SC Freiburg siegt 2:1 gegen Wolfsburg: Zurück auf Erfolgskurs

Joel Ibrahim

In einem über weite Strecken ansehnlichen Fußballspiel hat der SC Freiburg am Samstag gegen den VfL Wolfsburg zurück in die Spur gefunden und nach einem 0:1-Rückstand noch 2:1 gewonnen. Wie's war:



Das Tor für Wolfsburg erzielte Neuzugang und aktuell-nicht-Nationalspieler Patrick Helmes (28.). Der eingewechselte Stefan Reisinger drehte mit einem Tor (43.) und einer Vorlage für Papiss Demba Cissé (69.) die Partie. Überragend auf Freiburger Seite war Jung-Torwart Oliver Baumann, der gleich mit mehreren Glanzparaden den Sieg festhielt. Schon vor dem Spiel stand fest: Kapitän Heiko Butscher hat bis mindestens 2013 beim Sportclub verlängert.


Ob es an der begonnen Krötenwanderung (fudder berichtete: die Waldseestraße blieb gesperrt) oder den eisigen Temperaturen lag, dass nicht einmal 20 000 Fußball-Begeisterte am Samstagnachmittag den Weg ins Dreisamstadion fanden, konnte abschließend nicht geklärt werden. Vielleicht trug aber auch die schlechte Vorstellung beim FC Schalke 04 am vergangenen Wochenende eine Mitschuld. Denn die Erwartungshaltung bei den Freiburger Anhängern hat sich aufgrund der bisher hervorragend verlaufenen Saison verändert, zumindest auf der Haupttribüne. Pfiffe, so etwas kennt man eigentlich nur aus anderen Arenen. Gegen Wolfsburg hörte man die hohen Töne schon nach 20 Minuten sehr deutlich.

Eine auffallend hohe Fehlpass-Quote und in der 28. Minute schließlich das 1:0 für die Wölfe sorgte in der ersten halben Stunde für Verunsicherung bei den Spielern in den rot-schwarzen Trikots, die genauso wie ihr Gegner für kaum Höhepunkte gesorgt hatten. Da hätte eigentlich sogar die Fairplay-Aktion des Spiels einen Applaus verdient gehabt: Der sonst am Rande des Erlaubten agierende Wolfsburger Spielmacher Diégo berichtigte Schiedsrichter Robert Hartmann, obwohl dieser dem VfL eigentlich ein Eckball hatte geben wollen.

Die nach dem Führungstreffer schnell euphorisierten Wolfsburger Pressevertreter, verständlich nach zahlreichen erfolgsarmen Wochen, frohlockten schon über die wieder gewonnene Stärke ihres Vereins. „Tuncays Six Pack hat Mujdza ein Bein gebrochen“, witzelte einer auf der Pressetribüne nachdem dem Freiburger Rechtsverteidiger Mensur Mujdza nicht einmal ein Foul gelingen wollte und er nach dem Zusammenprall mit dem türkischen Nationalspieler kurzzeitig verletzt am Boden liegen blieb (30.).



Doch sie hatten die Rechnung ohne Stefan Reisinger gemacht, der nach Einwechslungen für gewöhnlich immer schnell auf Touren kommt. So auch diesmal. Noch vor der Halbzeit eingewechselt besorgte er gleich mit seinem ersten Ballkontakt den Ausgleich. Das war  der Weckruf für seine Truppe.

Im zweiten Durchgang machte Freiburg das Spiel, kam zu guten Chancen durch Johannes Flum, Anton Putsila und Reisinger, der weiter wie ein Wilder wetzte und nach einer guten Stunden schließlich für Papis Cissé auflegte. Wie der Senegalese den Ball danach zuerst mit dem Außenriss annahm, über das ausgestreckte Bein von Arne Friedrich lupfte und per Dropkick ins Wolfsburger Tor drosch, war nahezu Weltklasse.



Als Cissé nach 78 Minuten mit Standing Ovations verabschiedet wurde, war bereits ein anderer Freiburger in den Mittelpunkt gerückt. Zuerst den starken Diégo, in den Schlussminuten noch zahlreiche, weitere Wolfsburger Fußballer brachte U21-Nationaltorhüter Oliver Baumann mit famosen Verrenkungen und unter Mithilfe der Torlatte zur Verzweifelung. „Oliver Baumann“-Sprechchöre hallten folglich bis nach Abpfiff mehrmals durch das Stadion.

Und auch sonst waren die Gesänge der treusten Anhänger auf der Nordtribüne heute ganz gut zu hören, bestimmt auch weil aus dem Gästeblock über die gesamte Spiellänge nicht mal ein Torjubel zu vernehmen war. Dem einen oder anderen ist bestimmt ein neuer Text aufgefallen. Auf die Melodie von „The Offspring – Why don't you get a job“ wird ab sofort gesungen:

„Wir sind aus Freiburg und wir reisen viel, für dich singen wir bei jedem Spiel.
Wir brauchen keine Arbeit, keine Frau, kein Geld, denn du bist für uns das größte auf der Welt.
Sportclub Freiburg im Herz, im Kopf, überall, wir sind nicht mehr ganz normal!
Sportclub Freiburg im Herz, im Kopf, überall, wir sind nicht mehr ganz normal!“


Zu entnehmen waren diese Zeilen dem seit der Rückrunde bei jedem Heimspiel erscheinenden Flyer „Der Rote Weise“ der Wilden Jungs Freiburg. Die Gruppe möchte neben Rück- und Ausblicken in jeder Ausgabe schwerpunktmäßig über Themen aus der Fanszene berichten. Beim Spiel gegen Wolfsburg gab es einen ausführlichen Bericht über Amnesty International und deren Forderungen nach mehr Verantwortung bei der Polizei.

Dem SC Freiburg fehlen jetzt nur noch drei Zähler bis zur 40-Punkte-Marke und dem damit wohl sicheren Klassenerhalt. Nächste Woche trifft Robin Dutt zum ersten Mal auf seinen Vorgänger Volker Finke. Der langjährige Sportclub-Coach ist nach seinem Engagement in Japan seit der Winterpause Sportdirektor beim 1. FC Köln.