Salafisten haben am Bertoldsbrunnen Korane verteilt

Adrian Hoffmann

Eine kleine Gruppe von Salafisten hat am Samstagnachmittag in Freiburg kostenlose Korane verteilt. "Einfach ansprechen" steht auf ihren Werbebannern. Als wir das taten, verloren sie schnell die Lust:



Zunächst geben die jungen Männer am Bertoldsbrunnen - mitten im Samstagsgewusel der Innenstadtbesucher - noch bereitwillig Auskunft. Sie seien von der "Lies"-Stiftung. Ob sie aus Freiburg kommen? "Aus der Umgebung", sagt einer von ihnen. Vor ihnen stapeln sich die Korane, die sie kostenlos verteilen, auf dem Rücken tragen sie Werbebanner. "Lies!", steht da auffordernd in Großbuchstaben.


Mit Salafismus hätten sie nichts zu tun, sagt ein Koranverteiler auf Nachfrage. Sie würden von vielen Leuten dazu angesprochen. Sie hätten auch nichts mit dem IS zu tun, sagt er weiter. Dann winkt der Mann neben ihm ab, als klar wird, dass ein Reporter vor ihnen steht. "Wir beantworten eigentlich keine Fragen", sagt er. "Lies den Koran, werfe ihn nicht weg. Da findest du alle Antworten."

Presse? Keine Lust

Man kann alternativ auch im Internet lesen. Da finden sich viele Informationen zur "Lies!"-Stiftung. Sie hat ihren Sitz in Köln, dahinter steht der Prediger Ibrahim Abou-Nagie. Er gilt als führende Figur des deutschen Salafismus. Abou-Nagie steht auch in Kontakt mit dem Konvertiten und salafistischen Prediger Pierre Vogel – der am heutigen Samstag Medienberichten zufolge in Wuppertal erwartet wird, wo es bei Kundgebungen von Salafisten und Rechtsextremisten zu Ausschreitungen kam.

Mehrmals stand Abou-Nagie bereits im Visier von Staatsanwaltschaften, ebenfalls unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Aktuell steht ihm ein Prozess wegen mutmaßlichen Hartz-IV-Betruges bevor.

Bereits im Herbst 2011 begann das Netzwerk "Die wahre Religion", hinter dem Ibrahim Abou-Nagie steht, mit der großflächigen Verschenkung von Koranübersetzungen in den Fußgängerzonen deutscher Großstädte. Damals war das erklärte Ziel: ein Koran pro Haushalt. Die Aktion war deutschlandweit auf große Kritik gestoßen, etliche Politiker empörten sich.

Wenig später am Samstagnachmittag, um kurz nach 17 Uhr, haben die Koranverteiler ihren Standort am Bertoldsbrunnen verlassen.

Mehr dazu:

[Foto: Adrian Hoffmann]