SC Freiburg: Ein zartes Pflänzchen nach der Blamage

David Weigend

Wenn es nach Trainer Robin Dutt geht, haben diese beiden SC-Fans am Samstag beim Spiel in Gladbach Grund zum Anstoßen. Nicht nur ein knapper Sieg soll her nach der No-Go-Vorstellung gegen Berlin, sondern auch mehr Einsatz für die Mitspieler.



Heiko Butscher laboriert immer noch an einem Muskelfaserriss, so dass er übermorgen nicht wird spielen können. „Vielleicht kann er nächste Woche wieder trainieren, aber das ist schwer abzusehen“, so Dutt. Johannes Flum hat laut Dutt eine Grippe und wird nicht nach Gladbach mitreisen (komisch, da er vorhin noch mit Freundin durch die Kartäuserstraße schlenderte). Auch Daniel Williams lag diese Woche mit Grippe im Bett, konnte aber heute wieder trainieren. Hamed Namouchi musste das heutige Training wegen Schmerzen abbrechen.


Dafür ist Pavel Krmas wieder fit und im Kader fürs Match im Borussia-Park. Er könnte in der Startelf stehen. Der Trainer zeigte sich übrigens mit der Leistung der beiden Innenverteidiger Barth und Toprak im Spiel gegen Hertha BSC Berlin „sehr zufrieden.“

Den Grund für die Niederlage am Sonntag sieht Dutt darin, dass der Glaube an die eigenen Fähigkeiten nach dem ersten Gegentor gekippt sei. „Wir haben vor diesem Spiel hoch gepokert." Nach der schon anfänglich zu beobachtenden Nervosität sei die Mannschaft komplett in sich zusammengefallen, was schon an der Körpersprache zum Ausdruck gekommen sei. Dementsprechend angeschlagen seien die Spieler nach Abpfiff gewesen. Dutt musste in dieser Woche vor allem die Psyche seiner Mannschaft aufbauen: „Mir macht es richtig Spaß, auch in so einer Zeit Trainer zu sein“, behauptete er in der heutigen Pressekonferenz.

Beim Schlusspfiff des Herthaspiels seien alle am Boden gewesen, nun sei es in einer Woche gelungen, im Selbstbewusstsein der Spieler wieder ein „zartes Pflänzchen zu pflanzen.“ Jeder Trainingstag habe kleine Fortschritte hervorgebracht. „Was ich am Montag gemacht habe, ist mit einem Reset beim Computer vergleichbar.“ Ein Neustart, gleichzeitig die Chance für jeden im Kader, sich zu beweisen und zu zeigen, ob er mit dem psychischen Druck in dieser Krise klarkommt. Taktisches sei dabei weniger entscheidend gewesen. Man kann damit rechnen, dass am Samstag ein Spieler in der Anfangsformation stehen wird, den man nicht unbedingt auf der Rechnung hat.



Die Causa Idrissou ist für Dutt erledigt. Das Gespräch, in dem der Konflikt am Montag gelöst wurde, verlief angeblich so zufriedenstellend, dass der Stürmer „selbstverständlich“ mitfahren werde an den Niederrhein. Weitere Nachfragen zum Umgang mit Idrissou blockte der Trainer etwas gereizt ab.

„Das Ergebnis steht über allem“, so Dutt zum Spiel gegen Gladbach (Platz 11, 29 Punkte). Wenn alles nach Plan laufe, werde man einen selbstbewusst agierenden Sportclub sehen, der sich im Laufe des Spiels steigert und knapp gewinnt. Dutt appellierte diese Woche an die Spieler, sich beim Betreten des Platzes die Frage zu stellen: „Wie kann ich dafür sorgen, dass mein Mitspieler seinen Job gut macht?“ Die gegenseitige Absicherung sowie das Anbieten einer Anspielstation seien gegen Berlin mangelhaft gewesen und vor allem dies müsse sich ändern.

Gegen Ende der Pressekonferenz betonte Dutt einmal mehr, dass er das Vertrauen des Vorstands genieße – auch im Falle des Abstiegs. Er erklärte wiederholt die sparsame, konservative Vereinspolitik und die Stocker-Vorgabe, „dauerhaft zu den 25 besten Mannschaften in Deutschland zu gehören.“

Gleichzeitig verbiete es sich für ihn als SC-Trainer, seine Spieler öffentlich zu kritisieren sowie gegenüber Dritten Forderungen zu äußern wie „Wir brauchen dringend Neuzugänge!“ Jedoch wolle Dutt alles dafür tun, die Stocker-Weisheit „Nach jedem Aufstieg folgt ein Abstieg“ so lang wie möglich herauszuzögern.

Auf Nachfrage versicherte Dutt, das gegenseitige Vertrauen von Mannschaft und Trainer sei trotz der erfolglosen Serie ungebrochen – „auch, wenn ich einige Spieler diese Woche relativ hart rannehmen musste.“

Was: Borussia Mönchengladbach gegen SC Freiburg
Wann: Samstag, 27. Februar 2010, 15.30 Uhr
Wo: Stadion im Borussia-Park