S(ch)timmige Träumerle

David Weigend

Indiepopbands mit drei bis vier Männern und einer Frontfrau erfreuen sich zur Zeit größerer Beliebtheit. Mia, Klee, 200 Sachen, Fertig, los!, um nur vier deutsche Beispiele zu nennen. Das Quartett Schtimm aus Nordnorwegen passt auf den ersten Blick in die gleiche Kategorie. Beim Gig im gut gefüllten Café Atlantik durchbricht die Band jedoch diese Vorstellung. In ständigem Rollentausch nähert sich die Band dem Auditorium auf ganz leisen Sohlen.



Die Grobaufteilung Frontröhre / Hintergrundsmucker funktioniert bei Schtimm schon deshalb nicht, weil die Combo bei jedem Song karussellartig die Instrumente wechselt. Mal singt der Bassist, mal spielt die Sängerin Xylophon und so weiter.


Schtimm hinterlassen einen eher introvertierten Eindruck, zeigen sich als Meister der leisen Zwischentöne und liefern in dieser warmen Montagnacht einen gediegenen, akustischen Absacker. Sängerin B (keine Namen, bloß Buchstaben, angeblich, um Persönlichkeitskult zu umgehen) trägt die luftige Kombi aus Supergirl-Top und divenhaften Unterarmstulpen. Stilistisch bewegt sie sich irgendwo zwischen Björk und den Coco Rosie-Schwestern, singt zutraulich im zerbrechlichen Sopran und gibt den Songs so ihre melancholische Stimmigkeit. Ein klanggewordener Träumerleintee.

Manchmal wünscht man sich, dass diese Songs explodieren, aber die Explosion bleibt aus. Stattdessen zerfließen Schtimm im Pianissimo. Das klingt so, wie wenn Oma die letzte Strophe vom Schlaflied nur noch summt und dann irgendwann aufhört. So leidet ein wenig die Dynamik des gut einstündigen Konzerts. Bewegung im Publikum kommt allein bei der Zugabe auf, als die Norweger mit dem "Idiot Song" endlich mal das Tempo erhöhen. "Nun ja, wir sind eben keine Stand-Up-Comedians", sagt Bassist und Sänger Erling (33, auf dem Foto ganz rechts) nach dem Auftritt. Er sitzt im Atlantikkeller, hat sich bereits die dritte Zigarette gedreht, sein Hemd weitgehend aufgeknöpft und nippt am Aftershowbier. "Außer der Musik haben wir auf der Bühne nicht allzu viel mitzuteilen. Genauso wenig wollen wir unsere Texte kommentieren oder interpretieren. Das bleibt den Hörern überlassen."

Die hatten bisher auf vier Alben Gelegenheit zur Sinnsuche. Die aktuelle CD trägt den weitläufigen Titel "Time, Space and other stories" und zeugt im Songwriting von jener ätherischen Grandezza, wie man sie wohl nur nördlich des Polarkreises hinbekommt. Aber offenbar nicht nur dort.

Zum Schluss erzählt Erling, dass er "The Onceuponatimer's Theme" direkt nach dem Freiburg-Gig im Juni 2005 geschrieben hat. "Die Zuschauer waren so nett zu uns. Ich fühlte mich unbeschwert wie ein Kind. Dann lag ich im tödlich heißen Tourbus, konnte nicht einschlafen und schrammelte auf der Ukulele. Zack, da war er, der neue Song." Zu hören heute abend in Basel (Wagenmeister, Erlenstr. 23, 21 Uhr).