Salmik: "Ich wünsche mir Erfolg!" - Der große Wölfe-Team-Check

Dirk Philippi

Nach einer vierjährigen Talfahrt und zwei bitteren Spielzeiten in der Oberliga kehren die Wölfe Freiburg als Aufsteiger zurück in die 2. Eishockey-Bundesliga. Vor dem heutigen Saisonstart unter dem Motto "München statt Miesbach" hat Dirk das Team der Wölfe unter die Lupe genommen und Cheftrainer Peter Salmik interviewt.



Die allgemeine Lage

Seit der Verpflichtung von Peter Salmik als sportlichem Leiter und Trainer der Wölfe setzt man an der Ensisheimerstraße wieder auf Kontinuität. So wurden bewährte und etablierte „Achsen“ des Aufsteigerteams gehalten und nur partiell durch Erfahrung ergänzt. Verteidiger Jochen Molling etwa nahm für Deutschland an acht Weltmeisterschaften teil und bestritt weit über 500 Erstligaspiele. Ähnliches gilt für den Weißrussen Sergej Stas, der für sein Heimatland ebenfalls an mehreren WM´s und zwei Olympischen Spielen teilnahm und 2003 mit Krefeld Deutscher Meister wurde. Überhaupt ist die Mannschaft um Kapitän Patrick Vozar mit 28 Jahren im Durchschnitt der ersten vier Blöcke nicht die jüngste, bietet aber dafür großes individuelles Potenzial und Kenntnis des Zweitliga-Hockeys. So stehen die Tschechen Roman Kadera sowie Tomas Kucharchik für anerkannte internationale Puckkunst und Akteure wie Petr Mares, Rudi Gorgenländer, Petr Bares, Josef Kottmair oder auch Matt Hubbauer haben bereits erfolgreich in Deutschlands zweiter Profiliga gespielt.

Taktisch erwartet Salmik von seinen Spielern ein – bei allen kreativen Freiheiten und Qualitäten im Angriff - in erster Linie diszipliniertes Spiel, bei welchem sich jeweils alle fünf Spieler für die Defensive und Offensive verantwortlich zeigen sollen. In der Konsequenz heißt dies vor allen Dingen eines: Schnelligkeit im Kopf und in den Beinen!

Inwieweit aber gerade die vielen älteren Spieler physisch und psychisch bereit sind, diese Vorgaben auf die Dauer von mindestens 48 Spielen umzusetzen, bleibt eine der vielen offenen Fragen vor Saisonbeginn. Genauso wie die Fragen nach dem Leistungsvermögen der deutschen Torhüter, von denen noch keiner eine Zweitliga-Spielzeit als Nummer eins bestritten hat, und die nach der Perspektive und dem wahren Potenzial der jungen Wilden im Team.

Von selbst ernannten Fachleuten als sicherer Absteiger gehandelt bietet das Wölfe-Team 2008 jedenfalls ein gehöriges Maß an Überraschungspotenzial und so richtig böse ist in Freiburgs Eishockeygemeinde niemand über die Außenseiterrolle, die man in der ersten Zweitligasaison seit dem Abstieg 2005 übernehmen wird.

Der Team-Check

TORHÜTER



#31 Ronny Glaser (29 J.), #47 Christoph Mathis (20), #Thomas Ower (22)

Titel: White men can´t jump?!

Analyse: So wie im berühmten Basketball-Film (Dt. Titel: „Weiße Jungs bringen´s nicht“) den nicht-schwarzen Spielern nur wenig zugetraut wird, so steht man vielerorts deutschen Eishockeytorhütern eher misstrauisch gegenüber. Nicht so in Freiburg, dort gibt es dieses Jahr gleich drei davon. Dabei fehlt zwischen den Wölfe-Stangen, was auf allen anderen Positionen im Übermaß vorhanden ist: die Erfahrung!

Ronny Glaser kann zwar mittlerweile auf eine 12-jährige Profikarriere zurückblicken, stand allerdings nie als Nummer eins im Tor eines Zweitliga-Teams. In Freiburg bekommt der in der Oberliga solide Keeper mit Schwächen im Stellungsspiel seine vielleicht letzte Chance. Umso unverständlicher, dass sich Glaser in einigen Vorbereitungsspielen vielleicht seiner Sache zu sicher war: Es mehrten sich die Patzer und prompt war Wölfe-Eigengewächs Christoph Mathis zur Stelle. Was er zu leisten im Stande ist, deutete er nicht zuletzt am Pokalwochenende bereits an, und es bleibt zu hoffen, dass er sich voll und ganz auf seine Aufgaben konzentriert und seine Entwicklung weiter vorantreiben kann.

Förderlizenz-Goalie Tomas Ower vom DEL-Klub aus Frankfurt wird, wenn er kommt, sicher spielen wollen und sollen. Der Butterfly-Torwart vom letztjährigen Playoff-Kontrahenten aus Bad Tölz hat von allen dreien vielleicht das größte Talent, muss den Beweis seiner Leistungsfähigkeit in Liga zwei aber auch erst noch antreten. Im Endeffekt könnte es sein, dass es derjenige Keeper zur Nummer eins schafft, der den größten Ehrgeiz an den Tag legen wird, und schließlich haben konnten im zitierten Film letztlich auch die weißen Jungs springen.

Fazit: Das größte Fragezeichen aller Mannschaftsteile! Wer um die Wichtigkeit der Goalie-Position im Eishockey weiß, wundert sich angesichts der Masse an Erfahrung im Team über das Risiko auf der Schlüsselposition.

1. Block



Stürmer: #17 Chris Capraro (24), #34 Tomas Kucharchik (38), #4 Roman Kadera (35)
Verteidiger: #21 Rudolf Gorgenländer (34), #24 Sergej Stas (34)

Titel: The International Playhouse

Analyse: Wie der gleichnamige Schwarz-Weiß-Schinken wirkt auch der Freiburger Multi-Kulti-Block nicht mehr ganz frisch und besitzt dennoch die Spiellust eines Sandkasten-Krabblers. Zwei Tschechen, ein Kanadier, ein Weißrusse sowie ein im heutigen Kasachstan geborener Deutscher bilden den nominellen Paradeblock der Wölfe.

Um „das Gehirn“ und Center Tomas Kucharchik paaren sich zwei weitere spielstarke Winger. Capraro ist schnell und trotz Mini-Formats körperlich robust. Der kanadische Neuzugang kann ein Spiel lesen und wird für seine über zehn Jahre älteren Sturmkollegen den ein oder anderen Weg mitlaufen müssen. Die Lichtgestalt und Vorzeige-Diva Roman Kadera ist ob seiner herausragenden individuellen Fähigkeiten vielleicht der einzige im Team, der ein Spiel im Alleingang entscheiden kann. Seine teils müde wirkenden Testspiel-Auftritte müssen zu Saisonbeginn aber zwingend in eine erhöhte Laufbereitschaft überführt werden. Dies dürfte allerdings angesichts mittlerweile hervorragender Laktat-Werte (!) bei entsprechendem Willen kein größeres Problem darstellen. Fraglicher bleibt indes wie Tomas Kucharchik die zunehmende Härte wegstecken wird.

Von anhaltenden Verletzungssorgen geplagt konnte auch Sergej Stas in den Vorbereitungs-Partien die Hand- bzw. Rückenbremse noch nicht so richtig lösen. Dabei ist Stas der Wölfe-Verteidiger mit dem besten Aufbaupass in der Kelle bei zeitgleicher Alarmfunktion fürs eigene Tor. Stas´ Ampel steht gern auf Grün, was dem Wölfespiel bislang aber fehlte. Der Offensiv-Verteidiger ist ehrgeizig und fleißig. Noch im Abschlusstraining etwa legte er Schuss-Sonderschichten ein.

Rudi Gorgenländer wirkt im 1. Block ein wenig wie das Feinripp-Hemd zwischen Strapsen und Reizwäsche – was keine Kritik sein muss. Zumindest eine Kühl- und SaferSex-Absicherung braucht es schließlich in einer ansonsten reinen Lust-Formation.

Fazit: Kadera wird wissen, wann es drauf ankommt. Das Potenzial ist immens und die größte Schwierigkeit wird darin bestehen, den Spielkindern Effektivität auf Schaufel und Eimerchen zu schreiben. Gelingt dies, dann gehört Freiburgs Starting Five zu den besten der Liga.

2. Block



Stürmer: #53 Petr Mares (29), #74 Patrick Vozar (33), #16 Matt Hubbauer (25)
Verteidiger: #70 Petr Bares (38), #2 Jochen Molling (35)

Titel: Snipers Paradise

Analyse: Es wird scharf geschossen! Kapitän Patrick Vozar versammelt gleich zwei Torjäger um sich und wird dabei von den erfahrensten Team-Defendern abgesichert. In der Pre-Season experimentierte Salmik auf den Mittel- und Außenstürmerpositionen, da so viele potentielle Center im Kader stehen wie noch nie. Für die zweite Sturmreihe wurde nun die Lösung gefunden, dass der Kapitano die Mitte besetzt, das Bullyspiel aber Matt Hubbauer überlässt. Überhaupt: Hub-Hub-Hubbauer-Einsatz! Der dynamische Neuzugang aus Winnipeg ist die positive Überraschung der Vorbereitung: lauf-, schuss- und willensstark, stabil, und geradlinig - Hubbauer hat alles was ein Torjäger braucht.

Dass Petr Mares gerne Netze beult und das auch kann, ist dagegen bekannt, wobei der ehemalige „Mad Dog“ und Heißsporn mittlerweile ruhiger und abgeklärter geworden ist. Die Hoffnung: Der vielleicht beste Mares, den es je gab. Während Hubbauer seine Europa-Karriere noch vor sich hat, dürfen sich die Ewig-Freiburger Mares und Vozar allerdings nicht auf alten Lorbeeren ausruhen, dann klappt´s auch mit dem Nachbarn.

Wohl auch, weil die Abteilung „Winger“ in dieser Reihe nicht für überschwänglichen Defensiveinsatz berühmt ist, stehen hinter der Sniper-Formation gleich zwei Stay-at-home-Verteidiger der alten Schule. Beim risikolosen Spiel der Hockey-Veteranen Bares und Molling dürfte der Fachbegriff Zero-Tolerance jedenfalls eine neue Bedeutung bekommen. Dabei müssen sich die beiden zumindest abwechselnd überwinden, wer von ihnen den Weg auch nach vorne sucht – irgendwoher müssen die Offensiv-Schmetterlinge ja die Scheiben zum Fliegen bekommen.

Fazit: Bleibt das Klose-Syndrom im Bett und haben die Arrivierten noch Bock auf Laufarbeit, dann ist diese Reihe gut für Tore, Tore, Tore.

3. Block



Stürmer: #41 Josef Kottmair (24), #10 Dennis Meyer (30), #81 Chris Billich (21)
Verteidiger: #55 Jeff White (32), #27 Robert Hoffmann (31)

Titel: Just do it!

Analyse: Das Motto eines Sportartikelherstellers müsste dem Block der stillen Hoffnungsträger in Reihen der Wölfe auf die Herzklappen tätowiert werden. „Sepp“ Kottmair ist ein Mann für die DEL – prinzipiell. Aber ein Mann mit seinen Qualitäten darf sich bei allem Lob nicht nur aufs dröge Arbeiten beschränken. Produktivität muss das erste Ziel des sympathischen Flügelstürmers sein, der vermehrt den Zug zum Tor sowie den Abschluss suchen sollte.

Da Chris Billich auch über den Sommer nicht in Miraculix´ Zaubertranktopf gefallen ist, wird ihn auch diese Saison in erster Linie seine Geschwindigkeit „retten“. Es bleibt abzuwarten, inwieweit „Speedy Gonzales“ es schaffen wird als pucksichere Maus zwischen so manchen Defense-Elefanten durchzuhuschen oder noch besser die stärkste schnellste Maus westlich von Mexiko zu werden. Als Mittelstürmer in Reihe drei hat Dennis Meyer in der Vorbereitung all das umgesetzt, weswegen man ihn an die Dreisam holte: exzellentes Unterzahlspiel, gute Zwei-Wege-Aktionen und ein qualifiziertes Bully-Match. Nicht mehr und nicht weniger: Macht Meyer, was er kann, ist er eine Verstärkung.

Das Sorgenkind der Wölfe-Hintermannschaft wurde von Peter Salmik nicht ohne Grund neben das Kämpferherz Robert Hoffmann gestellt: Auch für Jeff White gilt das Block-Motto: Mach es endlich! Konnte sich der Kanadier mit dem Loch im Rücken (Stellungsspiel!) vergangenes Jahr noch hinter Petr Bares verstecken, so wird ihm Robert Hoffmann, ein Vertreter des ehrlichen direkten Wortes, schon die Leviten lesen, sollte er keine Verantwortung übernehmen. White muss mehr für den Spielaufbau, das Überzahlspiel und Organisation tun, kurz: Er muss überhaupt mehr machen. Das ein oder andere Schlagschusstor ist definitiv zu wenig für einen Kontingentverteidiger.

Bei Robert Hoffmann weiß man bei all seinen kleineren und teils auch größeren Defiziten zumindest eines sicher: Er gibt erst auf, wenn die Nägel in den Sarg geschlagen werden – wenn überhaupt.

Fazit: Sind die Jungs aus Reihe drei bereit, Verantwortung zu übernehmen und an ihren Schwächen weiter hart zu arbeiten, dann können sich die Wölfe dreier ausgeglichener Blöcke sicher sein und so manche gegnerische Paradereihe, die auswärts gegen sie agieren wird die Zähne ausbeißen.

4. Block



Stürmer: #22 Tobias Kunz (19), #20 Gert Acker (26), #23 Marc Wittfoth (19)
Verteidiger: #6 Daniel Ketter (23), #88 Michael Frank (19)

Titel: The Working Street

Analyse: Was für Reihe drei zutrifft, steht für die rein deutsche Formation auf dem Index: Kunz und Wittfoth müssen akzeptieren, dass sie bei allem Talent noch nicht soweit sind, um auf dem Eis die Trick-Diven zu mimen. Angeführt vom Neuzugang Gert Acker muss sich der vierte Block bei seinen Einsätzen zusammen mit den jungen Verteidigern darauf beschränken, die einfachen Dinge richtig zu machen, um ihr Minispiel zu Null zu bestreiten. Produktivität steht nicht auf dem primären Arbeitsplan der Schuffter-Linie. Negativbeispiel: Daniel Ketter wollte zu viel und spielte eine schlechte Vorbereitung, weil er sich in Sachen versuchte, die (noch) niemand von ihm erwartet und denen er (noch) nicht gewachsen ist.

Positiv an der Kadertiefe mit solch talentierten Akteuren ist der Druck, den Peter Salmik auf die Mannschaft ausüben kann. Sollte jemand aus der Reihe tanzen, stehen Acker, Kunz, Wittfoth, Ketter und Frank einsatzbereit zur Stelle. Ohnehin wird man Gert Acker trotz seines Jobs in der Vierten auch so mit einem Mehr an Eiszeit sehen: In Unterzahl wird er zum Einsatz kommen.

Fazit: Arbeiten und nicht tricksen! Bereit sein, wenn gerufen wird! Und weiter arbeiten, arbeiten, arbeiten!

„In the System“:



Torhüter: #32 Fabian Hönkhaus (19)
Stürmer: #90 Ibrahim Weissleder (18), #19 Christian Böcherer (19), #15 Timo Linsenmaier (19)
Verteidiger: #12 Mirko Sacher (16), #33 Manuel Neumann (21, z.Z. verletzt)

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Das Trainer-Kurzinterview



Was hat die Mannschaft gestern in der letzten Ansprache vor Saisonbeginn mit auf den Weg bekommen?

Ich habe den Jungs gesagt, dass jetzt der Ernst des Lebens beginnt und wir gleich zu Beginn auf einen sehr starken Gegner treffen werden. Jeder einzelne soll sich deshalb nun auch gedanklich intensiv auf die Partie vorbereiten, um morgen Abend dann meine taktischen Vorgaben bzw. die einzelnen Aufgaben konzentriert zu erledigen.

Wie groß ist die Freude darüber, dass die sechswöchige Vorbereitung nun zu Ende ist?

Ich freue mich, dass es endlich losgeht und auch die Spieler sind froh, weil sie wissen wollen, wo das Team im Vergleich zu anderen steht.

Und wo wird es stehen?

Das werden wir sehen, ich bin jedenfalls im Großen und Ganzen zufrieden mit dem Training in den letzten Wochen.

Im Großen und Ganzen?

Nun, kein Trainer der Welt kann nach der Vorbereitung schon 100%-ig glücklich sein. Ich denke, dass wir bislang so ungefähr 85% unseres Leistungsvermögens erreicht haben. Natürlich ist es schade, dass wir aufgrund einiger Verletzungen nur in einem Spiel komplett agieren konnten und wir erst seit einer guten Woche die Blockzusammenstellungen gefunden haben. Die Jungs haben jedenfalls sehr gut mitgezogen, die Stimmung ist gut und schließlich wird die Arbeit ja weitergehen.

Die Mannschaft des örtlichen Fußball-Nachbarn hat sich selbst ein Saisonziel gesteckt, gab es so etwas auch bei den Wölfen?

Nein, das nicht, aber es ist klar, dass unser primäres Ziel der Klassenerhalt sein wird. Alles Weitere wäre eine Zugabe.

Wer ist die Nummer eins im Tor?

Ronny Glaser.

Aber Christoph Mathis ist nicht mehr weit weg, oder?

Christoph hat sehr viel aufgeholt und gute Leistungen gezeigt. Deshalb wird er auch seine Chancen bekommen und regelmäßig spielen.

Ein weiterer Kandidat, der sicher ins Tor möchte, wenn er kommt, ist Thomas Ower, der allerdings noch so gut wie keine Zweitliga-Erfahrung hat.

Wenn man aber Christoph Mathis` Entwicklung ansieht und berücksichtigt, dass Thomas Ower letzte Saison schon Stammspieler war, dann darf man schon davon ausgehen, dass Thomas keine Umstellungsprobleme auf die 2. Liga haben dürfte.

In den vergangenen Jahren boten Neuverpflichtungen auf den Kontigentspieler-Stellen immer wieder Anlass zur Kritik. Welchen Eindruck haben die neuen Spieler hinterlassen?

Bis dato haben sie uns überzeugt, aber nun gilt es, dies im Ernstfall zu bestätigen.

Wünsche für die kommende Spielzeit?

(grinst:) Habe ich mehrere? – Aber eigentlich nur eines: Ich wünsche mir Erfolg!



Mehr dazu:

  • Erstes Heimspiel: Sonntag, 14. September 2008, 18:30 Uhr, Eisstadion