Runder Tisch: "Aktion Hausverbot" soll wiederbelebt werden

Carolin Buchheim & Joachim Röderer

Mehr Kontakt zur Polizei und die Wiederbelebung der "Aktion Hausverbot" – so sollen Freiburgs Nachtlebenprobleme bekämpft werden. Im Rathaus tauschten sich am Donnerstag Stadt, Behörden und Nachtgastronomen aus. Was dabei herauskam:



Stadtverwaltung und Polizei haben beim Runden Tisch im Rathaus zur Lage im Freiburger Nachtleben die Gastronomen aufgefordert, bei Problemen immer sofort die Polizei zu holen. Überlegt wird auch, die 2006 gestartete, aber mittlerweile eingeschlafene Aktion Hausverbot wiederzubeleben. Ein Hausverbot in einem Club gilt dann für alle Clubs. In einem kleineren Kreis soll auch ein präventives Konzept erarbeitet werden.


Die Probleme seien schon seit Jahren bekannt, die Tätergruppe nicht homogen

Rund 50 Teilnehmer saßen am Runden Tisch. Dieser war einberufen worden, nachdem mehrere Diskotheken Probleme mit Flüchtlingen gemeldet hatten. Diese führten wiederum, so berichteten es Flüchtlinge der BZ, zu Zutrittsverboten. Ausgelöst hatte die Debatte eine E-Mail des Clubs White Rabbit. Dessen Betreiber waren am Donnerstag mit dabei, meldeten sich aber nach Berichten von Teilnehmern nicht zu Wort und wurden auch von niemandem zu der in der E-Mail doch deutlich beschriebenen Vorfällen befragt.

Eine städtische Pressemitteilung fasst die Aussagen des nichtöffentlichen Treffens zusammen: Schon seit vielen Jahren gebe es Probleme mit bestimmten verhaltensauffälligen Gruppen. Deren Zusammensetzung sei nicht homogen und habe im Verlauf der Jahre stark gewechselt. Sie könne weder mit einer Nationalität noch einer bestimmten Herkunft verknüpft werden. Es gebe kein neues und kein spezifisch Freiburger Problem, lautete am Ende das Fazit.

Die Stadtspitze war mit Oberbürgermeister Dieter Salomon, dem Ersten Bürgermeister Otto Neideck und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach geballt vertreten. "Wir sitzen alle in einem Boot, wir möchten alle eine sichere Stadt haben, in der man gut leben und auch gut feiern kann", sagte der OB.

Gegenüber der BZ meinte er nach der Runde, man müsse die Probleme klar benennen, auch wenn es sich "um eine kleine Teilmenge von Flüchtlingen handle". Wenn man das nicht tue, bringe man alle Flüchtlinge pauschal in Misskredit.

Die "Aktion Hausverbot" führte einst zu 150 Hausverboten in Clubs

Salomon forderte, wie auch Harry Hochuli, Leiter des Polizeireviers Freiburg-Nord, die Nachtgastronomen auf, Delikte zur Anzeige zu bringen. Auch Bürger, die nachts unterwegs sind, müssten die Polizei bei verdächtigen Beobachtungen rufen, appellierte der OB an die Zivilcourage. Diskutiert wurde auch die Wiedereinführung der "Aktion Hausverbot", die seit 2006 zu rund 150 Hausverboten in Freiburger Diskotheken geführt hatte. Diese Idee unterstützt auch Alexander Hangleiter, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Für ihn war der Runde Tisch ein guter Anfang. Weitere Analysen müssten nun in kleinerer Runde folgen.

Das Treffen im Rathaus wurde danach unterschiedlich bewertet. Ein Teilnehmer meinte: "Wir haben durchaus ein Problem. Aber niemand hat Interesse, dass der Eindruck entsteht, man kann in Freiburg abends nicht mehr ausgehen, ohne sexuell belästigt oder ausgeraubt zu werden." Die Hausverbots-Lösung unterstützt Peter Bitsch vom Kagan. Er appellierte an die Justiz, gemeldete Straftaten auch zu verfolgen und die Täter zu bestrafen.

Gerrit Kossmann freut sich über die Initiative von Stadt und Behörden. Er betreibt das "Schmitz Katze" in der Haslacher Straße und hat in seinem Club schon lange Feierregeln, auch gegen Sexismus und Rassismus. Die sind für ihn der Grund, warum es in seinem Laden keine Probleme gebe. Er sieht die Clubs nicht nur an der Tür gefordert – er habe jetzt einen Geflüchteten aus Gambia eingestellt. "Das ist Engagement im eigenen kleinen Kosmos, wie wir es für wichtig halten."

Dass sich in Freiburg die Dinge verändert haben, schildert Jens Zimmermann, Betreiber der Bars "Othello" und "Cohibar". Das "Othello" hat seit dem Sommer Security am Eingang – immer wieder war im Lokal geklaut worden. Wurden die Täter erwischt, kam es oft zu Schlägereien. Laut Zimmermann stammten die Täter vorwiegend aus dem nordafrikanischen Raum. "Ohne Türsteher hätten wir unseren Betrieb nicht aufrechterhalten können", sagt er. Mehrere Bars in Freiburg arbeiten am Wochenende mit Türpersonal.

Chris Rotzler, Betreiber des "Bambii" und des "Great Räng Teng Teng", hat am Runden Tisch nicht teilgenommen. "Nachtgastronomie wird von der Stadt Freiburg nicht gut behandelt", sagt er und führt Probleme wie Sperrzeitverkürzung und Außengastronomie an: "Aber jetzt, wo man im Blickpunkt des medialen Interesses steht, geht's plötzlich schnell mit einem Treffen."

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[Archivfoto: Michael Bamberger]