Freiburger Wahrzeichen

Sanierung des Augustinermuseums könnte 2022 abgeschlossen werden

Uwe Mauch

Der Pilzbefall des Augustinermuseums hat die Verantwortlichen aufgeschreckt und die Sanierung erst mal gebremst. Beim Augustinertag nannte die Stadt erstmals das mögliche Datum der vollständigen Inbetriebnahme.

Andrea Katzer-Hug vom städtischen Gebäudemanagement sagte gestern anlässlich des Augustinertags, dass die vollständige Inbetriebnahme im Jahr 2022 denkbar sei. Allerdings seien weitere unliebsame Überraschungen nicht auszuschließen. Weil in den alten Gemäuern ein Hausschwamm entdeckt wurde, verzögert sich die fürs 900-Jahr-Jubiläum der Stadt vorgesehene Inbetriebnahme in 2020. Bislang war von einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren die Rede.


Der verantwortliche Architekt Christoph Mäckler aus Frankfurt versicherte, es gebe keine Planungsfehler, die zum Pilzbefall geführt hätten. "Und falls wir doch irgendwelche Fehler gemacht haben sollten, haben wir eine dicke Haftpflichtversicherung, die zahlt."

Einmal im Jahr lädt das Kuratorium Augustinermuseum unter Vorsitz von BZ-Herausgeber Christian Hodeige zum Benefiztag, um für den Erhalt des ehemaligen Klosters und für die Kunstschätze zu begeistern – und auch Spender zu gewinnen, etwa Paten für einzelne Objekte. Oberbürgermeister Martin Horn wollte zur Begrüßung einen "Motivationsschub" geben: "Das Augustinermuseum ist neben dem Münster das Wahrzeichen der Stadt." Die letzte Hürde der Sanierung werde man mit voller Kraft nehmen.

Und die ist auch nötig. Denn der im Jahr 2017 in der Wand zwischen dem zweiten und dritten Sanierungsabschnitt zufällig entdeckte Hausschwamm offenbarte ein Riesenproblem. Weitere Untersuchungen zeigten, dass bereits sanierte Bereiche befallen waren. Offenbar hat der schlummernde Hausschwamm flüssige Nahrung in Form von Wassereintritt durch Fenster und Dachschrägen erhalten, was ihn zum Leben erweckte. Nun sind noch mehr Gutachter am Werk. Ende des Jahres soll ein Gesamtkonzept vorliegen, wie die Sanierung so abgeschlossen werden kann, dass die Pilze Ruhe geben.

Entfernen lassen sie sich nämlich nicht, wie der eingeschaltete Holzexperte Frank Rinn aus Heidelberg in seinem Vortrag erläuterte. Deren Sporen befinden sich in jedem Kubikmeter Luft. Pilze sind fürs Ökosystem wichtig, weil sie Holz dem natürlichen Stoffkreislauf zuführen. Dass sie das in Gebäuden tun, haben giftige Chemikalien früher verhindert. Ohne solche Holzschutzmittel dürfen zwei Faktoren nicht zusammenkommen: Wärme und Feuchtigkeit. Ein Pilz in trockenem Holz im sanierten Gemäuer kann sich die Feuchtigkeit über eine Entfernung bis zu 30 Meter holen. Schäden seien deshalb nur mit aufwändigen Messungen zu erkennen, sagte Frank Rinn.

"Dass es den Hausschwamm gibt, kann man niemandem anlasten", sagte die städtische Gebäudemanagerin Andrea Katzer-Hug. Dass ein saniertes Gebäude undicht ist, allerdings schon. Auch für den dritten und größten Bau-Abschnitt müsse überall mit Pilzbefall gerechnet werden. "Alle Planungen kommen auf den Prüfstand." Das Ziel: "Was ist optimal, um den Pilz dauerhaft ruhigzustellen." Dabei gehe Sorgfalt vor Schnelligkeit.

Natürlich fragte das Publikum, ob dieses Desaster nicht hätte verhindert werden können. Laut Katzer-Hug hat es vorab Untersuchungen gegeben, die zwar Schädlinge entdeckten, aber nicht den Hausschwamm. Holzexperte Rinn sieht noch ein strukturelles Problem: Aufwändige und kleinteilige Analysen wären sehr teuer und würden von Geldgebern nur unwillig und auch nur teilweise bezuschusst. Den Verdacht, auch die Stadtverwaltung habe die Sanierung schöngerechnet, um das Projekt politisch durchzusetzen, konnte er nicht zerstreuen. Zuletzt standen rund 70 Millionen Euro im Raum. Als der Gemeinderat vor 15 Jahren den Baubeschluss fasste, ging er von 23 Millionen Euro aus.

Ob Experte, Gebäudemanagerin, Oberbürgermeister, Architekt oder Kuratorium: Alle sind sich einig, dass es zur weiteren Sanierung keine Alternative gebe – auch wenn niemand weiß, wie lange das dauern und was das kosten wird.

Das Kuratorium Augustinermuseum wirbt derweil um Vertrauen. "Spendensammeln ist Vertrauensarbeit", sagte deren Geschäftsführerin Ulrike Langbein. 2018 – das Jahr nach der Pilz-Entdeckung – war das bislang erfolgreichste des Kuratoriums. 207.000 Euro an Spenden konnte es einwerben, allein 65.000 beim damaligen Augustinertag. Zur gestrigen Neuauflage konnte sie schon vorab 13.000 Euro melden.