Rotzlöffel

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum Fußballer stets so auffällig und pompös auf den Platz spucken? Zu großen Teilen hat das zwar auch mit dem dem Fußball innewohnenden Machoimage und dem dazugehörigen Gehabe zu tun. Doch es gibt auch physiologische Ursachen, die die Ausübenden solch körperlich anstrengender Sportarten dazu anregen, überflüssigen Speichel zu externalisieren.

Wer sich körperlich anstrengt  – was jedenfalls ein Großteil der Profikicker tut – benötigt mehr Sauerstoff. Und wenn die durch die Nase eingesogene Luft nicht mehr ausreicht, muss man durch den Mund atmen. Auch auf diesem Luftwege sind die dabei anschwellenden Schleimhäute dafür verantwortlich, dass mollig erwärmte und gut angefeuchtete Luft in der Lunge ankommt.


Dieses große durchströmende Luftvolumen trocknet den von den Speicheldrüsen produzierten Schleim aus, was ihn immer zäher macht, bis er lange feste Fäden zieht. Und da die eigentlich bessere Bedürfnisbefriedigung – das Trinken, mit dem der Schmodder hinfortgespült werden würde – weit weg am Spielfeldrand steht, hilft nur eins: Raus mit dem Zeug.

Nach dem gleichen Prinzip ergeht es auch Nichtsportlern im Winter in der Nase: Auch sie muss die deutlich kältere Luft anfeuchten und erwärmen, weshalb die dortigen Schleimhäute ihre Produktion hochfahren. Das Ergebnis: Die Nase läuft. Ebenso ergeht es Sommersportlern, die doch noch durch die Nase atmen.

Warum allerdings besonders bei sehr "männlichen" Sportarten wie Eishockey oder eben Fußball so häufig und auffallend gespuckt oder gar ein Charlottenburger rausgelassen wird, muss dann doch dem Machoimage der Sportarten angelastet werden. Denn bei Basketballern oder Langstreckenläufern, die mindestens ebenso anstrengende Sportarten betreiben, ist dieses reviermarkierende Verhalten seltener zu beobachten.