Samstag: Ausstellung mit iPhone-Fotos im Jos Fritz Café

Melanie Volk

IPhone-Fotos und Kunst? Besitzer von Spiegelreflex-Kameras würden da lautstark protestieren. Markus Berger will den Beweis antreten - und stellt ab Samstag im Jos Fritz Café seine iPhone-Kunst aus.



Instagram, Tiltshift, picplz - Namen, die iPhone-User in Verzückung versetzen, während sie konservativen Zeitgenossen Kopfzerbrechen bereiten. Mit wenigen Fingerdrücken kann jeder - oder zumindest derjenige, der ein Smartphone besitzt - in Sekundenschnelle zum Künstler werden. Oder etwa nicht?


"Ich halte die Einstellung für elitär, dass nur analoge Fotografie Kunst sei." sagt Markus Berger. "Fotografie ist Fotografie - egal, ob das Bild mit einer Spiegelreflex-Kamera oder mit dem iPhone aufgenommen wurde." Allerdings gehöre etwas Augenmaß und Talent schon dazu: "Alles kann man mit den Apps auch nicht machen. Vieles hängt von der Bildgestaltung und vom richtigen Licht ab".

Seit etwa zehn Jahren interessiert sich der 27-Jährige nun schon fürs Fotografieren. Gerade hat er sein Studium in Politikwissenschaft und Soziologie abschlossen; auf die Kamera gekommen ist er während eines Austauschjahres in den USA. Da bot es sich ja schließlich an, Erinnerungen bildlich festzuhalten. "Irgendwann hab' ich gemerkt, dass ich Spaß daran habe. Später, im Prüfungsstress, war das eine willkommene Abwechslung."



Und so blieb er dann auch dabei: Im Rahmen kleinerer Studentenprojekte stellte er hin und wieder einige seiner Fotos aus, bis er im letzten Jahr den ersten größeren Fisch ans Land zog: Im November 2010 durfte er seine New York-Bilder im Grünhof der breiten Öffentlichkeit präsentieren und bekam für seine Arbeiten von Freunden und Bekannten sehr positive Resonanz.

Im März 2011 war seine zweite große Ausstellung "random?" geplant - ebenfalls im Grünhof. Dieser Plan fand mit der Schließung des Gasthofs am 15. Januar zwar ein jähes Ende; Markus hatte aber Glück im Unglück. Das Jos Fritz Café wurde auf den Künstler aufmerksam und bot ihm an, seine Bilder auszustellen.

Nach diesem turbulenten Kurswechsel feiert seine iPhone-Foto-Ausstellung nun also am Samstag Vernissage. Ab 20.30 Uhr kann man seine "Querbeet"-Fotos beschauen und zu Beats von DJ RNDM abtanzen.

Bei den Fotomotiven ist der Name der Ausstellung Programm: Von realitisch bis abstrakt, von Menschen bis zu Architektur ist alles dabei, wobei den Fotos eines gemein ist: Sie wurden ausnahmslos mit dem iPhone geschossen. Von der Meinung, dass die digitale Bearbeitung von Bildern deren Kunstcharakter verfälsche, hält Markus nichts: "Die Veränderungen sind ja schließlich gewollt und kein reiner Zufall."



Seine Begeisterung für die iPhone-Fotografie hat vor allem pragmatische Gründe. Das iPhone ist klein und passt in jede Tasche, während eine Spiegelreflex-Kamera sperrig und schwer ist. "Vom technischen Aspekt her ist eine iPhone-Kamera natürlich alles andere als perfekt", sagt er. Und trotzdem: "Ich experimentiere gerne mit technischen Spielzeugen herum. Außerdem kann man die Menschen so versteckt fotografieren, ohne dabei den Moment zu zerstören."

Angefangen hat er zunächst mit einfachen Bildbearbeitungsprogrammen wie CrossProcess, bei denen einfach ein Effektfilter über das Bild gelegt und anschließend der Farbeindruck verändert wurde. Irgendwann wurde es ihm aber zu langweilig: Er begann, auf wendigere Bildbearbeitungsprogramme zu verwenden, ging mehr ins Detail und legte bis zu zehn verschiedene Apps übereinander. Besonders gern arbeitet er mit PerfectPhoto, PhotoStudio und PhotoShopExpress.

Ungewöhnlich ist auch das Untergrundmaterial für die Bilder: Die Fotos für seine Ausstellung hat er auf Forexplatten drucken lassen, Kunsstoffplatten, die eigentlich für Werbezwecke an Baugerüsten angebracht werden. "Damit wollte ich den trashigen Effekt der Bilder noch verstärken." Die iPhone-Fotografie hat es ihm angetan, und Apps zur Bildbearbeitung kann er nur empfehlen: "Sie kosten nichts oder nur ein paar Cents und sind wirklich einfach zu bedienen. Das kann jeder lernen."

Mehr dazu:

Was: "random?" Fotoausstellung
Wann: Samsatg, 2. April 2011, 20.30 Uhr bis Freitag, 29. April, 20.30 Uhr
Wo:
Jos Fritz Café