Ahoii Festival 2019

Say Yes Dog im Interview: "Beim Singen auf der Bühne habe ich die Augen immer zu"

Gina Kutkat

Sie machen Elektro-Pop, der fürs Tanzen gemacht ist: Say Yes Dog veröffentlichen heute ihr zweites Album "Voyage" und spielen beim Ahoii Festival in Freiburg. Gina Kutkat hat mit Sänger Aaron Ahrends gesprochen.

Im Video zu "Lies" sieht man einen Mann zu eurer Musik tanzen, er vergisst alles um sich herum. Ist das ein Zustand, den ihr mit eurer Musik bei anderen Menschen erreichen wollt?

Aaron Ahrends: Definitiv. Das kommt vielleicht gar nicht absichtlich, aber es passiert uns einfach. Tanzen war immer ein Teil von uns und der musikalischen Richtung, aus der wir herkommen. Bei mir ist das der elektronische, clubbige Sound, der wirklich nur fürs Tanzen gemacht wird. Beim Musikmachen denken wir unterbewusst daran – und deswegen muss unsere Musik dafür auch funktionieren.

Muss ein Song zunächst euch bewegen, bevor er andere bewegen kann?

Wir gucken nicht jeden Song an und fragen uns, ob man dazu tanzen kann. Das ist eher eine Gefühlssache. Die Songs, die es aufs neue Album geschafft haben, sind auch nicht alle tanzbar. Bei "Feel Better" haben wir zum Beispiel lange mit dem Tempo rumgespielt, bis es funktioniert hat und man sich dazu bewegen konnte. Manchmal geht es wirklich nur um Nuancen, das ist ganz witzig.



Begriffe wie "tanzbar", "clubbig", "direkt in die Beine" werden oft im Zusammenhang mit eurer Musik genannt. Ist das eine Schublade, in die ihr gerne gesteckt werdet?

Total. Tanzen ist ja nichts Negatives, sondern im Gegenteil sehr positiv. Musik hat generell etwas Kultiges, auch wenn man in der Geschichte etwas weiter zurückgeht. Es wurde immer zu Musik getanzt und ich finde, das ist etwas sehr Schönes. Für das neue Album haben wir aber auch ein paar Songs geschrieben, zu denen man sich eher fallen lässt – und nicht steppt.

Wie entsteht bei Euch ein Song?

Das ist bei uns meistens dasselbe Prozedere: Ich fange meistens mit einem Beat oder einer Melodie an, dann schreiben wir zusammen weiter. Bei "Lies" ging es mit Stakkato-Synths-Chords los, ich habe dann damit rumgespielt und irgendwann kam die Melodie dazu. Ganz am Ende dann erst der Text, der sich dem Beat und der Melodie anpasst.

"Ich habe immer die Augen zu beim Singen."

Woher kommen Deine Inspirationen für Texte?

Das ist ein spannendes Thema, denn Texte waren mir noch nie so wichtig. Es sei denn, ich habe wirklich eine Geschichte zu erzählen. Wir haben uns darauf eingegroovt, dass wir abstrakte Sachen machen, aber immer ein Gefühl beschreiben. Ich gucke, was ein Song in mir auslöst und fange dann an, in Fantasiesprache zu singen. Dann fallen mir Wörter oder Sätze ein, die gut zum Gefühl passen. Wir sitzen also nicht da wie die Singer-Songwriter und schreiben Texte in unser Buch, die wir dann vertonen. Bei uns ist es umgekehrt: Wir texten auf den Ton.

In einer Konzertreview über euch habe ich gelesen, dass eure Konzerte eher Partys gleichen. Wie nimmst du das selbst wahr?

Ich habe immer die Augen zu beim Singen. Ich weiß gar nicht, was die Leute machen.

Warum machst Du das?

Es kommt aus einer allgemeinen Schüchternheit, glaube ich. Ich bin nicht so gerne auf der Bühne und konzentriere mich viel besser, wenn ich dabei nicht die ganze Zeit Leute anschaue. Ich habe es immer mal wieder mit geöffneten Aufen probiert, aber für mich funktioniert es so am besten.

"’Voyage’ ist eine Sammlung davon, was in den letzten drei Jahren bei uns passiert ist."

Ihr kommt aus anderen Genres: Jazz, Deutschrock und seid jetzt beim Elektro-Pop gelandet. Wie ist eure musikalische Reise dorthin verlaufen?

Was uns geprägt hat, ist die elektronische Clubmusik, daraus ziehen wir noch die meisten Einflüsse. Unser Drummer Pascal kommt aus dem Jazz und achtet sehr viel auf Feinheiten; er experimentiert viel mit Schlagzeugsounds herum. Das Poppige aus dem Deutschpop vereint uns und fügt unsere unterschiedlichen Richtungen zusammen.

Laut Google-Definition ist die Voyage: ’a long journey involving travel by sea or in space’. Von welchen Reisen erzählt euer neues Album?

Wir haben lange gebraucht für das Album und waren in der Zeit sehr viel unterwegs, haben noch lange unsere alten Songs gespielt – auch viel im Ausland. Dort haben wir viele Eindrücke gesammelt. "Voyage" ist eine Sammlung davon, was in den letzten drei Jahren bei uns passiert ist. Die Texte sind wieder abstrakt und erzählen nicht die Geschichte einer bestimmten Reise. Es war eher so: Wir waren draußen in der Welt, sind zurückgekommen und hatten Bock, ein Album aufzunehmen.

Gab es ein Land, das Euch besonder beeindruckt hat?

In Accra in Ghana haben wir auf einem öffentlichen Platz gespielt und hatten noch spontan einen Gastrapper auf der Bühne. Die Leute haben unsere Musik extrem gut aufgenommen, obwohl es ein Stil ist, der da noch neu ist und selten gehört wird. Diese geraden Rhythmen und Beats gibt es dort nicht, die afrikanische Musik ist viel grooviger.

"Unsere Musik funktioniert eigentlich überall, ob in Afrika, Indien, Korea oder Japan."

Habt ihr die neuen Songs auch unterwegs geschrieben?

Wir haben keine Songs im Ausland geschrieben, ich kann das nur Zuhause. Wir haben uns eher mit der Musik dort beschäftigt. Zum Beispiel waren wir längere Zeit in Tokyo und haben viele Synthesizer ausprobiert. Dadurch sind wir im Sound auch mutiger geworden und auch, was musikalische Richtungen angeht.

Steht "Voyage" für sich alleine oder bezieht es sich auf euer Debütalbum "Plastic Love"?

Es ist auf jeden Fall der neue Sound von Say Yes Dog und auch eine schöne Weiterentwicklung. Wir sind alle sehr froh, was daraus geworden ist.

Hattet ihr Angst vor dem zweiten Album?

Es gab bei unserem ersten Album nie den Riesenhype, sodass wir auch keinen großen Druck beim zweiten verspürt haben. Ich kann mir vorstellen, dass das bei anderen Bands so ist, aber bei uns ist alles cool. Irgendwie ist das auch genau richtig so.

Ihr lebt in Berlin, habt teilweise in Luxemburg studiert. Was für eine Rolle spielt die Verortung bei Say Yes Dog?

Wir finden es gut, dass wir nicht ganz klar einem Ort zugewiesen werden. Unsere Musik funktioniert eigentlich überall, ob in Afrika, Indien, Korea oder Japan. Say Yes Dog machen globale Musik, die nicht irgendwohin gehört.

Zum Musikerleben gehört ja auch das Touren, quasi auch eine Art Reise. Ist das für euch Segen oder Fluch?

Beides. Reisen ist wunderschön und es gibt auch nichts Spannenderes, als andere Kulturen und Leute kennenzulernen. Aber touren kann auch an die Substanz gehen, weil man immer unterwegs ist, nie irgendwo ankommt und Menschen von zuhause vermisst.

Wo soll denn die Reise für euch in der Zukunft hingehen?

Das kann ich gar nicht sagen. Wir gehen alles sehr locker an und schauen einfach mal. Ich glaube, das ist auch ein Schlüssel zum Erfolg, dass man sich keinen Stress macht. Erfolgsdruck und Musik sind zwei Begriffe, die passen nicht zusammen.
  • Say Yes Dog: Voyage, VÖ am 10. Mai 2019

Verlosung

Unter allen Mitgliedern in fudders Club der Freunde verlosen wir 2 Mal 2 Tickets für das Konzert von Say Yes Dog am Freitag, den 17. Mai um 20 Uhr Uhr im Jazzhaus. Um zu gewinnen, schicke eine E-Mail mit deinem Namen und dem Betreff "Voyage" an gewinnen@fudder.de

Sollten zu wenige Club-Mitglieder an der Verlosung teilnehmen, werden die Karten unter den restlichen Einsendungen verlost. Teilnahme ab 18 Jahren, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss ist Mittwoch, der 15. Mai, um 12 Uhr. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt.


Ahoii Festival 2019

Das Ahoii Festival 2019 findet vom 16. Mai bis 19. Mai in verschiedenen Locations in Freiburg statt. Los geht’s am Donnerstag, 16. Mai mit International Musik im Räng Teng Teng. Am Freitag, 17. Mai, folgen Say Yes Dog, Impala Ray, Neufundland und Das Moped im Jazzhaus. Am Samstag, 18. Mai, spielen Kid Simius, Rikas und Ilgen-Nur, ebenfalls im Jazzhaus. Den Festivalabschluss bilden Frittenbude am Sonntag, 19. Mai, im Waldsee.

  • Was: Say Yes Dog auf dem Ahoii Festival
  • Wann: Freitag, 17. Mai, 20 Uhr
  • Wo: Jazzhaus

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