Rollstuhlbasketball: Von Laufspielern, Schubfehlern und Sportrollstühlen

Christin Bassenge & Ruben Jacob Fees

Wenn die Olympischen Spiele in London vorbei sind, gehen für manche Sportler die Wettkämpfe erst los: Ab dem 29. August 2012 finden die Paralympics statt. Eine der beliebtesten paralympischen Disziplinen ist Rollstuhlbasketball. Christine hat sich den temporeichen Sport bei einem Besuch beim Ringsport Freiburg-Team, dem amtierenden Meister der Landesliga Baden-Württemberg, genauer angeguckt:



Mit einem kräftigem Schub dreht sich der Rollstuhl in die Richtung, aus der eine Stimme laut „HIER!“ ruft. Der Basketball fliegt durch die Luft und landet gezielt im Schoß des Spielers mit dem roten Trikot. Er streckt seinen Oberkörper nach vorne und setzt zum Korbwurf an, doch im gleichen Moment ertönt ein lauter Knall: Ein Gegner ist ihm vor die Räder gefahren und blockiert ihn nun beim Wurf. Der Ball fliegt an den Ring des Korbes und prallt zurück ins Feld. Schnell wenden beide Teams und ändern ihre Spielrichtung, liefern sich ein Rennen um den Ball. Doch die Gegner sind diesmal schneller und versenken den Ball im Korb. Lautes Jubeln ertönt von den Zuschauern und der Korbschütze hebt triumphierend seine Arme in die Luft.

Das Team mit den roten Trikots ist das Ringsport Freiburg Basketballteam, und amtierender Meister in der Landesliga Baden-Württemberg.

Rollstuhlbasketball funktioniert im Kern wie Basketball - nur wurden einige Spielregeln auf die rollstuhlfahrenden Spielerinnen und Spieler angepasst. Was im Basketball der Schrittfehler ist, ist hier der Schubfehler: Mehr als dreimal anschieben, solange man den Ball im Schoß hat, ist nicht erlaubt. Auch Elemente aus Handball und Eishockey wurden in den Sport integriert, als kanadische Rollstuhlfahrer Rollstuhlbasketball Ende der 1970er Jahre entwickelten.

Dazu kommt, dass es gemischte Mannschaften sind, Frauen und Männer spielen zusammen und im Team gibt es auch Spieler, die im Alltag nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind. Hier kommt deshalb die Punkteregel ins Spiel: Je nach Einschränkung der Körperbewegung bekommt jeder Punkte von 1 bis 4,5 zugewiesen. Spieler mit größerem Handicap haben eine niedrigere Punktzahl als die „Laufspieler“, die im Alltag keinen Rollstuhl brauchen. Bei einem Spiel darf die Punktzahl der fünf Spieler die auf dem Feld sind, nicht 11 Punkte überschreiten. So wird verhindert, dass Manschaften nur mit nicht-behinderten Laufspieler auf dem Feld rollen.



Arnold ist einer der Laufspieler. Er spielt seit etwa einem halben Jahr bei den Freiburgern und ist begeistert vom Rollstuhlbasketball. „Für einen ungeübten Rollstuhlfahrer ist es gar nicht so einfach, Dribbeln und Fahren zu koordinieren. Aber durch Ehrgeiz und regelmäßiges Training kann ich es jetzt schon gleichzeitig", sagt er, nicht ohne stolz. Auf das Team ist er eher zufällig durch eine Freundin gestoßen und obwohl er sich selbst immer noch als Anfänger bezeichnet, hat er jetzt seine Spielerlizenz beantragt, mit der er in der nächsten Saison auch bei Wettkämpfen mitfahren darf.

Rainer
dagegen ist auch im Alltag auf den Rollstuhl angewiesen. Mit der Trikotnummer 10 ist er gleichzeitig Spieler und Trainer der Freiburger. Im Training, das einmal die Woche in der Emil-Gött-Schule in Zähringen stattfindet, werden Korbleger, schnelles Wenden und Freiwürfe auf speziellen Sportrollstühlen geübt. Sie unterscheiden sich vor allem bei der Stellung der Räder von den Alltagsrollstühlen. Die Räder stehen stark angewinkelt nach innen und der Stuhl ist viel leichter, damit die Stühle wenig und schnell zu fahren sind.

Das gesamte Spiel wird von einem hohen Tempo beherrscht: Andauernd wird die Spielrichtung gewechselt, die Räder erreichen schier unbegrenzte Geschwindigkeiten. Das Knallen der Metallstangen, wenn die Spieler sich gegenseitig in die Wege fahren und so die Rollstühle gegeneinander krachen, lässt das Siel überraschend aggressiv wirken. Als Zuschauer hat man deshalb beinahe ein bisschen Angst um die die Schiedsrichter. Sie sind mitten im Spielgeschehen - und zwar ganz ohne Rollstuhl.



Ringsport Freiburg Basketballteam

Training dienstags von 20 bis 22 Uhr und nach Absprache auch samstags
Emil-Gött-Schule Zähringen
Kontakt: Hermann Müller, hermann.mlr@web.de
Die Rollstuhlbasketball-Saison dauert von Oktober bis April.

 

Rollstuhl-Basketball bei den Paralympics

Das Rollstuhl-Baskettballturnier der Paralympics 2012 wird über die gesamte Dauer der Paralympics vom 30. August bis zum 5. September 2012 ausgespielt - allerdings nicht mixed, sondern mit Männer- und Frauen-Teams. Das deutsche Herrenteam spielt sein erstes Match am Donnerstag, 30. August gegen Großbritannien, das deutsche Frauenteam am Freitag, 31. August gegen das Team aus den Vereinigten Staaten. Das Finale der Herren findet am Samstag, 8. September, das der Damen am Freitag, 7. September 2012 statt.

Das deutsche Frauen holte 2008 in Beijing übrigens die Silbermedaille, die Herren kamen auf Rang 5. Die paralympischen Wettkämpfe werden von ARD und ZDF live übertragen.

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Foto-Galerie: Ruben Jacob Fees

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