Root Down: Interview mit André Lodemann

Bernhard Amelung

Am Samstag wird bei der Root Down im Waldsee André Lodemann seine Schwarzwald-Premiere an den Plattentellern begehen. Der Berliner DJ ist Fachmann für deepe elektronische Musik und hat dabei ein feines Gespür für Melodie und Dramaturgie. Was man von seinem Set am Samstag erwarten darf, und ob er einen Club in seiner Heimatstadt empfehlen kann:

 

Was bedeutet Dir Soul im Allgemeinen und bezogen auf die elektronische Clubmusik?

Soul bedeutet für mich die Grundlage meines Handelns. Er durchdringt alle Lebensbereiche, natürlich insbesondere Musik. Egal, um welche Musik es sich handelt, wichtig ist, dass sie authentisch ist und Emotionen ausdrückt. Für mich bedeutet das die Auseinandersetzung mit mir selbst und meinem Umfeld. Es gibt Phasen, in denen das durchaus Überwindung kostet.

Das gilt ebenso für elektronische Clubmusik. Sicher besitzt hier das abstrakte Moment einen hohen Stellenwert, leider oft zu ungunsten der emotionalen Ebene. Das ausbalancieren dieser beiden Elemente ist eine hohe Kunst. Tendenziell wünschte ich mir mehr Mut zum Ausdruck starker Gefühle.

Liegen im Soul auch Deine musikalischen Wurzeln?

In meiner frühsten Kindheit bin ich stark durch den Musikgeschmack meiner Eltern geprägt worden. Das war in erster Linie 70er Jahre Pop. In den 80er Jahren entwickelte ich ein eigenes Bild von Musik, welches sich stark an SynthiePop orientierte. Dazu zählten Bands wie Depeche Mode, New Order, Eurythmics, Kraftwerk, Talk Talk, usw. Auch New/DarkWave-Bands wie The Cure, Anne Clarke oder OMD hatten einen großen Einfluss. Später hörte ich dann Rock von Bands wie U2 und Simple Mind.

In den 90er Jahren beschäftigte ich mich zunehmend mit HipHop, Funk und Soul. Mein Einstieg in die elektronische Tanzmusik war jedoch Trance, da Techno und Trance zur Zeit der Wiedervereinigung die ersten Einflüsse waren, mit denen ich in meiner damaligen Wahlheimat, Frankfurt/Oder, in Berührung kam. Mitte der 90er Jahre habe ich dann House Musik entdeckt. Diese entsprach am ehesten meinem Lebensgefühl.

Was war der Auslöser, selbst DJ und Produzent zu werden?

Schon während meiner Schulzeit in der DDR war ich auf Klassenfeiern für die Musik zuständig - damals noch mit Kassettenrecordern und 4-Spur-Tonbändern. Ich habe mich immer etwas mehr mit Musik beschäftigt als andere in meinem Umfeld. Oft habe ich stundenlang vor dem Radio gesessen, um die neuesten Sachen aufzunehmen, denn zu kaufen gab es die nicht. Auf den ersten Techno-Partys in Frankfurt/Oder war ich sofort von pitchbaren Plattenspielern fasziniert. Ein besonderer Augenblick war ein DJ-Set von Kid Paul Anfang der 90er Jahre.

Obwohl er noch so jung war, mixte er die Platten perfekt ineinander. Wie er mit der Abfolge der Platten in Kombination mit seiner exzellenten Technik Dramaturgie entwickelte, war sehr beeindruckend und hat mein Verständnis von Musik grundlegend verändert. In den 90er Jahren habe ich angefangen, regelmäßig Platten zu kaufen. Beim Durchhören habe ich oft gedacht, dass ich Dinge hier und da anders machen würde.

Es war um die Jahrtausendwende eine logische Konsequenz, selbst mit dem Produzieren anzufangen, um meine Sicht der Dinge unmittelbarer zum Ausdruck zu bringen.  

Du lebst und arbeitest in Berlin. Welche Voraussetzungen muss man Deiner Meinung nach mitbringen, um aus dem Überangebot an DJs und Produzenten in dieser Stadt herauszustechen?

Authentizität und Mut, neue Wege zu gehen.

Gehört dazu auch ein eigenes Label? Gemeinsam mit Daniel W. Best betreibst Du ja „Best Works Recordings“.

Nicht zwangsläufig - in meinem Fall war es allerdings hilfreich. Meine Produktionen stießen damals bei anderen Labels nicht auf großes Interesse. Daher war es schon praktisch, ein Label zu betreiben, um eigene Sachen zu ver\'f6ffentlichen. Man wird dadurch künstlerisch freier und mutiger. Das ist allerdings nur ein Aspekt von vielen, wenn man ein Label betreibt.

Welches Anliegen verfolgst Du beziehungsweise verfolgt ihr mit „Best Works Recordings“?

Wir wollen Musik veröffentlichen, die deep, soulful und tanzbar ist. Qualität geht vor Quantität. Daher gibt es nur vier bis fünf Veröffentlichungen im Jahr. Wir möchten der Musik genug Raum geben, um sich zu entfalten. Außerdem kann man in Zeiten inflationären Musikgebrauchs mit weniger Veröffentlichungen besser Akzente setzen.

Uns ist auch das Gesamtkunstwerk wichtig. Deshalb pressen wir Vinyl und haben für jede Veröffentlichung ein eigenes Artwork. Unsere Cover zeigen jeweils einen anderen Plattenladen - wir verstehen das als eine Art Dokumentation und Erinnerung an eine Subkultur, die im digitalen Zeitalter auf dem Rückzug ist.

In Berlin hast Du bereits alle großen Clubs bespielt. Weekend, Watergate, Panoramabar. Welches war oder ist Dein bevorzugter Ort zum auflegen und warum?

Einen bevorzugten Ort gibt es nicht. Jeder Club hat seinen Reiz und Aspekte, die für ihn sprechen. Alle großen Clubs in Berlin arbeiten professionell, das weiß ich sehr zu schätzen. Es gibt aber auch eine Reihe kleinerer Clubs, die die Berliner Szene bereichern.

Hast Du auch einen Geheimtipp auf Lager?

Den ultimativen Tipp habe ich nicht, da die Berliner Clublandschaft vielseitig ist und die Wahl des Clubs sicherlich eine Geschmacksfrage ist.

Wie würdest Du ein charakteristisches „Lodemann-Set“  beschreiben? Worauf dürfen sich Freiburgs Nachtschwärmer freuen?

Ich bewege mich im Spannungsfeld zwischen Deep House und Tech House. Auf jeden Fall wird es soulful und emotional.

Mehr dazu:

Was: Root Down mit André Lodemann & Rainer Trüby
Wann: Samstag, 25. September 2010, 22 Uhr
Wo: Waldsee, Freiburg
Eintritt: bis 23 Uhr 5 Euro, danach 8 Euro