SC-Fansong: keine Schwabenhymne für Freiburg

Adrian Hoffmann

Ziemlich listig: Die Schwaben wollten uns heimlich unterwandern. Da gibt es doch tatsächlich eine Band aus dem feindlichen Tuttlingen, die beim SC-Fansong-Cup mitgemacht hat. Firlefanz heißt sie - eine Coverband, die alles von ACDC bis Wolfgang Petry spielt. Allerdings ist ihr Song nicht unter die ersten Acht gekommen. Ihr Keyboarder und Sänger Thomas Stier, 24, der in Freiburg Mathe und Sport studiert, stellte sich uns. Ein Interview.



Sorry - aber das was ihr da getan habt, ist das nicht Vaterlandsverrat?

Thomas: Wahrscheinlich schon. (lacht)

Hast du wenigstens ein schlechtes Gewissen?

Thomas: Nee, auf keinen Fall.

Wie seid ihr überhaupt auf eine solche Idee gekommen?

Thomas: Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich glaube, eine Woche vor Einsendeschluss ist mein Bandkollege in die Probe gekommen und hat uns von diesem Fansong-Cup erzählt. Das hat sich halt bis nach Tuttlingen rumgesprochen.

Und in Tuttlingen seid ihr alle SC-Fans, oder wie oder was?

Thomas: Nee, wir sind VFB-Fans, wie sich das gehört. Aber wir haben gehört, dass der SC der Verein ist, der die wenigsten Feinde hat, er hat so was umgängliches, sympathisches. Außerdem ist er ja schon lange keine Konkurrenz mehr für VfB-Fans.

Dir ist schon klar, dass du gesteinigt wirst, wenn du hier im Café noch lauter sprichst.

Thomas: Ach ja. Aber im Grunde sind meine Band und ich doch ganz friedlich. Friede, Freude, Eierkuchen. Wir wohnen halt 100 Kilometer von Stuttgart weg, und 100 Kilometer von Freiburg. Diese Schwaben-Baden-Feindschaft ist ja witzig, mehr aber auch nicht, oder?

Vielleicht. Aber sag mal, war euch nicht vorher klar, dass ihr als Schwaben nicht den SC-Fansong-Cup gewinnen könnt?

Thomas: Nee, eigentlich nicht. Wir hatten ja ne ganz gute Idee. Wir haben sogar das Badnerlied ein bisschen mit eingebaut.

Also, ihr seid richtig überzeugt davon gewesen?

Thomas: Na ja, am Anfang war ich das nicht so, aber je öfter ich es angehört habe, desto besser hat es mir gefallen. Der Refrain ist ein Ohrwurm. Wir waren bemüht, das Lied von der Struktur her so aufzubauen, dass es massentauglich ist. Es ist so eine Mischung aus Volksmusik und Rock.

Und voller lyrischer Ergüsse?

Thomas: Lyrische Ergüsse? Wenn “Ole, ole” ein lyrischer Erguss ist, dann ja.



Seid ihr zu Unrecht rausgeflogen?

Thomas: Also, wenn ich mir anhöre, was bisher so im Vorentscheid ist, dann könnte man das schon so sagen. Aber unser Nachteil wird gewesen sein, dass unsere Aufnahme nicht ganz so professionell war. Es kratzt ein bisschen. Wir haben halt auch schlichtweg zu spät erfahren, dass es den Fansong-Cup gibt. Auch irgendwie ein Zeichen dafür, dass wir keine richtigen Fans sind. (lacht)

Ja aber was war denn dann euer Grund, da mitzumachen?

Thomas: Na, wir wollten schon immer mal vor einem ganzen Stadion spielen. Und das darf der Gewinner ja. Außerdem wird deren Song richtig professionell aufgenommen und eine Gewinnbeteiligung bekommt man immerhin auch. Das hört sich schon gut an.

Ich glaube eher, ihr wolltet versteckte Botschaften für VFB-Fans einbauen?

Thomas: Nee, dafür hatten wir nicht genug Zeit. Aber hey: Das ist eine gute Idee. Das merke ich mir für das nächste Mal. Übrigens: Einer unserer Gitarristen ist Badner und der andere hat badische Eltern. Das darf aber eigentlich keiner wissen...