Sammelfieber: Sechs Freiburger Sammler berichten von ihrer Leidenschaft

Magic-Karten, Bierdeckel, PEZ-Spender, Fatcaps, Dunnys, Bibi-Blocksberg-Kassetten, rare Schallplatten, all das sammeln nette junge Menschen aus Freiburg. Anna-Lena Zehendner, Bernhard Amelung, Dennis Wiesch und David Weigend haben sich ein paar dieser Sammlerobjekte zeigen lassen und protokollieren, wie die jeweilige Sammlerleidenschaft entstanden ist.



Florian Hubrich, 26, sammelt Magic-Karten

„Es ist mir bewusst, dass es ziemlich nerdig ist, was ich da mache. Mit zwölf habe ich mir meinen ersten Booster – vergleichbar mit Panini-Sammelbildern – von meinem Taschengeld gekauft. Vor zwei Jahren bin ich über einen Freund wieder auf die Magic-Karten gekommen. Mit ihm und drei anderen Jungs treffe ich mich seither einmal pro Woche zum Zocken. Das Faszinierende an dem Kartenspiel ist, dass es eine eigene Welt schafft.

Du bist darin ein Zauberer und beschwörst mit den Karten Zaubersprüche oder Kreaturen, um deine Gegner zu besiegen. Heute besitze ich sicherlich zehnmal mehr Karten als noch mit zwölf. Es sind mittlerweile etwa 50.000. Einige davon sind sogar was wert. Zum Beispiel die Taiga-Karte, die mittlerweile für 40 Euro gehandelt wird. Die meisten meiner Magic-Karten kaufe ich im Internet. In Freiburg bekommt man leider nur Booster und keine Displays. Diese enthalten 36 x15 Karten von einer Edition (es gibt insgesamt 64 Editionen) und man zahlt zwischen 80 und 90 Euro.“



Anna-Lena Zehendner, 27, sammelt Fatcaps und Dunnys

„Vor fünf Jahren kaufte ich meine ersten beiden Figuren in einem Comic-Laden in Berlin. Ich fand sie damals irgendwie lustig. Dass sich daraus ein kleines Sammelfieber entwickeln würde, habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht geahnt. Das ganze kam eher schleichend. Denn in Freiburg bin ich den bunten Figürchen lange nicht begegnet. Mittlerweile kann man die so genannten Dunnys – das sind kleine Hasen – im YumYum für acht Euro kaufen. Ich habe aber die meisten meiner Figuren aus verschiedenen Städten mitgebracht oder mir mitbringen lassen. Was mir besonders an ihnen gefällt, ist ihr unterschiedliches, buntes und kreatives Design.

Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich immer mehr davon haben möchte. Vergangenes Jahr ersteigerte ich im Internet einen Setzkasten, um alle meine Fatcaps, Dunnys und Trexis darin unterzubringen. Hätte noch vor wenigen Jahren jemand behauptet, dass ich einmal auf kleine, bunte Figuren stehen und mir einen spießigen Setzkasten zulegen würde, hätte ich ihm wahrscheinlich ’nen Vogel gezeigt.“



Nadine Schäuble, 24, sammelt Bibi-Blocksberg-Kassetten

„Mit fünf Jahren bekam ich meine erste Bibi-Blocksberg-Kassette geschenkt. Von da an fing ich Feuer und wollte einfach jede Folge haben. Anfangs wurden sie mir von Freunden und Verwandten gebracht. Aber irgendwann wusste niemand mehr, welche Folgen ich schon hatte und welche nicht. Daher musste ich sie mir bald von meinem Taschengeld selber kaufen. Einige Bibi-Kassetten habe ich auch von Freunden überspielt, weil mein Geld damals nicht ausreichte. Heute fehlen mir nur noch 15 Folgen. Es werden ja auch ständig neue produziert. Ich trage daher immer einen Zettel in meinem Geldbeutel herum, auf dem die wenigen Folgen stehen, die ich noch nicht habe. Falls ich mal spontan an einem Flohmarkt vorbeikommen sollte.

Am liebsten mag ich die alten Folgen – da bin ich stringent. Ich verbinde vor allem meine Kindheit mit den Kassetten. Wenn ich früher stundenlang Bibi Blocksberg gehört und nebenher Legolandschaften gebaut habe, hat meine Mutter mir immer einen Obstteller gemacht.“



Christian Larisch, 23, sammelt Bierdeckel

„Ich sammle Bierdeckel, seit ich sechs bin. Meine Eltern waren früher berufsbedingt auf Messen und Märkten in ganz Deutschland unterwegs. Manchmal begleitete ich sie. Als Andenken an diese Reisen nahm ich mir immer einen regionalen Bierdeckel mit. In der Familie und im Freundeskreis belächelte man mich zunächst dafür. Aber bald begannen sie, mir aus ihrem Urlaub ebenfalls Bierdeckel mitzubringen. So kam ich zu Deckeln aus China, Ecuador und Feuerland.

Mittlerweile habe ich etwa 5000 Stück plus doppelte Exemplare zum Tauschen. Darunter alle Bierdeckel der 16 teilnehmenden Länder der WM 1978 in Argentinien sowie ein Deckel mit hinduistischen Symbolen aus Sri Lanka. Ich bewahre die Deckel in Kartons auf, eine Liste führe ich nicht.

Bierdeckelsammler sind meist in Vereinen organisiert, die sich zu Tauschbörsen in kleinen Gaststätten verabreden. Das Durchschnittsalter dieser Veranstaltungen ist mir jedoch zu hoch. Außerdem werden die exotischen Deckel eher im Internet getauscht, da mache ich dann auch gern mal mit. Von den regionalen Bierdeckeln finde ich die Ganterfilze am schönsten. Wenn ich in einer fremden Stadt unterwegs bin, kann es schon sein, dass ich schnell mal in der Eckkneipe verschwinde, um mir einen Bierdeckel für die Sammlung zu holen.“



Sebastian Stang, 35, sammelt B-Seiten

Menschen, die nach rarem Vinyl suchen, treffen sich mittlerweile meist im Internet. Zwei dieser Sammler leben in Freiburg: Dennis Wiesch und Sebastian Stang, besser bekannt als die DJs Agent Schwiech und Shaddy. „Das neue Material, die Charts, hat sowieso jeder DJ dabei und legt sie im Club auf. Das macht ein Set noch nicht einzigartig“, sagt Stang. „Häufig sind es gerade Platten mit einer bestimmten Vergangenheit, die einer Party Dynamik verleihen“, sagt Dennis Wiesch. Sei es, dass ein Label nur eine einzige Platte herausbrachte, sei es, dass ein Künstler nur ein einziges Mal einen Track produzierte oder einen Remix beisteuerte, bevor er wieder in der Versenkung verschwand. All das macht den Reiz des Diggens aus, des Zutageförderns von Raritäten.

Platten mit Geschichte sind gefragt. Hin und wieder kommen auf ein einziges Angebot auf der Online-Datenbank discogs.com bis zu hundert Interessenten. Das treibt den Preis nach oben. „Wenn das Original über hundert Euro kostet, überlegt man zwei Mal, ob man zuschlägt oder zähneknirschend auf eine günstigere, aber weniger geschichtsträchtige Nachpressung ausweicht“, sagt Stang. Die Vernunft obsiegen zu lassen ist gar nicht so einfach. Schon gar nicht, wenn das Plattensammeln Leidenschaft ist.



Anna Lokuciejewski, 26, sammelt PEZ-Spender

„Pez-Spender waren immer Teil meiner Kindheit und ein beliebtes Mitbringsel meiner Eltern. Damals gab es Pez noch in jedem Supermarkt, heutzutage wird die Suche nach den Fruchtbonbon-Spendern zu einer Odyssee – was es andererseits auch so aufregend macht. Meine Sammler-Leidenschaft begann nach dem Abitur, als ich meinen ersten Spender-E.T. kaufte, von dessen Film ich ein großer Fan war. Die E.T.-Miniatur war dem Original exakt nachempfunden, so dass ich unbedingt eins dieser Prachtexemplare haben musste. Die Liebe zum Detail zeichnet Pez Spender aus und lässt einen Sammler immer wieder darüber staunen, mit welcher Präzision gearbeitet wurde.

In Europa werden Pez Spender vordergründig für Kinderaugen angefertigt, in den USA sind Kinder schon lange nicht mehr die einzige Zielgruppe. Pez Spender sind Kultobjekte, auch für die Großen. Elvis, Mozart, Kiss, Star Trek, die Orange County Choppers und selbst der Mini von Mr. Bean wurden schon verpezt. Ich besitze mittlerweile 262 Pez-Spender, ein Ende ist nicht in Sicht."

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