Rudirockt: Freiburg kocht und rockt

Carolyn Höfchen

Ein Abend voller Überraschungen ist "Rudirockt", das "Running Dinner". Keiner kennt das Menü, die Gäste oder die nächsten Gastgeber. Ein Zweier-Team kocht jeweils eine Vorspeise, ein Hauptgericht oder ein Dessert für zwei weitere Teams. Nach jedem Gang geht es quer durch die Stadt in eine andere Wohnung. Wohin es unsere Autorin Carolyn Höfchen verschlagen hat: ein Selbstversuch.

Diese etwas andere Art, neue Leute kennen zu lernen, haben vor einigen Jahren drei Studenten in Aachen erfunden. In Freiburg fand das Running Dinner gestern zum ersten Mal statt. Inzwischen ist Rudi deutschlandweit bekannt.


Die ersten Minuten bei Rudirockt fühlen sich ein bisschen an wie bei einer Mitfahrgelegenheit. „Hallo, ich bin Thomas, und du? Caro, freut mich. Was machst du so, wo kommst du her?“ Es ist 18.30 Uhr, wir stehen in der Küche meines Teamkollegen Philipp, sechs Leute die sich nicht kennen: Thomas, Marco, Anna, Janina, Philipp und ich. Erstmal anstoßen, dann verfliegt die etwas steife Stimmung bestimmt. 



Die Rechnung geht auf. Nach ein paar Happen unserer Vorspeise – Feldsalat mit Birne und Croûtons – werden die Gespräche schnell lockerer. Alle freuen sich auf einen lustigen Abend und nette Leute. Mitten im Reden fällt uns plötzlich auf, dass es schon Zeit ist, weiter zu ziehen. Um 20.15 Uhr müssen wir beim Hauptgang sein. Auf geht’s in den Regen, zu einem Run mit dem Fahrrad von Zähringen zum Colombipark. Anna und Janina fahren nach Littenweiler, Thomas und Marco haben schon die Laufschuhe angeschnallt, sie müssen schnell zu Fuß ins Institutsviertel. Die beiden haben es eilig, sie kochen die Hauptspeise.



Unser Hauptgang ist in einer Dachwohnung mit Blick über die Stadt, bei Benny und Clemens. Schon im Treppenhaus hören wir lautes Gelächter, es riecht verführerisch nach Lasagne. Fröhlich werden wir empfangen und haben sofort ein Glas Wein in der Hand. Hier sind wir acht Leute zum Essen, das mit dem Namen merken wird langsam schwierig.

Kaum sitzen alle auf den bunt zusammen gewürfelten Stühlen um den großen braunen Holztisch, servieren Benny und Clemens schon den Secondo. Es gibt drei verschiedene Sorten Lasagne: eine Fleischlasagne, eine Kreation aus Ricotta, Pilzen, Rucola und Tomate und eine Spinat-Feta-Lasagne. Alle Gäste sind begeistert, das Essen ist einsame Spitze und der Wein kommt auch noch vom Weingut – Clemens’ Eltern sind Winzer. Besser hätten wir es gar nicht treffen können. Die Stimmung wird mit jedem Glas Wein ausgelassener und spätestens nach einem Topinambur-Absacker würden sich am liebsten alle in der gemütlichen Wohnung festsetzen.

Aber der Blick auf die Uhr scheucht uns auf, vor allem Ilka und Dominique, sie machen das Running-Dessert. Um 22 Uhr werden ihre Gäste auf der Matte stehen, da heißt es beeilen. Also geht es nach einer lauten Verabschiedung wieder raus in den Regen, dank Wein und Schnaps interessiert sich inzwischen auch niemand mehr für das Wetter. Unser nächstes Ziel: Haslach.

Hier ist Kontrastprogramm angesagt: Die Stimmung bei Sandra und Judith ist deutlich ruhiger als beim Benny-Clemens-Hauptgang. Bei den Jungs sah die Küche nach den drei Sorten Lasagne aus wie killing fields, im Vergleich wirkt da die Küche dieser Mädels-Wg wie der Runway bei Heidi: perfekt aufgeräumt. Es duftet schon an der Haustür nach Gewürzen, im Hintergrund läuft spanische Musik à la Buena Vista Social Club. Clara und Wibke sind schon da, haben einen Chai-Latte in der Hand und erzählen fröhlich von ihrem bisherigen Rudi-Abend.



Wir haben den zweiten Volltreffer gelandet, es gibt nämlich gleich zwei leckere Desserts: erst Mascarpone-Panacotta mit Erdbeersauce und danach – einer geht noch – Buttermilch-Zitronenmousse mit Orangenfiletsauce.Während dem Schlemmen geht es nur um ein Thema: Ist Rudi eine Art Single-Börse? Verpackt in einem harmlosen Abendessen mit Freunden? Dieses Gespräch höre ich nun schon zum dritten Mal an diesem Abend – irgendwie scheint es alle zu beschäftigen. Die meisten sehen das allerdings wie Clara: „Rudi ist perfekt zum neue Leute kennen lernen, lecker essen und entspannt ein Gläschen Wein trinken. Das ist auf keinen Fall als Single-Treff angelegt“.



Und für diejenigen, die das doch anders sehen, kommt die Rudirockt-Party im Kamikaze gerade recht. Schon vor dem Eingang gibt es ein großes Wiedersehen: Unsere Hors d’oeuvre-Fans sind da, die acht vom Secondo, und außerdem scheint sich sowieso jeder hier in Freiburg über drei Ecken zu kennen. Da ist es kein Wunder, dass die Stimmung im Kamikaze kaum zu toppen ist.



Alle sind sich einig: Rudirockt war super und muss unbedingt wiederholt werden. Es haben zwar nur 34 Köche mitgemacht, aber das sei ausbaufähig, meint Anna gut gelaunt. „Nächstes Mal verteilen wir einfach Flyer vor der Mensa, dann rennen sie uns die Bude ein.“