SC Freiburg: Frust, Unvermögen und Durchhalteparolen

David Weigend

Der SC Freiburg hat heute Nachmittag gegen Hannover 96 mit 1:2 verloren. Es war vor allem die miserable Chancenverwertung der Freiburger Stürmer, die zur Niederlage führte. Bitter: Der Sportclub hat seine gute Ausgangslage im Abstiegskampf leichtfertig verspielt. Hier kommen die Stimmen zum Schneekick.



Vor Anpfiff

Der Spieltag begann mit einem positiven Signal: Es war in erster Linie den hilfsbereiten Fans zu verdanken, dass die Partie überhaupt stattfinden konnte. Die Wilden Jungs riefen auf ihrer Website zum Schneeschippen auf. Um 13.30 Uhr entschied Schiedsrichter Kinhöfer, dass der Rasen bespielbar sei. Respekt, das war handfester Support.

Halbzeit

Ich+Ich aus den Stadionboxen, Schnee+Kälte im Dreisamstadion, durchwachsenes Fazit der ersten 45 Minuten: Dem Sportclub gelingt es zwar, die schwachen Hannoveraner unter Druck zu setzen. Der Abwehrverbund überzeugt trotz Auswechslung des verletzten Barth (Cha kam) und der damit verbundenen Umstellung, Cissé und Idrissou zeigen einige schöne Offensiv-Kombinationen und das Zweikampfverhalten ist insgesamt zufriedenstellend. Jedoch unterlaufen vor allem den Mittelfeldspielern Banovic, Makiadi und Jäger zu viele Fehlpässe.



Nach Abpfiff

Nachdem Cissé ('56) und Idrissou ('76) glasklare Torchancen vergaben und die Gäste mit viel Glück zwei Treffer erzielten und somit Abdessadkis zwischenzeitlichen Ausgleich nutzlos machten, herrscht purer Frust in der SC-Kabine. Ömer Toprak knallt verärgert die Katakombentüre zu, Papiss Cissé schlurft ihm fluchend hinterher. Sie wissen, dass sie nun auf Rang 16 stehen (Relegation) und falls Nürnberg morgen gegen Leverkusen gewinnen sollte, rutscht der Sportclub auf Abstiegsrang 17 ab. Die allgemeine Niedergeschlagenheit darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Sportclub auch einige gelungene Aktionen und Kampfgeist gezeigt hat.

Diejenigen, die zu einem Statement bereit waren, sagten folgendes:



Heiko Butscher

"In der ersten Halbzeit standen wir defensiv sehr gut. Aber der letzte Pass nach vorn fehlte. In der zweiten Halbzeit haben wir zwei Riesenchancen herausgespielt. Da musst du einfach in Führung gehen. Aber das gelang uns nicht. Und dann passiert halt so was.

Wenn alles so einfach wäre, hätten wir schon mehr Punkte. Jetzt ist es halt wieder beschissen.

Ist der Wurm drin? Gut, mir gehen wohl die Argumente aus, wenn ich das abstreiten würde. Dass wir dieses Spiel vergeigt haben, ist unglaublich bitter. Ich bin mir sicher: wenn wir die zwei Chancen in der zweiten Halbzeit reinmachen, hätten wir das Spiel gewonnen. Wir sind nach dem Rückstand gut zurückgekommen. Und dann wird das Spiel durch ein Eigentor entschieden. Du kannst dir vorstellen, wie enttäuscht die Spieler jetzt sind. Die Köpfe sind unten. Wir sind in einem Negativtrend drin, haben Druck und stehen dicht vorm Abstieg. Da sinkt das Selbstbewusstsein. Man fühlt sich nicht mehr so sicher.

Das ist normal. Auch, dass die Enttäuschung morgen noch da ist. Aber dann muss es weitergehen. Jetzt kommt das Bayernspiel. Da sagt jeder, dass wir verlieren werden. David gegen Goliath, vielleicht ist eine Überraschung drin. Wir werden alles dafür geben, dass wir nicht absteigen. 6:22 Tore Heimbilanz – das Torverhältnis schaue ich mir gar nicht mehr an. Ich gucke nur noch auf unsere drei Konkurrenten. Auch, wenn es viele schon vorhersehen mögen: Wir sind noch nicht abgestiegen. Wir werden das packen."

Felix Bastians

"Wir haben genug Chancen herausgespielt, hätten 2:0 in Führung gehen müssen. Stattdessen machen wir individuelle Fehler. Nach dem 1:2 ist uns fast gar nichts mehr gelungen. Das ist bitter, aber noch ist nichts verloren. Das Gegentor zum 0:1 war klar mein Fehler. Tut mir sehr leid für die Mannschaft.

Dass wir keine Tore machen, liegt an einer Mischung aus taktischem Mangel und Verunsicherung. Wir haben elf Spiele nicht gewonnen. Es ist klar, dass die Mannschaft da nicht vor Selbstvertrauen strotzt. Wir werden versuchen, daran zu arbeiten. Es bringt ja nichts, sich jetzt gegenseitig zu zerfleischen. Wir müssen zusammenhalten. Aufgeben werden wir sicherlich nicht."



Dirk Dufner

"Dieses Spiel ist ein hoch schmerzliches Erlebnis. Die Mannschaft wollte unbedingt gewinnen und wir hatten die Chancen dazu. Wenn man aber aus einem Meter Entfernung zwei Chancen versemmelt, obwohl das Tor leer ist, braucht man sich am Ende nicht zu beklagen. Woran das liegt? Kann ich Ihnen auch nicht sagen. Das Ergebnis ist unterm Strich nicht verdient, aber das spielt jetzt keine Rolle mehr.

Wir haben zum zweiten Mal hintereinander gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf keine Punkte geholt. Da gibt es nichts zu beschönigen. Unsere Lage wird immer schwerer. Egal, wer jetzt kommt: Wir müssen gegen jeden punkten. Nur so können wir es schaffen.

Natürlich ist das heutige Ergebnis nicht gut fürs Selbstbewusstsein. Aber daran müssen wir jetzt arbeiten. Es liegt am Kopf, dass wir die spielerische Leistung, zu der wir in der Lage sind, nicht abrufen können. Immerhin: Den Kampf haben die Spieler heute angenommen. Ich kann der Mannschaft keinen großen Fehler attestieren. Natürlich waren individuelle Fehler dabei. Bayern: Wenns normal läuft, haben wir dort keine Chance. Aber im Fußball gibt’s ja öfter mal Dinge, die nicht ganz normal laufen."



Robin Dutt

"Es fällt mir inzwischen schwer, zu definieren, was Glück ist. Die Geduldsprobe, auf die wir hier gestellt werden, nimmt doch extreme Züge an. Sie gipfelt im heutigen Spielverlauf. Meine Mannschaft hat in der ersten Halbzeit, genauso wie Hannover, kein berauschendes Spiel gemacht. Aber sie hat sich mit sehr viel Einsatz kompakt organisiert und keine Chancen zugelassen. In der zweiten Halbzeit ist es uns gelungen, gute Konter zu setzen. Wir haben Chancen ausgelassen, für die man das Glück nicht in Anspruch nehmen darf. Der wunderbare Konter von Idrissou über links: Den muss Cissé reinmachen.

Es ist sehr hart momentan. Die Situation wird immer schwieriger. Aber es ist meine erste Aufgabe, morgen wieder aufzustehen, egal, wie was bewertet wird und wieder von vorne anzufangen, wieder Gas zu geben – so dass ich irgendwann auch mal wieder in der Pressekonferenz sitzen und sagen kann: Heute haben wir Glück gehabt. Einen besseren Gegner als den FC Bayern gibt es dafür nicht.

Der Kopf ist das Entscheidende. Inzwischen habe ich richtig Erfahrung darin, den Kopf wieder nach oben zu bringen. Ich mache seit fast drei Monaten nichts anderes mehr. Solange liegt ja unser letzter Sieg zurück. Oder sinds schon vier Monate? Einstellung und Körpersprache: du musst jede Woche wieder aufs Neue den Kopf nach vorne bringen. Ich denke, die Zuschauer konnten bei den Spielern heute erkennen, dass sie wollen. Aber die Fehler entstehen dann trotzdem, hinten wie vorne. Vorne waren sie natürlich eklatant."