Satire zum Semesterstart: Endlich renoviert die UB!

Damian Correa

Die Gebete aller Studis wurden erhört: Die UB bekommt endlich die nötigen Renovierungen – zumindest in unserer Satire zum Semesterstart. Das 2. OG wird zum Party-Floor und an den Bücherautomaten kann man sein Pfand abgeben. Toll!

Die Lesesäle sind hoffnungslos überfüllt, die Drehtür dreht sich nicht, zwischenzeitlich brach sogar der Boden ein. Um die traurige Wahrheit hinter der protzigen Glasfassade der UB zu erkennen, muss man nicht Ingenieur sein. Kein Wunder also, dass die Uni Freiburg nun das umsetzen will, was schon lange gefordert wird: Eine umfangreiche Renovierung der Bibliothek.


Doch welche Bauvorhaben sieht der Maßnahmenkatalog genau vor? Um das zu klären, treffe ich den Bauleiter des ambitionierten Projekts, Dr. Hermann Schulzendeich. Begeistert führt der korpulente Mann mit schier unausschöpflichem Gestenreichtum durch die Bibliothek. Er nimmt sich die Zeit, mir den Sinn und die Funktion selbst von unsinnig erscheinenden Details zu erklären. Mit Schulzendeich hat die Uni Freiburg genau das gefunden, was es an der administrativen Spitze für dieses Projekt braucht: einen Visionär. Er erklärt uns, was sich mit der Durchsetzung der drei Konzepte des Umbaus alles für Studierende ändern wird.

1. Das neue Energiekonzept

Eines fällt sofort auf: Die UB hat sich die teils harsche Kritik der letzten 3 Jahre zu Herzen genommen. Schulzendeich führt mich breitwillig zu all den Orten in der UB, die im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik stehen. Er zeigt mir, wo der Eimer im 3.OG im Frühling das Wasser auffängt. Er führt mich zum hässlichen Sonnensegel, das sich wie eine wulstige Narbe über die schicke Glasfront der UB stülpt und natürlich zur viel zu langsamen und immer wieder stockende Drehtür am Eingang.

Die UB will nun auf die Kritik an den drei Baustellen eingehen – und sie in ein innovatives Energiekonzept einbinden. Die Geschwindigkeit der Drehtür wird demnach endlich erhöht – sie soll sich künftig 200-mal so schnell wie bisher drehen. Der dadurch erzeugte Strom soll künftig dazu reichen, alle Tischlampen im 1.OG täglich 28 Sekunden länger brennen zu lassen. Im Wassereimer soll ein winziges Hochleistungskraftwerk installiert werden. Ist das bisschen Energiegewinn den Aufwand wert ist? "Glauben Sie, das ist das letzte Leck in dieser Glasfassade?", ruft Schulzendeich belustigt.Die UB habe bereits 20 weitere Wassereimer mit Kraftwerk bei der badenova bestellt.

"Haben Sie sich eigentlich schon mal gefragt, was sich im ominösen 3.Untergeschoss der UB befindet?"

Um mir den zweiten wichtigen Teil des Energiekonzepts zu zeigen, führt mich Schulzendeich zum Fahrstuhl. "Haben Sie sich eigentlich schon mal gefragt, was sich im ominösen 3.Untergeschoss der UB befindet?". Das habe ich tatsächlich. Wahrscheinlich die Verwaltung oder noch mehr Bücher. "Falsch!", ruft Schulzendeich aus und hopst vergnügt auf einem Bein auf und ab. "Falsch! Falsch! Falsch!".

Ein passender Schlüssel ist der einzige Weg, den Zugang zum 3. UG der Bibliothek zu im Fahrstuhl zu entsperren. Schulzendeich hat natürlich einen. Die Aufzugstür geht auf: Ein gigantischer leerer Raum gähnt mir entgegen. Schulzendeich erklärt, dass hier ein riesiges Fitnessstudio mit etwa 150 Hometrainern entsteht. Durch die Energie, die durchs in die Pedale treten erzeugt wird, werde der Stromhaushalt der UB zusätzlich entlastet. Gebühren für die zu späte Rückgabe von Büchern und das Überziehen von Schließfächern würden zukünftig wegfallen; stattdessen müsse man jeden Euro Gebühr eine halbe Stunde lang am Hometrainer absitzen.

2. Die Image-Kampagne

Die Umgestaltung der UB steht vor allem im Zeichen einer aufwendigen Image-Kampagne der Universität. Schulzendeich führt mich wieder zum Sonnensegel. "Wir wollen, dass die Studierenden wieder stolz darauf sind, an dieser traditionsreichen Universität studieren zu dürfen!" Bevor das Sonnensegel zu einem Kollektor umfunktioniert wird, werden deshalb mit Beginn des Semesters großflächige Plakate auf das Segel gedruckt. Er zieht einen farbigen Ausdruck mit den vorgesehenen Motiven aus seiner Aktentasche. Sie zeigen rosa schimmernde Werbesprüche der Uni Freiburg auf orangenem Grund: "Studieren mit Wow? Gibt’s nur im Breisgau!"

Auf einem anderen steht: "Studium in Baden? Kann doch nicht schaden!". Angesprochen auf diesen raffinierten Reim grunzt Schulzendeich: "Gut, gel? Hab ich mir ausgedacht!" Die vom Social-Media-Direktor im Vorlauf angestoßene Internet-Kampagne unter dem Hashtag #badenkannnichtschaden stößt in den sozialen Netzwerken bislang aber noch auf eher wenig Resonanz.

Das 2. OG wird zur Party-Etage

Das Herzstück der Kampagne ist jedoch die Umwandlung des 2. OG in eine Party-Etage. Aber gibt es nicht sowieso schon akuten Platzmangel in der UB? "Das ist ja der Clou", sagt Schulzendeich und zwinkert mit einem Auge neckisch. "Die Etage muss für die Partys gar nicht umgestaltet werden." Die weißen Neonröhren, die die UB in Waagerechte und Senkrechte schmücken, decken ein weitreichendes Farbenspektrum von mensablau bis kollegiengebäudebraun ab.

Zudem kann man sie via Bluetooth an eine beliebige Musikanalage anschließen, worauf die Röhren abwechselnd, einem ausgetüftelten Mechanismus folgend, zum Rhythmus der Musik blinken. Außerdem ermöglichen die Neonröhren zukünftig ein Trinkspiel der ganz besonderen Art. Mit denjenigen Röhren, die man abhängen kann, können einzigartige Laserschwert-Kämpfe aus "Star Wars" nachgespielt werden.

Fruchtige Weine statt trockene Bücher

Ansonsten hätten die Studierende exklusiven Zugang zu erlesenen Weinen, die je nach Sorte und Jahrgang in die freien Stellen der Bücherregale einsortiert werden können. "Ein edler Tropfen wie der Günterstaler Edelweiße Jahrgang 2008 würde dann zum Beispiel unter der Signatur GE2008 einsortiert werden", erklärt Schulzendeich fachmännisch. Das umfangreiche Angebot der Weine reicht vom berüchtigten Mooswälder Portwein bis zu einigen raren Exemplaren des Spätburgunders aus Waldsee, beide 2003 gereift, zu finden unter MP2003 bzw. SW2003.

Und Schulzendeich hat wirklich an alles gedacht, selbst an den Party-Müll: "Die Maschinen für die Bücherrückgabe können zu einem Pfandautomaten umfunktioniert werden. Dazu legt man statt dem Buch einfach die leere Glasflasche in das Rückgabefach. Er versichert, dass er die Flaschen persönlich beim NORMA in der Sedanstraße abgibt.



Weitere Einnahmen will Schulzendeich aus einer von der Uni betriebenen Bar generieren. Der lang geschwungene Informationstresen aus Holz lasse sich problemlos in einen Bartresen umfunktionieren. Und auch der 24-Stunden-Betrieb der Uni bekommt plötzlich einen ganz neuen Sinn. Last but not least will Schulzendeich ein abstraktes Kunstwerk in das Foyer der UB stellen lassen. Er zeigt mir Bild von einem Pferd mit einem Schafskopf aus Styropor. "Jede öffentliche steuerfinanzierte Einrichtung braucht sowas. Wir sind doch hier keine Proleten hier!". Auf seinen ärgerlichen Blick hin versichere ich ihm, dass ich Ponys süß finde.

3. Konstruktive Repressionsmaßnahmen

Die Umschmeichelungen der Uni sind aber nicht ganz uneigennützig. Sie sollen dazu dienen, die weniger beliebten Reformen im Hintergrund durchzudrücken. "Immer weniger Studenten schaffen ihren Bachelor in der Regelstudienzeit", motzt Schulzendeich. Einer der wichtigsten Ursachen seien die gemütlichen Kopfsessel vor den Fensterscheiben. Eine selbstangefertigte Studie hat gezeigt: Fast jeder dritte Student schläft auf den Sesseln ein. Damit soll jetzt Schluss sein. Eine spitze Nadel im Polster soll die Sitzenden fortan alle fünf Minuten in den Rücken piksen.

In das 5.OG, um das sich seit Bestehen der UB die wildesten Verschwörungen ranken, ziehen außerdem zum neuen Semester die sogenannten "Spätzle-Cops" ein. Ihre Spezialeinheit "UBFR" soll fortan noch rigider kontrollieren, ob tatsächlich Wasser in den Glasflaschen der Studierenden ist. Faule Studenten würden zudem von Mitgliedern der Einheit zur Strafe mit Eierspätzle beworfen.

Das Fazit

Eines ist klar: Nach den Umbaumaßnahmen wird in der UB nichts mehr so sein wie davor. Die Baumaßnahmen sollen über 30 Millionen Euro kosten, etwa 183-mal so viel wie anfangs kalkuliert. Der Termin für die Fertigstellung der Bauarbeiten wurde vor einigen Wochen zum dritten Mal verschoben – und wird nun für das Jahr 2083 erwartet. Ob der Mitt-Fünfziger Schulzendeich die Fertigstellung seines Projekts noch miterleben wird? "Warum nicht? Vielleicht lasse ich noch ein 4. Untergeschoss bauen und darauf einen Friedhof." Der Mann hat Humor. Und die Bauleitung zur Umgestaltung des teuersten Prestige-Projekts der Universität Freiburg in den Händen.