Rollstuhl-Basketball: Schubfehler und Fußgängerpunkte

Helena Barop

Die Freiburger Rollstuhlbasketballer haben am Samstag in der Sepp-Glaser-Halle zwei Landesligaspiele bestritten. helena war dabei und erstaunt, wie hart es dabei zuging. Wer integriert hier wen?



Drittes Viertel, es steht 27:18 für Offenburg. Die Freiburger kämpfen hart, aber es sieht schlecht aus. Angriff, die Uhr über dem Korb zählt die Sekunden, die Spieler rufen sich kurze Sätze zu, „Zehn meiner!“, „rechts frei“. Dann ein Freiwurf, gespannte Stille. Wieder nicht getroffen. „Schade“, stöhnt ein Zuschauer.


In eleganten Bögen rollen die Spieler über das Feld. Die Sportrollstühle müssen einiges aushalten, innerhalb der Dreipunktelinie wird geblockt und gedeckt, dass es nur so scheppert.

Die Räder sind geneigt, um den Spielern Stabilität zu geben. Trotzdem kann es auch passieren, dass jemand herausfällt aus seinem Sportgerät.

Drittes Viertel, Minute sieben. Zwei Spieler, einer aus dem Freiburger Team und einer aus dem der Offenburger, kollidieren im Kampf um den Ball. Der Rollstuhl kippt, der Spieler fällt. Doch sofort springt sein Teamkollege auf und hilft ihm zurück in den Rollstuhl.



Die Rollstuhlbasketballmannschaft vom Ring der Körperbehinderten Freiburg hat diesen Samstag in der Sepp Glaser Halle um den dritten Platz in der Landesliga Baden-Württemberg gespielt. Zu Gast waren die BSG Offenburg und die PS Karlsruhe. Wer bei „Rollstuhlbasketball“ mit geringschätzigem Blick an entschärftes Basketball denkt, der irrt sich gewaltig. Das Feld ist so groß wie ein normales Basketballfeld, die Körbe hängen genau so hoch. Schrittfehler heißen bei den Rollifahrern Schubfehler. Wer mehr als zweimal schiebt, bevor er dribbelt, wird abgepfiffen. Ansonsten unterscheiden sich die Regeln kaum vom Basketball der Zweimetermänner – und es geht sehr direkt her.

Im Freiburger Verein spielen Sportlerinnen und Sportler verschiedener Altersklassen und mit unterschiedlichen Behinderungen.

Um die Gerechtigkeit zu gewährleisten, werden die körperlichen Einschränkungen der einzelnen Spieler mit Punkten bewertet. Einer der Freiburger Spieler ist querschnittsgelähmt und kann auch seine Bauch- und Rückenmuskeln kaum einsetzen. In dem Punktesystem bedeutet das einen Punkt. Fußgänger zählen viereinhalb Punkte. Sie dürfen auch mitspielen, „schließlich sind wir eine integrative Mannschaft“, sagt Franz Kürner (52) mit einem Lachen. Sobald sie allerdings in ihrem Rollstuhl aufstehen ist das ein Foul. Insgesamt darf eine Mannschaft nicht mehr als 14 Punkte aufs Feld bringen.



Sport ist sehr wichtig für Rollstuhlfahrer. Franz Kürner erzählt, wie schwer es ist, sich mit seiner Behinderung im Alltag zurecht zu finden, vor allem wenn man nicht seit der Kindheit an den Rollstuhl gewöhnt ist. „Anfangs braucht man schon eine dreiviertel Stunde, um sich anzuziehen“, erinnert er sich. Durch das Basketballtraining kann man vieles Üben, was auch im Alltag hilft. Die Spieler sind erstaunlich beweglich und wirklich schnell, sie trainieren ihr Gefühl für den Rollstuhl und entwickeln außerdem enorme Kräfte in den Armen.

Mit der Zeit haben die meisten jedoch mit Schulterproblemen zu kämpfen. Die ständige Belastung der Arme und der gesamten Oberkörpermuskulatur macht sich eben doch bemerkbar. Franz Kürner zum Beispiel kann seit einer Weile nicht mehr mitspielen. Im Verein ist er aber weiterhin tätig, er unterstützt seine Mannschaft an der Seitenlinie und hilft bei der Organisation der Turniere.

Einmal in der Woche trifft sich das Team zum Training. Aber auch in anderen Disziplinen können Sportler sich im Ring der Körperbehinderten betätigen. Besonders beliebt ist das Handbike, eine Fahrradkonstruktion, die mit den Armen betrieben wird. „Da kann man mit der Familie oder mit Freunden Touren machen. Auch, wenn wir meistens schneller sind“, sagt Kürner. Tischtennis, Quigong, Kindersport und Langlauf bietet der Sportverein ebenfalls an.



Viertes Viertel, achte Minute. Gleich ist das Spiel vorbei, die Offenburger führen immer noch. Aber die Freiburger geben nicht auf. An der Seitenlinie sagen die Freiburger Beobachter, dass mit einem Sieg der Heimmannschaft kaum zu rechnen sei. Sie hätten es schaffen können, aber es wäre eine große Überraschung gewesen. Nur die fünfjährige Katja, die Tochter des Trainers, verliert die Hoffnung bis zum Ende nicht.

„Wer gewinnt, das weiß man jetzt noch nicht. Und heute Nachmittag ist ja auch noch ein Spiel“, sagt sie, und rollt in einem herrenlosen Rollstuhl zurück zu ihrem Team, das sich in einem letzten Time-Out an der Seite trifft. 22:41, so der Endstand gegen BSG Offenburg aus Freiburger Sicht. Aber Katja behält Recht mit ihrer Hoffnung. Am Nachmittag gewinnt Freiburg gegen PS Karlsruhe mit 50:44.