SC Freiburg: Analyse des ersten Heimsiegs

Hanno Riethmüller

Der SC Freiburg hat gestern durch eine überzeugende Leistung den ersten Heimsieg der laufenden Saison eingefahren. 3:0 gewann der Sportclub gegen die enttäuschenden Gäste aus Mönchengladbach. Hanno mit einer ausführlichen Analyse der Freiburger Spieler. Willkommen auf Platz 10!



Spielverlauf

Mancher hatte gestern eine offene Partie zweier offensiv starker Mannschaften zwischen dem SC und Mönchengladbach erwartet. Doch schon nach wenigen Minuten Spielzeit war zu erkennen, daß die Gastmannschaft ganz anderes im Sinn hatte. Wenn der SC in Ballbesitz war, zogen sich die Gladbacher fluchtartig in die eigene Hälfte zurück und erwarteten die spieleröffnenden Freiburger konsequent erst an der Mittellinie und keinen Schritt weiter vorne.

Das erinnerte schon irgendwie an Zweitligazeiten, als die meisten Mannschaften im Dreisamstadion nur Abwehrbollwerke errichteten. Die Gladbacher schienen jedenfalls nicht zum Toreschießen nach Freiburg gekommen zu sein, sondern nur, um durch ein 0:0 einen Punkt entführen zu können.

Die Freiburger kümmerte das hingegen wenig. Nach verhaltenen zehn Anfangsminuten hatte der SC Spiel und Gegner im Griff und brachte mit druckvollem Angriffsspiel die dichte Gladbacher Defensive ein ums andere Mal in Verlegenheit.

SC-Trainer Robin Dutt hatte die beim schwachen Pokalspiel in Augsburg enttäuschenden Stefan Reisinger und Julian Schuster durch Tommy Bechmann und den wieder genesenen Johannes Flum ersetzt. Ansonsten setzte er auf dasselbe Personal wie in den vergangenen Spielen. Und das zu Recht, wie sich im Verlaufe des Spiels herausstellen sollte.



Zur Halbzeitpause stand es allerdings noch 0:0 und trotz drückender Überlegenheit hatten die Freiburger noch keine so richtig zwingende Torchance herausspielen können. Das sollte sich in der zweiten Spielhälfte jedoch ändern. Der SC machte sofort nach Wiederanpfiff erneut heftig Druck. Eine flexible Spieleröffnung schuf die Grundlage für die schwer auszurechnenden Freiburger Angriffe. Mal stießen die Innenverteiger Pavel Krmas und Felix Bastians in Lücken vor, mal holten sich Flum oder Ivica Banovic den Ball hinten ab, mal ging es flach durch die Mitte oder mit kurzen Pässen über die Flügel, manchmal wurde auch der Ball hoch ins Zentrum auf Mo Idrissou geschlagen. Die Gladbacher mussten ein ums andere Mal in höchster Not den Ball aus ihrem Strafraum befördern.

Eine der vielen aus der Freiburger Überlegenheit resultierenden Standardsituationen brachte dann die Erlösung. Zumeist lösen kurz ausgeführte Eckstöße beim Stadionpublikum ein Stöhnen aus.

Vermutlich weil lang geschlagene Flanken spektakulärer daherkommen und weil bisher mit dieser Variante dem SC wenig Erfolg beschieden war. Dessen ungeachtet bietet sich Yacine Abdessadki bei jedem Freiburger Eckstoß zur kurzen Ausführung an. So auch diesmal, und der ausführende Banovic nahm das Angebot an. Die Gladbacher hatten nur einen Spieler mit Abdessadki aus dem Strafraum geschickt, so daß dieser den Ball Banovic wieder auflegen konnte und der kam nah an der Strafraumgrenze völlig unbedrängt zum Flanken. Der Abnehmer Idrissou köpfte den Ball zum 1:0 für den SC ins Tor.



Damit war die Gladbacher Taktik hinfällig geworden und zeitweise entwickelte sich ein offenes Spiel. Für den Sportclub öffneten sich dadurch endlich Freiräume für gefährliche Konter. Und nach einer Viertelstunde hatten die Freiburger ihre Feldüberlegenheit wieder hergestellt. Das Spiel entschied ein fulminanter Distanzschuss des in der zweiten Halbzeit überragenden Abdessadki. Aus 22 Metern zog der Marokkaner ab und der Ball landete unhaltbar im Gladbacher Torwinkel.

Der für Bechmann eingewechselte Schuster stellte mit einem abgefälschten Schuß, der sich über den Gästetorwart ins Tor senkte den verdienten 3:0 Endstand her.

Über einen Gegentreffer in der Schlussphase hätte sich der SC jedoch nicht beklagen dürfen. Die Gladbacher trafen die Latte des Freiburger Tores und ein Kopfball verfehlte sein Ziel nur knapp. Dennoch geht der 3:0 Sieg auch in dieser Höhe völlig in Ordnung.



Analyse

SC-Trainer Robin Dutt dürfte die Teamleistung vor allem vor dem Hintergrund des miserablen Auftretens vor nur wenigen Tagen im Pokal gefallen haben. Plötzlich funktionierte alles wieder, was in Augsburg nicht klappte. Die schwer auszurechnende Spieleröffnung, ein ball- und passsicheres Mittelfeld, druckvolle Flügelangriffe, Balleroberung und Behindern des gegnerischen Spielaufbaus durch starkes Pressing und sicheres Stellungsspiel. All dies gelang den Freiburgern in allen Mannschaftsteilen.

Alle Spieler zeigten sich stark verbessert. Nur Flum hatte zu Beginn der Partie einige Fehler im Spiel, fing sich aber bald und spielte neben Banovic eine wichtige Rolle im Freiburger Mittelfeld.

Vorne ackerten Idrissou - der viele Kopfballduelle gewann und häufig auf die Flügel auswich - und Bechmann, der immer wieder mit dem Rücken zum gegnerischen Tor den Ball abschirmte, zwei Abwehrspieler auf sich zog und dann den Ball klug weiterspielte. Cédric Makiadi behauptete und verteilte viele Bälle im offensiven Mittelfeld, war allerdings gelegentlich zu zögerlich im Abschluss. Abdessadki war die zentrale Schaltstelle der Freiburger Offensive, vor allem in der zweiten Halbzeit. Es war ihm zu gönnen, daß er seine Leistung mit einem spektakulären Tor krönen konnte.



Die Freiburger Viererkette hatte vor allem mit den schnellen Gladbacher Flügelspielern wie dem ehemaligen Freiburger Karim Matmour zuweilen Schwierigkeiten. Heiko Butscher konnte Matmour nicht immer im Zaum halten und sich daher nicht so oft in die Offensive einschalten wie gewohnt.

Auch Du-Ri Cha auf der linken Abwehrseite hielt sich mit Vorstößen zurück, war daher nicht sehr auffällig, machte seine Sache aber gut. An der Leistung der beiden Innenverteidiger gibt es absolut nichts auszusetzen. Bastians überzeugte durch gutes Stellungsspiel und Zweikampfstärke und beteiligte sich oft an der Spieleröffnung.

Einen grandiosen Tag erwischte Pavel Krmas. Wo immer sich eine Lücke auftat oder Gefahr für den Freiburger Strafraum drohte, war er zur Stelle und bereinigte die Situation. Torwart Simon Pouplin war ein sicherer Rückhalt in allen Belangen. Er fing hohe Bälle ab, vereitelte die wenigen Gladbacher Torchancen und fungierte zuverlässig als aufmerksame Absicherung hinter der Viererkette.



Das klingt alles nach einem rundum gelungenen Fußballnachmittag und das war’s auch. Mit zehn Punkten aus sieben Spielen und fünf Punkten Vorsprung auf die Abstiegszone hat der Sportclub einen überaus respektablen Saisonstart hingelegt. Jetzt kann man die nächsten Aufgaben in Hannover und in drei Wochen zuhause gegen die Bayern ohne Druck angehen.

[Fotos: dpa]

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