Hausverbote und Schulungen

Runder Tisch will Freiburger Nachtleben sicherer machen

Joachim Röderer

Damit das Nachtleben sicherer wird, soll es mehr Prävention sowie eine Schulung für Türsteher und Thekenpersonal geben. Eine weitere Idee sind Orte, die einen sicheren Aufenthalt beim Warten auf Freunde oder den Bus garantieren.

Auch eine Werbekampagne für mehr Zivilcourage sei geplant, sagt Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach. Die wiederbelebte "Aktion Hausverbot" funktioniert offenbar: 25 Zutrittsverbote, die stadtweit in allen Clubs und Diskos, gelten, wurden seit dem Frühjahr bereits verhängt.


Im Januar war bekannt geworden, dass es im Großteil der Freiburger Diskotheken ein Zutrittsverbot für Flüchtlinge gegeben hatte. Der Grund waren sexuelle Belästigungen und Übergriffe auf Frauen, bis hin zu einem Fall einer Vergewaltigung auf der Toilette eines Clubs. Das Zutrittsverbot gilt – zumindest offiziell – zwar nicht mehr, Probleme bestehen aber weiterhin. Als erste Reaktion auf die Ereignisse ist die im Jahr 2004 geborene Aktion Hausverbot gegen Gewalt wiederbelebt worden. Bekommt ein Besucher Hausverbot in einem Club, gilt dies automatisch auch für alle anderen Diskos in der Stadt. 25 Namen stehen aktuell auf der Liste, die vom Wirteverband Dehoga geführt wird. Darauf sind Name und Adresse verzeichnet und der Grund für das Verbot, nicht aber Herkunft und Status des Betroffenen. Alexander Hangleiter, Geschäftsführer des Dehoga Freiburg, schätzt jedoch, dass gut 40 Prozent der ausgeschlossenen Clubbesucher aus der Gruppe der Flüchtlinge und Migranten kommen.

Dritte Tagung des runden Tisches

Die Stadtverwaltung hat nach den Geschehnissen im Frühjahr umgehend einen Runden Tisch mit Clubbetreibern, Polizei, Frauenverbänden und Migrantenbeirat ins Leben gerufen. Dieser Runde Tisch hat in dieser Woche zum dritten Mal getagt – allerdings haben nur noch die Vertreter von sechs Clubs und Bars teilgenommen. Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach sieht klare Fortschritte durch die gemeinsame Arbeit. So soll es eine Online-Plattform "Sicherheit im Freiburger Nachtleben" geben – hier soll über Hilfsangebote, die Polizeipräsenz in der Innenstadt bis zu den Nachtfahrten der VAG informiert werden. Auch die Website "Freiburg zeigt Zivilcourage" wird aufgebaut. Dazu soll es auch Postkarten und bedruckte Bierdeckel in der Abend- und Nachtgastronomie geben – mit klaren Handlungsanweisungen bei Problemen: Polizei rufen, sich Verbündete schaffen, genau beobachten und andere auffordern, dass sie direkt helfen.

Ein weiterer Baustein sind Schulungen für das Personal – an der Tür und hinter der Theke. Ein solches Grundmodul sei erarbeitet worden, berichtet Gerhard Tschöpe von Pro Familia. Er ist Leiter des Netzwerks für Gleichbehandlung. Die Schulung soll mit einer Selbstreflexion beginnen. Es geht um das Frauen- und Männerbild, um Rassismus und Kultur, um Körperlichkeit und Grenzen sexueller Gewalt. Es gehe aber auch darum, eine deesaklierende Sprache zu finden. Die meisten Türsteher, so Tschöpe, seien sehr erfahren und machten eine gute Arbeit. "Aber sie haben einen schweren Job und sind manchmal auch gezwungen zu diskriminieren", so Tschöpe. Und oft würden sie aber auch von der Geschäftsführung der Clubs alleingelassen.

Weiterhin Probleme mit Migranten

Peter Bitsch, Betreiber des Kagan im Bahnhofstrum, verweist darauf, dass es weiter Probleme mit einzelnen Gruppen gebe und nennt hier junge Männer aus Nordafrika. Er würde sich wünschen, dass es so etwas wie "Hotspots" gebe – sichere Orte etwa bei Diskotheken, an den Frauen sich aufhalten können, wenn sie etwa auf Freunde warten. Die Polizei finde die Idee, so Sprecherin Laura Riske, grundsätzlich positiv: "Aber natürlich kommt es auf die konkrete Ausgestaltung an." Nachtgastronom Bitsch lobt die guten Ansätze in der Arbeit des Runden Tischs, glaubt aber nicht, dass allen Beteiligten die nächtlichen Realitäten bewusst sind: "Das sind alles nette Leute, aber sie wissen nicht, wie es morgens um 3 Uhr in Freiburg wirklich zugeht."

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