SC Freiburg feiert mit Spontanparty den Klassenerhalt

Joachim Röderer & Alexandra Sillgitt

Klassenerhalt gesichert – das musste gefeiert werden: Die Spieler des SC Freiburg haben am späten Sonntagabend nach der Rückkehr aus Hannover in Freiburg noch eine Spontanparty veranstaltet. [Mit Foto-Galerie & Videos]

Am Sonntagabend klingelt bei Didi Broscheit, dem Chef des "Coucou" an der Rempartstraße Fritz Keller durch. Der SC-Präsident meldet sich per Handy aus dem Stadion in Hannover. Sein Auftrag: ein Buffet für die spontane Nichtabstiegsparty (Fotos). Der Sportclub hat mit dem starken 0:0-Unentschieden den Klassenerhalt vorzeitig gesichert – das bedeutet Arbeit für Broscheit und die Coucou-Mannschaft: "Wir haben gleich losgelegt und geschaut, dass wir etwas hinbekommen", sagt er. Es hat geklappt – im "Coucou" hat man schließlich Erfahrung mit SC-Feiern. Und um 23 Uhr steht das kalt-warme Buffet parat, es dampft aus den Warmhaltegeräten, Spieße, Salate und mehr sind angerichtet. Der Nebenraum ist reserviert, ein DJ steht bereit – die Drinbleiber können also kommen.

Die Mannschaft ist von Hannover aus nach Lahr geflogen. Kurz vor 23.30 Uhr biegt der SC-Bus in die Rempartstraße ein. Es sind nur ein paar wenige Fans da, die warten. Marco Bianelli hat mit seinen Freunden sauber ausrecherchiert, wo die kleine Party steigt. "Ich hab’ immer fest an den Klassenerhalt geglaubt, als echter Fan muss man das", meint der Freiburger, der ein SC-Trikot mit seinem Namen trägt. Den Punktgewinn in Hannover hat er erhofft (Fotos). Nun geht sein Blick nach vorne – und nach oben:"Diese Mannschaft mit diesem Trainer wird nächstes Jahr mit dem Abstieg nichts zu tun haben."

SC feiert Nichtabstieg mit einer Party



Es gibt viele Glückwünsche und Umarmungen von den Daheimgebliebenen aus dem SC-Tross, als Spieler und Trainer vom Bus hinein ins Lokal schlendern. SC-Präsident Fritz Keller schaut zufrieden. Er habe immer an die Mannschaft geglaubt, auch als es zum Ende der Vorrunde finster aussah. "Ich will es nicht als Wunder bezeichnen, aber es ist das Ergebnis einer Mannschaft, die toll gearbeitet hat, die toll gelaufen ist und es ist das Ergebnis eines großartigen Trainers und eines großartigen Trainerteams. Sie haben sich das alles Stück für Stück erarbeitet." Keller lobt die jungen Spieler, die von Christian Streich in die Mannschaft eingebaut worden – und die älteren, die sie gut aufgenommen hätten.

Um Mitternacht wird dann im "Coucou" gesungen. Es ist ein Ständchen für Sebastian Freis, der seinen 27. Geburtstag feiert. Christian Streich hat sich nach dem Schlusspfiff, das konnte man im Fernsehen sehen, ein paar Tränen aus den Augen gewischt. Er wirkt gelöst: "Wir sind einfach so erfreut, dass die Mannschaft so Fußball gespielt hat", sagt er. Aber als es um die letzten zwei Saisonspiele geht, will er noch gar nicht an das zu erwartende Riesenevent am letzten Spieltag in Dortmund denken. "Wir spielen vorher noch gegen Köln und wir werden in diesem Spiel alles geben", sagt er ernst.

Dieser Christian Streich hat zuletzt in Fußball-Deutschland für viel Aufsehen gesorgt. Einer, der ihn gut kennt, ist Lars Voßler, der Co-Trainer. Was zeichnet den SC-Coach aus? "Er ist immer Christian Streich geblieben, der normale Typ, der er immer war und hoffentlich auch bleiben wird", so Voßler. Und der ganze Medienwirbel? "Ich will nicht von einem Hype sprechen, aber es war schon ein bisschen viel. Ich hoffe, dass es in der neuen Saison ein wenig nachlässt." Nun, am frühen Abend hatte im Fernsehen in der Sendung Sky 90 DFB-Präsident Wolfgang Niersbach kundgetan, dass er diesen Freiburger Trainer gerne kennenlernen möchte. Schließlich habe ihm Bundestrainer Joachim Löw sehr von Christian Streich vorgeschwärmt.

"Er ist ein sehr emotionaler Mensch, er redet viel mit den Spielern, lässt einmal einen lockeren Spruch raus", sagt SC-Mittelfeldmann Daniel Caligiuri über den Chefcoach. Der Erfolg in der Rückrunde habe sich eingestellt, auch "weil wir als Mannschaft immer näher zusammengerückt sind". Caligiuris Mitspieler Jan Rosenthal, der in seiner alten Heimat Hannover ein starkes Spiel für den SC hat, kann berichten, dass das größte Lob für den SC zuletzt immer von den Gegnern auf dem Platz gekommen sei. "Mensch, gegen euch ist echt eklig zu spielen", hätten die nach den Matches gesagt.

Es findet sich dann an diesem späten Abend noch ein SC-Sympathisant als Zufallsgast bei der Party. Kabarettist Dieter Nuhr war am Sonntagabend im Konzerthaus aufgetreten und traf im "Coucou" auf den SC. Der Düsseldorfer Nuhr ist Fortuna-Fan und damit "erstligamäßig verwaist". Er zeigt Respekt vor dem erstaunlichen Comeback der Freiburger, die ein Underdog mit wenig Geld seien. In der Winterpause ging es ihm wie vielen anderen auch:"Da hätte ich keinen Pfifferling mehr auf den SC gegeben". Er habe danach aber das Spiel der Breisgauer gegen Bayern gesehen: "Das war wirklich sensationell". Der Kabarettist wundert sich denn auch ein bisschen, dass die SCler überhaupt ein Fest fürs Drinbleiben starten. Das Team könne sich neue Ziele stecken: "Die schaffen es nächstes Jahr in die erste Tabellenhälfte", prophezeit Dieter Nuhr.

Fritz Keller: "Das Team hat sich das erarbeitet"



Daniel Caliguri: "Wir sind als Team zusammengerückt"



Lars Voßler: "Da fällt die ganze Anspannung ab"



Jan Rosenthal: "Wir bekamen Lob von unseren Gegnern"



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Foto-Galerie: Achim Keller

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