Aktionstag

Rund 100 Freiburgerinnen protestieren gegen Paragraf 219a

Andreas C. Braun

Deutschlandweit demonstrierten am Samstag Menschen für die Abschaffung des Paragrafen 219a, der es Ärzten verbietet, über den Schwangerschaftsabbruch zu informieren.

Wenn in Deutschland eine Frau ihre Schwangerschaft abbrechen möchte, darf sie zunächst nicht, anders als man vermuten könnte, einen Arzt aufsuchen. Sie muss erst einmal zu einem Gespräch in einer offiziellen Beratungsstelle gehen. Erst danach darf sie sich an Ärzte wenden. Diese dürfen aber laut Paragraf 219a nicht damit "werben", dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen.


Ein Ärztin aus Gießen hatte im vergangenen Oktober in zweiter Instanz verloren und muss ein Bußgeld von 6000 Euro bezahlen, weil sie auf ihrer Website über die Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs informierte. Doch Paragraf 219a verbietet das öffentliche Anbieten, Ankündigen oder Anpreisen von Schwangerschaftsabbrüchen.

100 Demonstrantinnen und Demonstranten

Die Bundesregierung hat angekündigt, das Gesetz zu konkretisieren. Künftig sollen staatliche Einrichtungen darüber informieren, welche Ärzte und medizinische Einrichtungen Abtreibungen vornehmen.

Hundert Demonstrantinnen und Demonstranten, die sich anlässlich des Aktionstags zu einer Kundgebung am Bertoldsbrunnen trafen, hatten eine klare Forderung: Der Paragraf 219a muss abgeschafft werden. Vertreter von "Pro Familia", dem Genderreferat der Uni Freiburg und von den "kritischen Medizinerinnen und Mediziner Freiburg" sprachen über die ihrer Meinung nach unhaltbare Situation.

Mitorganisiert wurde die Demonstration von "Pro Familia", einer offiziellen Beratungsstelle für Schwangerschaftsabbrüche. Geschäftsführerin Petra Krug hält die aktuelle Situation für ungewollt Schwangere sogar für gefährlich. Viele Frauen, die sich Gedanken über einen Schwangerschaftsabbruch machten, fänden im Internet nicht nur schnell Fehlinformationen, sondern auch Seiten, die von Abbruchgegnern betrieben und gezielt verunsichern würden. "In Südbaden gibt es nur rund sechs offizielle Anlaufstellen für Frauen, die ein Beratungsgespräch wollen", sagt Krug. Wer sich entschließe, die Schwangerschaft abzubrechen, erhalte die Bescheinigung sowie eine Übersicht von Ärztinnen und Ärzten, die unterschiedliche Eingriffe durchführen können."

In der Ausbildung an der Uni kommt das Thema zu kurz

Dass der Paragraf 219a gestrichen werden muss, findet auch Katharina Rühlmann, eine der kritischen Medizinerinnen. In der universitären Medizinausbildung komme das Thema Schwangerschaftsabbruch, je nach Universität, oftmals zu kurz. "Wenn Ärzte erwähnen dürfen, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen, führt das nicht zu mehr Abbrüchen", sagt die junge Ärztin. Rund 100 000 Abbrüche gebe es jährlich in Deutschland. "Früher waren es mehr", sagt sie. "Zentral für jede medizinische Behandlung ist, dass die Ärztin des Vertrauens und die Patientin gut miteinander kommunizieren können. Aktuell wird das durch den Paragrafen verhindert."

Die Veranstalter vom "Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung" zählten bis zu 6 000 Teilnehmerinen und Teilnehmer in mehr als 30 Städten.

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