SC Freiburg: Analyse der Saison 2007/08

Clemens Geißler

Nachdem sich die Enttäuschung über das vermurkste Saisonfinale gelegt hat, kommt nun die Abrechnung: Was hat der Sportclub vergangene Saison geleistet? Wo liegen die Stärken und die Schwächen des neuformierten Teams? Eine Analyse von Clemens.



Die Ausgangssituation

Als Robin Dutt seine Arbeit in Freiburg aufnahm, war klar, dass es keine leichte Aufgabe werden würde: Die langen Diskussionen um die Demission von Volker Finke hatten tiefe Gräben im ansonsten doch recht friedlichen Verein aufgerissen.

Im Vorfeld der Jahreshauptversammlung schienen diese Differenzen zu kulminieren, wurden dann aber im Paulussaal recht unspektakulär abgewickelt (fudder berichtete). Es folgte eine Spielzeit mit mehr Licht als Schatten, jedoch ohne den vielfach erträumten Höhepunkt eines Aufstiegs ins deutsche Fußball-Oberhaus. Kann man mit dem Erreichten trotzdem zufrieden sein? Wurden die Saisonziele erreicht? Wie sind die Perspektiven für die nächste Spielzeit? Ein Versuch der Klärung.

Wenn einem am Ende sechs Punkte zum Aufstieg fehlen, beginnt man sich zu fragen, wo diese verschenkt wurden. Eine einfache Antwort wäre: in den letzten beiden verlorenen Heimspielen gegen Offenbach und Wehen Wiesbaden. Eine Saison von nicht ganz hohen Höhen und nicht ganz tiefen Tiefen wäre dann tatsächlich mit dem Maximum beendet worden. Und das, obwohl es lange nicht danach aussah, als könne der Sportclub nochmals in das Rennen um die vorderen Plätze eingreifen.

Das Mitteltief

Grund dafür war eine miese Serie in der Mitte der Saison. Aus den Spieltagen 13-23 holten die Freiburger nämlich gerade 10 Punkte – bei nur einem Sieg (1:0 gegen Augsburg am 20. Spieltag). Beinahe unerklärlich, stand man doch noch am 15. Spieltag mit nur drei Punkten Rückstand auf Gladbach auf Rang zwei.



Diesem Zenit im Saisonverlauf waren 14 Partien vorausgegangen, in denen der Sportclub nur eine verlor. Daheim ohnehin bombensicher, überzeugte man in dieser Phase auch mit Auswärtssiegen, etwa mit einem 3:1 in Köln oder einem Dreier in Jena.

Für einige Stadiongänger war zu diesem Zeitpunkt nur die Frage, mit wieviel Vorsprung man aufsteigen würde. Denn zwar nicht konstant, aber immerhin ab und zu wurde an der Dreisam richtig guter Fußball gezeigt. Man setzte den Gegner mit Pressing unter Druck und, wenn man dann den Ball hatte, wurde schnell und mit guten Kombinationen nach vorn gespielt. Zugleich waren die Rotweißen schwer auszurechnen, weil die Stürmer geschickt rochierten und auch mal etwas Unerwartetes passierte.

Leider, das sollte sich bald zeigen, war das nur die Momentaufnahme einer langen Saison. Mit Wohlwollen kann man sie weiterreichend datieren als um die beiden genannten Auswärtssiege herum. Der Rest war harte Ergebnisarbeit.

Umgekehrt kann man auch die Phase des Zwischentiefs nicht unbedingt durchweg verteufeln. Die Mannschaft spielte weder besonders schlecht noch verlor man besonders dumm oder unglücklich.



Über die ganze Saison bemerkenswert ist, wie achtbar man gegen die direkte Konkurrenz abgeschnitten hat. Gegen Gladbach und Hoffenheim je ein Sieg und eine Niederlage, gegen Mainz zwei Unentschieden, aus den beiden Fürth-Spielen durfte man sich über vier, aus denen gegen Köln gar über sechs Punkte freuen. Macht zusammen 5 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen. Stöcke ins Hinterrad derer, die die mangelnde Klasse der Mannschaft beklagen.

Zwar hat die alte Sportclub-Krankheit, kaum etwas gegen Abstiegskandidaten zu holen, etwas nachgelassen, doch ist die Bilanz in der Fremde einfach zu schlecht für Höheres: In Paderborn, Aue, Osnabrück und St. Pauli sollte es schon etwas mehr sein als insgesamt ein Punkt.

Das dürftige Torverhältnis

Und es gibt noch mehr zu beklagen. Das Resultat ließ einen meist noch halbwegs zufrieden nach Hause gehen. Aber statt Traumfußball gab es vielfach sehr spartanische Aufeinandertreffen.

Von 11 Heimsiegen wurden 7 mit nur einem Tor gewonnen, 5 mit 1:0. Und auch das Torverhältnis von 49:44 drückt aus, wie knapp es in dieser Spielzeit oft zuging. Mehr als ein Mal war es vorne ein Standard und hinten Gottes Segen, der den Sieg rettete. Andererseits: Immerhin stimmten lange Zeit die Ergebnisse, die Leidenschaft war da und die Spiele blieben bis zum Schluss spannend. Schnörkelloser Ergebnisfußball hat bisweilen unproduktiven Hokuspokus abgelöst – die Bewertung obliegt dem Betrachter.



Insgesamt sollte die Zufriedenheit überwiegen. Zwar stehen in der Endabrechnung ein Punkt weniger als vor zwei Jahren und sogar fünf weniger als vergangenes Jahr. Aber wieder einmal war die Mannschaft bis zum Schluss im Rennen. Das übertrifft viele Erwartungen. Man durfte vor der Runde nämlich durchaus skeptisch sein angesichts der Tatsache eines neuen Trainers nach einer langen Ära Finke und angesichts des Abgangs zahlreicher gestandener Spieler, von Antar und Mohamad über Diarra und Riether bis hin zu Iashvili und Coulibaly.

Außerdem – das wird bei aller Anspruchshaltung oft vergessen – jongliert man in Freiburg mit kleineren Zahlen als anderswo. Von daher ist ein fünfter Tabellenplatz durchaus in Ordnung. Aufgestiegen sind dagegen die drei Klubs mit den höchsten Etats: Mönchengladbach, Köln und Hoffenheim. So wird vielleicht auch verständlicher, warum der Sportclub in der entscheidenden Saisonphase keine Pfeile mehr im Köcher hatte.

Die Perspektive

Bleibt die Perspektive für die Dutt-Elf: Die Defensivachse Butscher-Banovic hat sich bewährt, auch wenn der Kroate in dieser Runde ein paar wenige Aussetzer hatte. Zugleich gelang es, mit Eke Uzoma und Andreas Glockner zwei Nachwuchsspieler an die Profis heranzuführen. Beide debütierten vielversprechend und machen Hoffnung auf mehr.



Was indes ganz klar fehlt, ist der Überraschungsmoment, das Kreative im Freiburger Spiel. Hier ist der Handlungsbedarf immens. Mit dem Dänen Tommy Bechmann wurde der erster Schritt in die richtige Richtung getan. Der Ex-Bochumer ist schnell und unberechenbar, bisweilen torgefährlich. Allerdings ist er eher auf der rechten Seite zuhause, für die zentrale Offensive fehlt ein weiterer Mann mit Format. Der Name Alexander Laas brät in der Gerüchteküche und auch ein torgefährlicher defensiver Mittelfeldmann wie Zlatan Bajramovic (Vertrag in Schalke läuft aus) würde das Sportclubspiel bereichern.

Wenn man sich hier gewinnbringend verstärkt, ist am letzten Spieltag der Saison 08/09 womöglich mehr drin als nur der Traum vom Aufstieg. Das Fundament ist gelegt, jetzt gilt es ein Haus zu bauen.