Sandra Tieso: Die Klatschtante

Adrian Hoffmann

Sandra Tieso (29) ist eine Journalistin, die das Private an Menschen mehr interessiert als alles andere. Deshalb heißt ihre bunte Seite im Wochenbericht auch FreiburgPrivat. Doch wie passen eigentlich das intellektuelle Freiburg und Klatsch zusammen? Ein Interview.



Du bist also Freiburgs Klatschtante.

Sandra: Ja.

Stört es dich nicht, wenn du Klatschtante genannt wirst?

Sandra: Nein, wir klatschen doch alle. Glaube ich.



Wie passt den Klatsch zum provinziellen Freiburg - passt das zusammen?

Sandra: Wir machen ja gar keinen richtigen Klatsch. Wir schreiben nicht, wer gerade mit wem wen betrügt. Christiane Hoffmann von der BILD-Zeitung kann das machen, ich nicht.

Ja, man sieht sich in Freiburg halt immer zweimal.

Sandra: Ein bisschen mehr als zweimal würde ich sagen. Deshalb ist Klatsch hier in diesem Stil einfach nicht möglich. Ich schreibe bunte Geschichten, so würde ich das nennen.

Aber so eine Wer-Mit-Wem-Geschichte würde doch auch mal gut gelesen werden, oder?

Sandra: Natürlich. Das interessiert die Leute, genau wie mich auch. Aber ich will das eigentlich gar nicht machen, ich bin nicht der Typ dafür. Ich will niemandem auf die Füße treten. Und zur BILD würde ich auch nicht wollen, mir gefällt es in Freiburg.

Du könntest ja auch von hier aus mal eine Schlagzeile an Boulevardblätter verkaufen.

Sandra: Nee, will ich auch nicht.

Oder ist es etwa so, dass in Freiburg gar nichts Derartiges passiert?

Sandra: Doch, klar. Überall gibt es solche Geschichten. Ich bekomme so was schon öfter mit. Die SC-Spieler sind ein gutes Beispiel dafür. Es gibt ein paar, die betrügen ihre Frauen nach einem anstrengenden Spiel in der Disco. Aber auch darüber will ich einfach nichts schreiben, das ist deren Privatsache und ich will ja niemandem etwas Böses.



Wie kommst du auf deine Geschichten?

Sandra: Ich bin davon überzeugt, dass man aus fast allem eine Geschichte machen kann. Manchmal reicht es mir schon aus, wenn mir Bekannte etwas erzählen, von der Atmosphäre auf einer Party. Ich behaupte, ich kann riechen, wie es dort war.

Diese Kolumne ist ja zweifelsohne ein starker Widererkennungswert des Wochenberichts.

Sandra: Ja, das höre ich immer wieder. Ich versuche immer, eine Mischung aus den glamourösen Ereignissen in Freiburg zu schreiben, es soll auf keinen Fall politiklastig sein, manchmal schreibe ich auch über völlig Unbekannte, die Frau an der Garderobe zum Beispiel.

Musst du eigentlich als Gesellschaftsreporterin auf jeder Party sein?

Sandra: Ich versuche schon, auf den meisten zu sein. Aber manchmal beschränkt sich das auch auf zehn Minuten Anwesenheit. Das kann für eine nette Anekdote ausreichen. Übrigens würde ich privat nie auf einen Ball gehen. Ich bin eher der Typ, der entspannt. Auf dem Sofa liegt, einfach zu Hause rumsitzt.

Wird deine Kolumne auch belächelt? Pseudo-intellektuelle Freiburger motzen doch bestimmt.

Sandra: Nö, auf jeden Fall dringt es nicht bis zu mir durch. Ich glaube schon, dass sie es machen, die Reihe der Feministinnen. Aber nur wer die Kolumne liest, kann ja auch drüber lästern. Also lesen sie die Kolumne ja selbst. Außerdem ist es so, dass viele lokale Promis sich gerne dort sehen, das sagen sie auch so.

Mir ist dein Text über die Apfelringe-Veronica in Erinnerung geblieben. Wie bist du als Erste auf sie gekommen?

Sandra: Ich habe DSDS gekuckt.

Muss eine Gesellschaftsreporterin denn DSDS schauen?

Sandra: Reporterinnen großer Blätter ganz bestimmt, ich eigentlich nicht. Aber ich finde die Sendung toll. Ich mag es, wenn die Leute vorsingen und danach von Bohlen fertig gemacht werden. Und Apfelringe-Veronica fand ich einfach nur süß. Ich lüge nicht in meinen Texten. Und wenn ich jemanden nicht mag, dann versuche ich, neutral zu bleiben.

Wie viel Prozent deiner Geschichten sind denn exklusiv?

Sandra: Ich schätze, das sind so 20 Prozent. Aber ich schreib natürlich auch über Leute, die schon in anderen Medien zitiert wurden. Tokio Hotel zum Beispiel kann ich nicht ausblenden, nur weil es schon in der Badischen Zeitung war. Aber was mir in letzter Zeit immer öfter passiert: Freunde oder Bekannte machen mich auf was aufmerksam. So konnte ich zum Beispiel schreiben, dass David Copperfield abends vor seinem Auftritt mit seiner Freundin im Kino war. Meine Freundin wusste sogar, in welchem Film - sie war ja im gleichen.

Dass Boulevard-Berichte gelesen werden, ist ja schon länger klar. Dass das auch in Freiburg so ist, hat deine Kolumne ja in den letzten Jahren bestätigt. Gibt es Nachahmer?

Sandra: Na klar. Die Badische Zeitung. Die Rubrik Stadtgeplauder wird immer größer, das sieht man ja. Aber die können das nicht so gut wie ich. (lacht)