Salomon plant Alkoholverbot in der Altstadt

David Weigend

Ab dem ersten Januar 2008 soll es im westlichen Bereich der Altstadt verboten sein, auf der Straße Alkohol zu trinken. Das Verbot soll ebenso für die Parkplätze vor der Diskothek Funpark (toom Baumarkt) gelten. Oberbürgermeister Dieter Salomon will diese Regelung mit einen Gemeinderatsbeschluss erwirken. Der Gemeinderat wird über den Vorschlag am 20. November entscheiden.



Alkfreie Zone

Das Alkoholverbot soll zunächst vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2008 gelten und betrifft das Gebiet des so genannten Bermudadreiecks (Löwenstraße, Niemensstraße, Universitätstraße), aber auch die Kaiser-Joseph-Straße bis zum Bertoldsbrunnen, die Bertoldstraße bis zum Werderring sowie den Bereich Humboldtstraße bis hin zur ehemaligen Universitätsbibliothek. An Wochenenden (in den drei Nächten zwischen Freitag und Montag) will der Stadtrat in dieser Zone zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens den Alkoholkonsum verbieten.

Den Grund zum Handeln sehen Salomon und die Freiburger Polizei im starken Anstieg von Gewaltdelikten, die sich im ersten Halbjahr 2007 in der westlichen Altstadt zutrugen. Salomon sagte in einer Pressekonferenz, die heute Mittag im Rathaus stattfand: "Die Gewaltexzesse und Körperverletzungen im Bermudadreieck sind zurückzuführen auf hohen Alkoholkonsum. Wir sehen das als Problem an und wollen den Alkoholkonsum mit dieser Maßnahme domestizieren. Auch wegen der Gesundheitsfürsorge müssen wir eingreifen."

Gleichzeitig räumte Salomon ein, dass man mit einem lokal und zeitlich begrenzten Trinkverbot juristisches Neuland betrete. "Wir sind uns jedoch sicher, dass der Gemeinderatsbeschluss auch vor einer möglichen Klage im Verwaltungsgericht Bestand haben wird", so Salomon.



"Vorsatz zu schlucken"

Auf den Einwand, dass sich das öffentliche Zusaufen durch das Verbot bloß um einige hundert Meter verlagern würde, etwa zum Augustinerplatz, sagte Salomon: "Wir wissen nicht, ob es klappen wird. Aber irgendwo müssen wir anfangen, die Innenstadt wieder sicher zu machen. Es kann nicht sein, dass unbeteiligte Nachtschwärmer eins auf die Rübe bekommen, bloß, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort vorbeilaufen."

Joachim Metzger, der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Freiburg, registrierte einen bedenklichen Anstieg von Gewalt in der Altstadt zwischen Januar und Juni 2007: 26,9 Prozent der 1298 Gewaltdelikte fanden dort statt. Im Bereich des Funparks wurden im gleichen Zeitraum 124 Gewaltdelikte verübt. "Die Tatzeiten liegen meist zwischen 2 Uhr und 6 Uhr früh. Wenn die Diskotheken zumachen, kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen."

Leere Flaschen

Einen Zusammenhang zwischen Gewaltdelikten und hohem Alkoholeinfluss weist die Statistik ebenso nach: Bei Körperverletzungen in der Altstadt stand fast jede zweite tatverdächtige Person unter hohem Alkoholeinfluss.

Dieser wird übrigens auch sichtbar an dem, was die zehn Flaschensammler in der Innenstadt bei ihren regelmäßigen Rundgängen zusammentragen: Über ein Wochenende werden im Altstadtbereich 2000 Flaschen oder 84 Kisten Bier getrunken plus 150 PET-Flaschen, in die Hochprozentiges gemixt wurde. Hinzu käme noch einmal die gleiche Anzahl an pfandfreien Flaschen, so die Schätzung der Polizei.



Saufen und Schlägern

Wer sind diejenigen, die sich gezielt Schnaps-Saft-Mischungen reinkippen und daraufhin aggressiv werden? Metzger sagt: "65,5 Prozent Deutsche, 28,9 Prozent Ausländer, 5,6 Prozent Deutsche mit Migrationshintergrund. Die Kerngruppe der Tatverdächtigen ist zwischen 20 und 26 Jahre alt." Junge Erwachsene. "Wir treffen aber auch auf 14- oder 15-Jährige, die mit 2,5 Promille noch stehen können", so Metzger.

Die betrunkenen Schläger seien im Grunde vernünftig, aber besoffen nicht mehr ansprechbar. "Am nächsten Morgen kommen sie frisch rasiert aufs Revier und können ihr Verhalten nicht mehr nachvollziehen", so Metzger. Viele würden gar nicht in die Clubs gehen; sie beschränkten sich darauf, die mitgebrachten Alkoholika in der Innenstadt zu konsumieren.



Wegschütten oder zahlen

Wie will die Polizei das Alkoholverbot konkret durchsetzen? Metzger sagt: "Wir wollen das Gespräch suchen und die Trinkenden bitten, ihre Flaschen zu entsorgen." Dabei geht es nur um offene Flaschen, "nicht ums Rucksäckle". Sollten die Trinker diese Aufforderung ignorieren, verstößt dies gegen die Polizeiverordnung.

Die Folge: Man muss Bußgeld zahlen und die Polizei beschlagnahmt den Alkohol. OB Salomon sagte außerdem, dass man die Streifenpolizisten gern mit Streetworkern ergänzen würde, aber noch kein "passendes Konzept" vorliege. Salomon: "Uns ist klar, dass wir mit dem Alkoholverbot allein das Problem nicht lösen. Genauso wichtig ist die Suchtprophylaxe."