SC Freiburg schlägt Alemannia Aachen

Hanno Riethmüller

"Durch sind wir noch nicht. Wir müssen jeden Gegner annehmen, egal wie der heißt", hat Ömer Toprak gestern Nachmittag gesagt, verschwitzt und abgekämpft, nach dem 2:1-Sieg gegen Alemannia Aachen. Hanno hat das Spiel beobachtet und die Stärken und wenigen Schwächen der SC-Spieler analysiert (dazu ein Video mit Stimmen zum Spiel).



18.800 Zuschauer und vor allem die ausverkaufte Nordtribüne im Dreisamstadion feierten am Ende euphorisch die Freiburger Mannschaft und ein Happyend, das fast keines geworden wäre. Tommy Bechmanns Kopfball in der 88. Spielminute sorgte dafür, dass sich keiner über die Ungerechtigkeit des Fußballs aufregen musste.


Spielverlauf

Angetrieben vom lautstarken Publikum hatte der SC Freiburg 60 Minuten lang ein Feuerwerk an Tempo- und Kombinationsfußball abgebrannt. Schon in den ersten zehn Minuten hatte der SC drei gute Torchancen zu verzeichnen. Und in der 11. Minute stand dann Ömer Toprak nach einem Eckball von Julian Schuster am langen Pfosten richtig und köpfte zum 1:0 ein.



Die bemühte und eigentlich recht gut spielende Aachener Mannschaft kam kaum zum Luftholen. Jeder Spieler im Ballbesitz wurde von den Freiburgern sofort bedrängt und unter Druck gesetzt, woraus viele Ballverluste der Aachener resultierten. Kaum hatte ein SC-Spieler den Ball erobert, folgten zwei oder drei kurze Direktpässe zur Ballsicherung und dann ging schon wieder die Post nach vorne ab.

Das zweite oder gar dritte Tor schien nur eine Frage der Zeit zu sein. Eine ganze Reihe weiterer guter Chancen fanden jedoch nicht ihr Ziel und wurden teilweise zu leichtfertig vergeben.



An den Fußballspruch, dass es sich irgendwann rächt, wenn man seine Chancen nicht nutzt, dachte bis zur 61. Minute wohl kaum einer. Selbst ein nicht gegebener Strafstoß nach einem klaren Foul des Aachener Torwarts an Bechmann erregte die Gemüter nur kurz. Zu druckvoll und dominant spielte der SC, der bis dahin nur eine Aachener Chance in der Anfangsphase zugelassen hatte, als Daniel Schwaab für Torhüter Simon Pouplin auf der Torlinie klären musste.

Doch dann segelte nach einem Freistoß eine lange Flanke in den Freiburger Strafraum, und der Achener Szukala drückte den Ball mit dem Kopf ins Tor. Plötzlich stand es 1:1 und der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt. Und nun machte sich auch das hohe Tempo bemerkbar, das der SC bis dahin gegangen war. Die Kräfte ließen ein wenig nach, im Zweikampf kamen die Freiburger nun öfter einen Schritt zu spät und so mancher Pass ging ins Leere. Es entwickelte sich für zirka 15 Minuten ein offenes Spiel, in denen die Gäste ihre Chance witterten und den Sportclub ins Wanken brachten.



Doch der SC hielt dagegen und hatte auch das Glück, dass die Aachener ihre gewonnen Freiräume nicht in gute Tormöglichkeiten ummünzen konnten. Nach und nach bekamen aber die Freiburger das Spiel wieder in den Griff und ließen nie einen Zweifel daran, dass sie diese Begegnung unbedingt gewinnen wollten. Keine langen Bälle, keine "Brechstange", mit spielerischen Mitteln versuchten sie die Entscheidung herbeizuführen.

Dass dies nach einer langen Flanke von Heiko Butscher und dem Kopfball von Tommy Bechmann auch gelang, mag man Glück nennen. Man kann darin aber auch die Stärke einer vor Selbstvertrauen strotzenden und immer an die eigene Stärke glaubenden Mannschaft sehen.



Analyse

Vor allem war dies wirklich ein Mannschaftserfolg, denn keiner der Spieler fiel besonders positiv oder negativ auf. Der Schlüssel war eine geschlossene Gemeinschaftsleistung: Torwart Pouplin unterlief zu Beginn des Spiels eine Flanke, was Schwaab zur Rettungstat auf der Torlinie nötigte. Ansonsten war er ein sicherer, wenig beschäftigter Rückhalt. Beim Gegentor hatte er keine Abwehrmöglichkeit. Die Innenverteidigung mit Pavel Krmas und Ömer Toprak stand sicher und leistete sich nur den einen Patzer, der zum zwischenzeitlichen Ausgleich führte. Vor allem Toprak wird im SC-Spiel immer wichtiger, weil auch die Spieleröffnung immer häufiger von ihm ausgeht. Er ist aus der Stammelf des SC kaum mehr wegzudenken.

Auf den Außenbahnen waren Heiko Butscher links und Daniel Schwaab rechts immer anspielbar und sorgten häufig für gefährliche Vorstöße. Schwaab leistete sich aber auch ein paar unnötige Ballverluste.

Im Mittelfeld zeigten sich Johannes Flum und Julian Schuster kampf- und laufstark. Ihnen sind viele Ballgewinne zu verdanken und bei Ballbesitz bilden sie die Zentralstelle des schnellen Freiburger Offensivspiels. Schuster sorgte auch wieder einmal für einige gefährliche Standardsituationen.

Die vier offensiven Akteure, Mo Idrissou, Tommy Bechmann, Yassin Abdessadki und der für den verletzten Jonathan Jäger eingesetzte Vitali Rodionov wechselten ständig die Positionen und brachten ein ums andere Mal die Aachener Abwehr in Bedrängnis. Bechmann hatte viele starke Szenen auch mit zwei Fernschüssen, spielte in aussichtsreichen Situationen aber gelegentlich zu unpräzise.

Idrissou kam kaum zu Torchancen, war aber eine wichtige Anspielstation und ist mit seiner Kopfballstärke offensiv wie defensiv ungemein wichtig. Abdessadki lief wie gewohnt überragend viel, beschleunigte wann immer möglich das Spiel und verzückte das Publikum sogar ab und zu mit Kabinettstückchen. Nur in den etwas schwächeren 15 Minuten des SC unterliefen auch ihm einige Fehler.



Zumindest in der ersten Halbzeit kam dagegen Rodionov nicht so zum Zuge, wie man es sich von ihm erhoffte. Er hatte relativ wenige Ballkontakte und war eher unauffällig. In der zweiten Hälfte wich er mehr auf die Flügel aus und hatte einige gute Aktionen. Torchancen konnte er sich zwar keine herausarbeiten, fügte sich insgesamt aber gut ins Kombinationsspiel des SC ein. Die erst spät eingewechselten David Targamadze und Oliver Barth hatten keine Zeit mehr, sich in Szene zu setzen.

Es bleibt zu resümieren, dass der SC Freiburg zum sechsten Mal hintereinander gewonnen hat, weiterhin an der Spitze der Tabelle der 2. Bundesliga steht und seinen Vorsprung auf den 2. Platz auf 6 Punkte ausgebaut hat. Vor allem aber hat er sein Publikum begeistert. Jeder, dem auch nur ein bisschen am Sportclub oder an gutem Fußball oder auch an beidem liegt und am Sonntag nicht im Stadion war, hat wirklich was verpasst. Der nächste Heimspieltermin am 23. März gegen Nürnberg ist deshalb ein Grund zur Vorfreude!

Stimmen zum Spiel

Quelle: Badische Zeitunghttp://c.brightcove.com allowfullscreen="true" type="application/x-shockwave-flash" pluginspage="http://www.macromedia.com width="391" swliveconnect="true" flashvars="videoId=15075075001&playerID=14685981001&domain=embed&">