Kundgebung

Rund 1500 Menschen demonstrieren in Freiburg für mehr Geld für Uni und Hochschulen

Fabian Vögtle

Allein die Uni Freiburg hat ein Defizit von 7 Millionen Euro: Jetzt fordert ein Aktionsbündnis mehr Geld für die Hochschulen. Es demonstrierte heute landesweit – in Freiburg kamen 1500 Menschen.

Unter dem Motto "Hochgeschult – kaputtgespart" sind heute in ganz Baden-Württemberg Tausende Studierende und Beschäftigte auf die Straße gegangen. In Freiburg forderte ein breites Aktionsbündnis bei einer Kundgebung auf dem Platz der Alten Synagoge mehr Geld vom Land für bessere Arbeitsbedingungen an der Universität und den vier Hochschulen.


Laut Veranstaltern und Polizei nahmen rund 1500 Menschen an der anschließenden Demonstration teil. Diese führte über die Rempartstraße, Kaiser-Joseph-Straße und Gerberau zum Augustinerplatz. Von dort ging es entlang der Salzstraße und Kajo zum Europaplatz und dann über den Friedrichring vorbei am Rektorat am Fahnenbergplatz. Über den Rotteckring ging es zurück zum zentralen Platz, auf dem eine Abschlusskundgebung stattfand.

Die Polizei spricht von einer friedlichen Demonstration, Zwischenfälle gab es laut einem Sprecher nicht. Wie zu erwarten, mussten vorübergehend nur einige Straßenbahnenlinien auf die Weiterfahrt warten.

Was ist Auslöser des Aktionstags?

Die Unis und Hochschulen des Landes, so der Entwurf der Landesregierung für den Doppelhaushalt 2020/2021, sollen künftig 125 Millionen Euro mehr bekommen. Das ist den Unis aber zu wenig, sie sehen einen Mindestbedarf von 450 Millionen pro Jahr. Eine Erhöhung der Grundfinanzierung um drei Prozent begrüßen sie zwar. Rektoren und Studierendenvertretungen sehen mit Blick in die Zukunft aber eine unzureichende Hochschulfinanzierung. Denn mehr als die Hälfte der Aufstockung entfallen auf Tarif- und Besoldungssteigerungen. Der zusätzliche Bedarf der Unis liegt zudem bei insgesamt 172 Millionen Euro, das Land bietet knapp acht Millionen Euro Sondermittel.

Wie ist die Lage an der Uni Freiburg?

"Wir haben in den letzten Jahren unser Tafelsilber verkauft. Es gibt keine Rücklagen mehr", sagte Hans-Jochen Schiewer letzte Woche bei der Eröffnung des Akademischen Jahres. Die finanzielle Situation, so der Uni-Rektor, habe sich schon jetzt extrem zugespitzt. Angesichts der Herausforderungen und Belastungen, müsse Stuttgart jedoch mehr investieren. Die Uni Freiburg hat ein Defizit von sieben Millionen Euro. Für mehr als 2000 Studierende sei der Studienplatz nicht finanziert. Im Vergleich zu 1998 stünden heute 3540 Euro weniger an Mitteln pro Student zur Verfügung, so Schiewer.

Um welche Punkte geht es konkret?

"Es geht um das geregelte Funktionieren", sagt Helmut Waller. Bei der so wichtigen Finanzierungsfrage gehe es nicht nur um die von vielen zu Recht geforderten Investitionen in Forschung und Lehre. Nicht zu vergessen, denn ganz zentral für den Ablauf sind laut dem Personalratsvorsitzenden an der Uni Freiburg auch das technische Gebäudemanagement und die Verwaltung; "denn ohne Technik geht es nicht." Der Uni fehlen fast überall Stellen und gerade mal gut zehn Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter haben unbefristete Verträge, erklärt Waller. Das müsse sich ändern. Die Studierendenschaft beklagt unter anderem die wegen des Sparkurses verkürzten Öffnungszeiten der Unibibliothek, überfüllte Hörsäle, marode Räume und ein eingedampftes Kursangebot.

Wer beteiligt sich an der Demo?

Ein großes Aktionsbündnis hat zur heutigen Kundgebung aufgerufen. Neben der Verfassten Studierendenschaft (VS) der Uni Freiburg sowie den Studierendenvertretungen der Pädagogischen, Katholischen und Evangelischen Hochschule und der Musikhochschule sind auch die Rektorate mit dabei sowie verschiedene Hochschulgruppen und Jugendorganisationen von Parteien.

"Auch bei uns sind die fehlenden Mittel alltäglich spürbar", sagt Judith Scheck, Vorständin der Studierendenschaft an der Pädagogischen Hochschule. Dort ist unter anderem die dringende Sanierung der mit PCB belasteten Räume ein Dauerthema. Neben der baulichen Infrastruktur bei alten Gebäuden dürfe aber auch die digitale Ausstattung nicht zu kurz komme, betont Carlotta Rudolph, VS-Vorständin an der Uni Freiburg. Hannah Juval Lessing, Sprecherin vom Allgemeine Studierendenausschuss an der Musikhochschule, gibt zu Bedenken, dass ohne eine angemessene Finanzierung, die zuletzt neu geschaffenen Studienplätze nicht erhalten werden können.

Wie geht es weiter?

"Noch ist es nicht zu spät", sagt Uni-Rektor Schiewer. Wenn sich alle formierten, könne man das grün-schwarze Kabinett noch davon überzeugen, dass ohne eine auskömmliche Finanzierung der Hochschulen die Zukunft verspielt werde.