Konflikt um Wandbild

Rückendeckung fürs Baurechtsamt in Sachen Graffitihaus

Johannes Tran & Sina Gesell

Das Wandbild an einem Haus in der Wiehre muss überstrichen werden – das meint nicht nur das Freiburger Baurechtsamt, sondern auch das Landesdenkmalamt und eine Kunstexpertin. 800 Bürger fordern hingegen seinen Erhalt.

Im Streit um das bemalte Haus an der Kirchstraße (Fotos) bekommt das Baurechtsamt nun Rückendeckung von der Denkmalschutzbehörde des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart und der Vorsitzenden der Freiburger Kunstkommission.


Ebenso wie der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre zeigen sie Verständnis dafür, dass das Amt die Arbeit des Graffiti-Künstlers Tom Brane gestoppt hat.

"Die Wiehre lebt davon, dass sie ein programmatisch homogener Stadtteil ist", sagt Angeli Janhsen, die der gemeinderätlichen Kunstkommission vorsitzt. Deshalb könne nicht jeder sein Haus nach Belieben gestalten. "Das gäbe eine Inflation an Individualismen." In einem bunteren Stadtteil wie Vauban würde man dies anders bewerten, so die Kunsthistorikerin. Ihr Gremium habe erst aus der Zeitung von dem Streit erfahren. Dabei sei gerade in einem solchen Fall die Kunstkommission gefragt. Sie wurde vom Gemeinderat berufen, um ihn in Fragen zu Kunst im öffentlichen Raum zu beraten.

"Die Fassadenmalerei fügt sich nicht harmonisch und respektvoll in das gewachsene historische Erscheinungsbild ein." Regina Schultze, RP-Sprecherin
Das Landesamt für Denkmalpflege im RP Stuttgart sieht das Haus als "gut erhaltenes Beispiel der prägenden Architekturauffassung in der Freiburger Wiehre vor dem Bauboom der Jahrhundertwende", wie RP-Sprecherin Regina Schultze auf BZ-Anfrage mitteilt. "Die Fassadenmalerei fügt sich nicht harmonisch und respektvoll in das gewachsene historische Erscheinungsbild ein." Die Fassade diene nur als bloße Leinwand. Die Architektur trete in den Hintergrund.

Nach dem Denkmalschutzgesetz darf laut Schultze das Erscheinungsbild nur mit Genehmigung verändert werden – die habe es mündlich gegeben, sagt die Eigentümerin. Das Baurechtsamt weist das zurück und schließt einen Irrtum aus.

Ähnlich wie das Baurechtsamt, das derzeit den Fall noch prüft, kommt auch das RP zu dem Schluss, dass die Graffiti zu einer "erheblichen Beeinträchtigung und nicht zu einer Steigerung der Aussagekraft des Kulturdenkmals führt". Würden die Graffiti genehmigt, könnte die Entscheidung zum Präzedenzfall werden, heißt: Jeder könnte sein Haus streichen, wie er möchte.

Neuer Anstrich nur in "historisch belegbarer Farbe"

Die Schmierereien dagegen, die vorher auf dem verwahrlosten Gebäude prangten, hätten den Kulturdenkmalstatus nicht beeinflusst, obwohl ein "gepflegter Zustand wünschenswert gewesen wäre", so Schultze.



Ein neuer Anstrich hätte mit einer "historisch belegbaren Farbe" erfolgen müssen. Auch der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre empfindet die jetzige Bemalung laut dessen Vorsitzenden Justus Kampp als "starken Eingriff ins Stadtbild" und hat Verständnis fürs Baurechtsamt.

Der Protest vor dem Haus gegen den zwangsweisen Abbruch der Künstlerarbeiten dauert unterdessen an. "Bitte mal weiter", steht auf einem Banner am Baugerüst. Knapp 800 Unterschriften für den Erhalt des Kunstwerks hat eine Initiative gesammelt. Künstler Brane spricht von einem fünfstelligen Betrag, den das Kunstwerk bislang gekostet habe.

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