Trägerschaft beendet

SC-Fans hoffen auf zweite Chance für das Fanprojekt in Freiburg

Fabian Vögtle

Seit das Jugendhilfswerk abgesprungen ist, sucht die Stadt einen neuen Träger für das Fanprojekt. Ein Träger prüft derzeit die Übernahme. Doch die Räume werden nicht genutzt – auch bei Heimspielen.

Noch immer weiß keiner, wie es mit dem Freiburger Fußball-Fanprojekt genau weitergeht. Seitdem das Jugendhilfswerk (JHW) Ende Juli überraschend die Trägerschaft beendet hat, sucht das Rathaus nach einem Nachfolger. Es gab einen Runden Tisch mit Fachleuten und Fangruppen sowie Gespräche mit potentiellen Interessenten. Ein erfahrener Träger prüft derzeit die Übernahme. Derweil bleiben die Räume an der Schwarzwaldstraße ungenutzt. Von einer funktionierenden Interimslösung kann, anders als vorgesehen, nicht die Rede sein.


Die Bundesliga-Saison ist schon fünf Spieltage alt. Auch beim dritten Heimspiel des SC Freiburg am Dienstagabend gegen Schalke 04 blieben die Räume des 2013 gegründeten Fanprojekts leer. Noch in der Sommerpause hatte das JHW als Mieter zugesichert, auch nach Ende der Trägerschaft am 31. Juli den Übergang zu unterstützen – bis eine dauerhafte Lösung gefunden sei. Diese, so kündigte die Stadtverwaltung damals an, solle bis zum Saisonauftakt am 26. August stehen . Doch daraus wurde nichts. Derzeit können weder Fans die Räume selbstständig nutzen noch stehen Mitarbeiter zur Verfügung. Auch das Schloss wurde ausgetauscht. "Es gab Angebote, die Räume zu nutzen. Aber die Fans wollten das nicht, daher werden sie wohl bis zur Nachfolgenutzung leer sein", teilt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf auf BZ-Nachfrage mit.

"Eine zweite Chance für ein Fanprojekt in Freiburg gibt es sicher, aber keine dritte." Volker Goll, Koordinationsstelle Fanprojekte in Frankfurt

Die Frage, wann ein neuer Träger einsteigt und damit die Fanarbeit übernimmt, bleibt weiter offen. Das Amt für Kinder, Jugend und Familie hat mehrere in der Jugendsozialarbeit tätige Träger angesprochen. Ein bundesweit in der Szene bekannter Träger prüfe derzeit intensiv die Übernahme. Ehemalige Beiratsmitglieder und Vertreter aus der Fanszene pochen darauf, dass die Entscheidung über die Zukunft jetzt trotz des unglücklichen Vakuums nicht übereilig geschehen darf. Es müsse sorgfältig eine konzeptionelle Aufstellung erfolgen, sagt auch Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte in Frankfurt. Denn: "Eine zweite Chance für ein Fanprojekt in Freiburg gibt es sicher, aber keine dritte."

Ein bundesweit einmaliger Fall

Goll, der die Situation in Freiburg als bundesweit einmaligen Fall beschreibt, kann den Rückzug des JHW mit der Nichteinbindung der Gremien und Geldgeber immer noch nicht nachvollziehen. Auch Beirats- und Vorstandsmitglieder sowie Vertreter von Fanvereinigungen zeigen weiterhin Unmut darüber, dass JHW-Geschäftsführer Carlos Marí ohne Absprache hingeschmissen und dafür Personalengpässe angegeben hatte. "Ein laufendes Projekt wurde mittendrin ohne Not aufgegeben", sagt Albert Scherr, ehemaliger Beirat. Der Soziologe von der Pädagogischen Hochschule erklärte in einem offenen Brief, dass er als Konsequenz für das JHW künftig nicht mehr beratend zur Verfügung stehe.

Fünf aktive Fangruppen haben in einer Erklärung ihre zentralen Punkte für ein nachhaltiges Fanprojekt dargelegt. Sie fordern eine unabhängige, auf Spieltage bezogene und szeneorientierte Lösung. Einem neuen Träger müsse bewusst sein, auf welche Spannungsfelder er sich mit Sozialer Arbeit im Kontext Fußball einlasse und müsse darauf geeignete methodische Antworten finden, sagt Helen Breit von der Fanvereinigung Supporters Crew. Sie hat sich bereit erklärt, als Ansprechpartnerin zwischen Stadt, Träger und Fans zur Verfügung zu stehen. Für Sophia Gerschel, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte, sind eine Teamleitung, langfristig geplante Personalstellen mit motivierten und engagierten Mitarbeitern sowie die Zurverfügungstellung von Ressourcen für einen Neuanfang in Freiburg unabdingbar.

Das Projekt kostet pro Saison 200.000 Euro. Zu je einem Viertel finanzieren es Stadt und Land, 50 Prozent kommen von der Deutschen Fußball-Liga (DFL).
Veranstaltungshinweis

  • Was: Die JPG-Fraktion im Gemeinderat veranstaltet heute Abend ein Fachgespräch zur Zukunft des Fanprojekts. Stadtrat Simon Waldenspuhl diskutiert mit Helen Breit (Supporters Crew), Sophia Gerschel (Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte), Thomas Schneider (DFL) und Gabi Wesselmann (Amt für Kinder, Jugend und Familie).
  • Wann: Donnerstag, 27. September, 20 Uhr
  • Wo: Vorderhaus
  • Sonstiges: Der Eintritt ist frei