauerte auf schnelle Gegenstöße.


Doch die Taktik der Freiburger Mannschaft machte den Gästen von Beginn an zu schaffen. Bereits in den ersten Minuten erarbeitete sich der SC einige Torchancen durch Druck, ohne die Wehener zu ihren gefürchteten Kontern kommen zu lassen.



Geduld würde man brauchen, das war klar. Nur nicht in Rückstand geraten und irgendwann vorne einen reinmachen, damit die Wehener offensiver werden müssen und dann die größer werdenden Freiräume nutzen. Genau das gelang, als dem SC so langsam die Ideen auszugehen drohten. Nach einer halben Stunde und einer schönen Kombination zwischen Jonathan Jäger und Yacine Abdessadki drang Jäger in den Strafraum ein, ließ noch einen Abwehrspieler aussteigen und lupfte den Ball gefühlvoll über den aus dem Tor eilenden ehemaligen SC-Kapitän Alexander Walke zum 1:0 ins gegnerische Tor.



Angetrieben von diesem Erfolgserlebnis drückte der Sportclub weiter nach vorne und ließ dem SV Wehen keine Zeit zum Luftholen. Bis zum Halbzeitpfiff hätte der SC durchaus noch 2 oder 3 weitere Tore erzielen können, aber der Pfosten und zweimal die Latte verhinderten eine höhere Führung, die aber verdient gewesen wäre.

Außer der unzureichenden Chancenauswertung gab es am Freiburger Spiel fast nichts zu bemängeln. In der Defensive spielte Kapitän Heiko Butscher nahezu fehlerlos und war mit gefährlichen Kopfbällen immer wieder im gegnerischen Strafraum zu finden. Der für den verletzten Pavel Krmas in die Innenverteidigung gerückte 19-jährige Ömer Toprak leistete sich nur einen Stockfehler, der dann auch zur einzigen brenzligen Situation im Freiburger Strafraum führte, bügelte den Fehler aber selbst wieder aus und zeigte ansonsten eine überzeugende Leistung.



Auf den Außenbahnen blockten Kevin Schlitte und Daniel Schwaab alle Offensivbemühungen der Wehener souverän ab und schalteten sich immer wieder effektiv ins Spielgeschehen ein. Im defensiven Mittelfeld vertraute Trainer Dutt erneut den beiden jungen Johannes Flum und Eke Uzoma, die jeden aufkommenden Spielfluß der Gäste sofort unterbanden.

In der Offensivabteilung glänzte vor allem der quirlige und immer gefährliche Jäger. Abdessadki spielte zwar nicht so auffällig wie beim ersten Saisonheimspiel gegen 1860 München, machte aber immer wieder das Spiel schnell, sorgte für einige Überraschungsmomente und half mit großer Laufleistung auch oft in der Defensive aus.



Von Tommy Bechmann kann man in Zukunft sicher noch mehr erwarten. Er zeigte sich im Vergleich zu seinen früheren Einsätzen aber deutlich verbessert. Er verlor zwar ein paar Mal zu oft den Ball, kämpfte aber verbissen und glänzte vor allem durch gut ausgeführte Frei- und Eckstöße. Im Sturmzentrum hatte Mohammadou Idrissou den Vorzug vor dem wieder genesenen Suat Türker erhalten. Läuferisch wie gewohnt stark und immer bereit in der Defensive auszuhelfen. Er hatte zwar ein paar technische Fehler in seinem Spiel, erarbeitete sich aber dennoch fünf oder sechs hochkarätige Chancen. Drei davon münzte er in der zweiten Halbzeit in Tore um.

Die Freiburger Mannschaft machte gleich nach Wiederanpfiff klar, dass ihr das 1:0 nicht genügte. Da Wehen nun auch offensiver werden musste, entstand tatsächlich wie erhofft mehr Raum für die Freiburger Angriffe, und der wurde konsequent genutzt. Zunächst verweigerte Schiedsrichter Willenborg den Freiburgern nach einem vermeintlichen Foul an Schwaab einen Strafstoß, was die Nordtribüne zu einem Wutanfall reizte.



Doch dann ließen Idrissou mit dem Kopf zum 2:0 und Jäger mit einem beherzten Schuß aus 18 Metern zum 3:0 keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, wer den Platz als Sieger verlassen würde. Wehen hatte bis dahin immer noch nicht einen Torschuss zu verzeichnen. Im Lauf der zweiten Halbzeit wurden Ali Günes, Andreas Glockner und Julian Schuster eingewechselt, die alle zur guten Mannschaftsleistung beitrugen.

In der Schlussphase nutzte Idrissou die zunehmende Unordnung in der Defensive des SV Wehen um den bedauernswerten Alexander Walke ("Walke ist nervös", Fans auf Nord) noch zweimal aus, um auf 5:0 zu erhöhen. Die Gäste kamen immerhin noch auf zwei Torschüsse, die aber beide von SC-Torhüter Pouplin abgewehrt wurden.

Am Ende steht ein völlig verdienter 5:0 Erfolg des SC Freiburg gegen eine nicht mal schlecht spielende Wehener Mannschaft, die bislang beste Saisonleistung und der Nachweis, dass das Saisonziel Aufstieg kein Luftschloss ist. Leider erlebten nur 11.000 Zuschauer dieses Fußballfest im Dreisamstadion.

Zumindest bis heute Abend darf sich der Sportclub nun an der Tabellenspitze sonnen. Kaiserslautern muß aber schon mit drei Toren Vorsprung in Fürth gewinnen, um ihn da wieder zu verdrängen.

Der SC Freiburg hat gestern reichlich Selbstvertrauen getankt. Am Mittwoch im Pokalspiel gegen den Erstligisten Hoffenheim und am kommenden Sonntag in Aachen kann er zeigen, was das wert ist.