Samstag: Dead Flowers feiern 20. Gründungstag mit Reunion-Konzert im Café Atlantik

Alexander Ochs

"20 Jahre Dead Flowers": Die Band, die zum alten Rockadel Südbadens gehört, feiert ihr Jubiläum mit einem Konzert im Café Atlantik in Freiburg – und das, obwohl es die Band eigentlich gar nicht mehr gab, gar nicht mehr gibt.



Tote Hose bei den toten Blumen? Die Band litt mit der Zeit unter den teils zermürbenden Besetzungswechseln. Seit 2011/12 waren die Flowers "dead". "Wir wollten das Ding einfach nur beenden", schildert Leadgitarrist M.C. Ugh. Und er schiebt nach: "damals".


Ziemlich genau 20 Jahre liegt das erste Konzert der Freiburger Band zurück: Im Dezember 1993 sind die vier Rock ’n’ Roller im "Nest" in Freudenstadt aufgetreten, der damaligen Stammkneipe von Frontmann Tim Beam. Nun kehrt die Band, über den Daumen gepeilt, zu ihren Anfängen zurück. Etwa 15 Jahre ist es her, dass die Combo in der Besetzung zusammengespielt hat, mit der sie ihr Jubiläumskonzert bestreitet: Tim Beam, Gesang und Gitarre, M. C. Ugh an der Leadgitarre, Joscha Greuel am Bass sowie Drummer Morten Palsby.

Im Rückblick sei die Zeit Mitte der 90er Jahre prägend und besonders gewesen, meinen die vier. "Richtig ab ging es für uns, als M. C. in die Band eingestiegen ist", erinnert sich Tim Beam. Das war 1997. Doch kaum waren Pläne geschmiedet, stieg Schlagzeuger Morten Palsby aus. Palsby war seit dem dritten Konzert dabei, und nun war er weg. Insgesamt 13 Jahre lebte er wieder in seiner Heimat Dänemark. Aus privaten Gründen kehrte er dann 2013 wieder nach Freiburg zurück.

Über all die Jahre hinweg spielte die Band in wechselnder Konstellation zusammen, brachte CDs heraus und spielte eine herausragende Coverversion des Eagles-Klassikers "Hotel California" ein, auch wenn Beam dazu im Nachhinein meint: "eher Zufall, fast ein Witz".

Doch was immer gleich bleibt, ist der markante Rocksound. Straighter Gitarrenrock, der sich aus mehreren Einflüssen speist: dem Sleaze Rock, wie ihn Guns N’ Roses zelebrierten, dem großen Ding der frühen 90er, Grunge, garniert mit Glam-, Punk- und Bluesrock. Fragt man die vier Musiker nach ihrem Stil, so schallt es einhellig aus allen Kehlen: Gitarrenrock! Vier Männer, eine Mission. Daran hat sich auch heute nichts geändert.



Die Idee, es mal wieder zusammen zu versuchen, reifte in den Köpfen von Tim Beam und Morten Palsby bei gegenseitigen Besuchen. Der erste Versuch, die beiden anderen Mitstreiter M. C. Ugh und Joscha Greuel wieder ins Boot zu holen, ging schief. "Das können wir knicken", dachte sich Palsby. Bei einem zweiten Anlauf klappte es dann aber auf Anhieb. So probte das Quartett ab September wieder und machte auch den Auftritt in Freiburg klar. Allerdings handelt es sich nur um ein kurzes Aufblühen der tot geglaubten Blumen; nach jetzigem Stand soll die Wiedervereinigung einmalig sein. Und die vier versprechen, alles dafür zu geben, dass es in der Tat einmalig wird.

Zusammen hat das Quartett eine Setlist erstellt, die viele frühere Songs beinhaltet. Jeder kam mit fünf, sechs Vorschlägen, sodass die Liste nun über 20 Lieder umfasst. Wobei die Herausforderung, monatelang nur für ein einziges Konzert zu üben, ohne sich wie auf einer Tour richtig eingrooven zu können, in den Augen der Musiker sehr groß ist. Da rutscht selbst dem gestandenen Rocker Tim Beam das Wörtchen "nervös" heraus.

Oder wird es doch weitergehen in der Besetzung? Die Jungs winken ab. Oder vielleicht wieder eine Reunion in fünf oder zehn Jahren? "Das vielleicht schon", sprudelt es aus Beam heraus, "dazwischen aber nix!" M. C. Ugh, bringt es so auf den Punkt: "Rock ’n’ Roll siegt immer!"  

Tim Beams Top 5 „Dead Flowers“-Songs

1. Roll with me (vom Album „No Hits – No Airplay – So What!“, 2011)

Auf dieses Gitarrenriff bin ich sehr stolz. Jedes Mal, wenn ich es spiele, freue ich mich darüber, dass mir das eingefallen ist. Außerdem ist das meine persönliche Hymne. Der Song sagt viel über mich aus.

2. Kick off (vom selben Album)

Unser Trademark-Song, und das zu Recht. Hier kann man den Dead Flowers-Sound am besten hören: Die Basis ist Punkrock, das Solo Hardrock, der Drumbeat sehr ungewöhnlich, in der Mitte wird es düster, und dieser alles prägende Dengelbass konnte nur Joscha einfallen.

Quelle: YouTube


3. One last soul (unveröffentlicht)

Das haben wir während der Vorbereitungen fürs Konzert gemeinsam erarbeitet. Und ich finde, es ist ein wahres Monster von Lied geworden. Ich bin stolz, dass wir auch heute noch so kreativ sind.

4. Leave me (vom Album „Return of the Outlaw“, 1996)

Verlassen zu werden ist schlimm. Manchmal aber ist es schlimmer, nicht verlassen zu werden.

5. May I have a cigarette from you … Darling? (vom selben Album)

Getextet in einem staubigen Busbahnhofs-Café irgendwo in Chiapas, Mexiko. Musikalisch ein ganz typischer Dead Flowers-Song zwischen Alternative- und Hardrock, in dem es ausschließlich um Sex geht.

Mehr dazu:

Was: Konzert mit "The Heron Theme", "Ladies Room" und "The Dead Flowers"; danach: Aftershowparty mit DJ Evil Igele
Wann: Samstag, 18. Januar 2014, 21 Uhr
Wo: Café Atlantik
Eintritt:im Vorverkauf 10 Euro [Fotos: Promo]