Romeo & Julia: Ballonbunt und mit Didgeridoo

Lisa Geiger

Fast 70 Jugendliche im Alter von 13-23 Jahren stellen ein außergewöhnliches Theaterprojekt auf die Beine: Musiker und Tänzer spielen in "Romeo & Julia" die Geschichte der zwei Liebenden, die sich doch nie finden können. Mit ausdrucksstarken Bildern behandeln sie originell und voller Situationskomik die Thematik der zwei verfeindeten Familien. Und mittendrin ist auch die Freiburger Band Äl Jawala.



Choreograph Gary Joplin geht noch einen Schritt weiter und bezieht das Thema auf die ganze Gesellschaft. Der „Zusammenstoß zweier Kulturen“ sei immer noch aktuell. Deshalb stehen jetzt die Jugendlichen als Montagues und Capulets auf der Bühne und zeigen eine ganz neue Aufführung des bekannten Klassikers.


Nicht die Geschichte wird nacherzählt, sondern einzelne aussagekräftige Szenen herausgegriffen. Dazu gibt es Musik von Sergej Prokofjew vom Band und live von JOHS, dem Jugendorchester der Holst-Sinfonietta, und der Freiburger Band Äl Jawala.

Das Jugendorchester (Leitung: Klaus Simon) wurde 2006 zum 10-jährigen Jubiläum der Holst-Sinfonietta gegründet und versammelt seitdem die erfolgreichsten Freiburger Jungmusiker zwischen 13 und 23 Jahren. So sitzen diese kleinen und großen Musiker im hinteren Teil der Hinterbühne und ersetzen sehr professionell das Philharmonische Orchester, das sonst für die Musik im Theater zuständig ist.

Fetzig wird es bei einer Partyszene der Montagues und Capulets mit Äl Jawala. Die Gypsy- und Klezmer-Grooves und vor allem das Saxophon bringen Schwung und gute Stimmung in die Szene. Sogar ein Didgeridoo findet seinen Einsatz in „Romeo & Julia“. Die bekannte Band zieht wahrscheinlich nicht nur Theaterliebhaber in das Stück, sondern auch ihre eigenen Fans.

Doch nicht nur die Musik ist bemerkenswert. Die jungen Tänzer, die mit ihren Musikerkollegen seit Oktober 2007 für dieses Projekt probten, verbildlichen ausdrucksstark den Konflikt zwischen den beiden verfeindeten Clans.

Emma-Louise Jordan und Gary Joplin erdachten für jede Familie einen charakteristischen Tanzstil. Die Montagues – ganz in schwarz – werden militärisch von ihren beiden korsagengestützen Müttern gedrillt. Wie eine kleine Armee wiederholen sie immer wieder einen kampfartigen Tanz.

Ganz im Gegensatz dazu stehen die Capulets mit ihren grellen, neonfarbigen Hosen und Shirts. Auch bunte Bemalungen haben sie im Gesicht und man kann sich fast nicht sattsehen an diesen bonbonbunten Kostümen. Sie tanzen durcheinander und viel spielerischer. Dabei ist immer ein guter Schuss Humor.

Pantomimisch stellen die jungen Tänzer die Geschichte dar und dadurch erhält sie ihre ganz eigene Dynamik und Eindringlichkeit.

Im Finalen Traum Julias erscheinen große Traktorreifen von der Decke, an denen Montagues und Capulets gemeinsam tanzen. Ein solches Ende wünscht sich wohl auch Gary Joplin im übertragenen Sinne. Mit Äl Jawala als Multikulti-Band und der Geschichte zwei verfeindeter Kulturgruppen wurde ein deutliches Zeichen gesetzt. Ein bittersüßes Ende unter einem leuchtenden Mond gibt es im Theater.

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Was: Romeo & Julia
Wann: Dienstag, 29. April 2008 jeweils 12 und 18 Uhr
Wo: Großes Haus – Hinterbühne, Theater Freiburg