SC Freiburg in Gladbach: Ein Punkt mit Pommes

Bernhard Amelung

Börny, unser Schlachtenbummler aus Freiburg-West, hat am Wochenende gleich zwei Spiele besucht. Zuerst die Mutter aller Derbys (Schalke-Dortmund), dann das Gastspiel vom Sportclub in Gladbach. Hier kommt sein Bericht.



Auf Schalke

Alle, die sich wie Michael Dörfler anlässlich des vergangenen badisch-schwäbischen Derbys über verbale Fouls auf der Nordtribüne echauffiert haben, hätten am Freitag ihre Freude gehabt. Trotz aller Rivalität ging es rund um die Arena auf Schalke relativ gesittet zu. So waren vor Spielbeginn in der Fankneipe EssNullvier Anhänger beider Vereine gemeinsam mit lecker Pils um ihr Bierfaß sitzend zu sehen. Auch im Familienblock fand sich bis auf verbale Scharmützel ein friedliches Nebeneinander beider Fangruppen.



Familienväter stehen neben ihren blau-weiß rausgeputzten Kindern und schreien inbrünstig Fäkalsprach-Stakkatos in Richtung Gegner. Sicher keine leitlinientreue Erziehung nach Rudolf Steiner, aber das hat hier auch keiner erwartet; an einem solchen Abend geht es eher um eine erzieherische Konfrontationstherapie mit der Fußball-Wirklichkeit.



Nach einer eher behäbigen ersten Halbzeit kommt das Derby erst durch einen Elfmeterpfiff in der 46. Minute richtig in Schwung. Die Schalker Elf wirkt in der Folge bemüht, kommt aber nicht zu zwingenden Chancen. Im Stile eines abgezockten Spitzenteams stehen die Schalker in der Folge weiterhin sicher in der Abwehr, gehen aggressiv in die Zweikämpfe und machen zur Freude der meisten Zuschauer aus zwei Chancen zwei Tore: Schalke dreht das Spiel in der 83. Minute.

Wieviel dieser Derbysieg für die Schalke-Anhänger bedeutet, wird beim Absackerbier in einer Schalker Fankneipe klar: Schalke ist für viele hier Religion, denn anders ist es nicht zu erklären, dass ich Fans treffe, die ihr Leben nach dem Spiel- und Trainingsplan des Vereins planen und regelmäßig aus der Schweiz, Österreich oder Belgien anreisen.



Gladbach: Im Gästeblock

Gemessen daran ist unser Sport-Club ein ganz normaler Fußballverein, denn zum Ortstermin in Mönchengladbach finden sich am Samstagnachmittag nur einige hundert Freiburger Fans im Gästeblock ein. Die neue Spielstätte der Fohlen-Elf wirkt etwas verloren zwischen niederrheinischer Idylle mit Stretch-Limosine und einem Meer von Parkplätzen, das genügend Platz für die Einwohner einer Kleinstadt bietet. Emotionale Welten liegen zwischen diesem funktionalen Zweckbau und dem alten Böckelbergstadion, in dem die Fohlen-Elf mit Fußballrebell Netzer im legendären Büchsenwurfspiel Inter Mailand wie im Rausch mit 7:1 abfertigte und in den darauf folgenden Jahren Ethem Özerenler alias Manolo die Borussia zu weiteren glorreichen Siegen trommelte.



Am Samstag flogen keine Büchsen, Manolo ist seit knapp zwei Jahren tot und die ersten 45 Minuten wurden nur durch die wirklich ordentlichen Stadion-Pommes und die solide Bierauswahl (Jever Pils und Frankenheim Alt) gerettet. Die zunehmend dominant spielende Borussia kam in der zweiten Halbzeit zu einem deutlichen Chancenübergewicht und scheiterte einige Male am glänzend aufgelegten Simon Pouplin. Doch genau in dieser Druckphase kam der SCF zum schön heraus gespielten 1:0-Kopfballtor durch Cissé.

Die Hoffnung, dass der Sport-Club diesen knappen Vorsprung ins Ziel rettet, währt nur kurz. Nach dem Ausgleich durch Brouwers können wir uns beim ehemaligen Freiburger Matmour bedanken, dass er in der 84. Minute freistehend vor dem Tor daneben schießt. Für den lucky punch ist Idrissou kurz vor Schluss nicht clever genug und so muss man aus Freiburger Sicht mit dem 1:1 zufrieden sein.



Ob dieses zarte Pflänzchen Hoffnung im weiteren Abstiegskampf ausreicht, wird sich zeigen. Einmal mehr profitiert die Duttelf von der Schwäche der Konkurrenten. Mit einem Heimsieg gegen die demoralisierten Hannoveraner, die gestern 0:1 gegen Wolfsburg verloren, könnte der Sportclub Boden im Abstiegskampf gut machen. Gruß aus Gladbach!

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