Rocky Votolato: Überzeugend auch ohne Slide-Gitarre

Gina Kutkat & Carolin Buchheim

Stichwort: Slide-Gitarre. Die glänzte bei Rocky Votolatos Konzert im Auditorium der Jazz & Rock Schulen am Mittwoch Abend genauso durch Abwesenheit wie die Band, die auf dem aktuellen Album noch so schön aushilft. Rocky, du schaffst das auch allein - an der Akustikgitarre!



Ganz allein war er ja dann auch nicht. Tatkräftige Unterstützung gab es von Supportfee Senor Matze Rossi aus Schweinfurt. Rossi alias Matthias Nürnberger, der wie Rocky Votolato von einer Punkband zum Songwriting kam, ist ein sympathischer Kerl, ein bisschen wortkarg zwar. "Ich bin heut irgendwie sehr nervös. Normalerweise rede ich auch immer ganz viel". Seine sehr textlastigen Songs haben leider genau dort ihre Schwachpunkte. Melancholischer, deutschsprachiger Rock-Pop mit Rossi an der Gitarre, der leicht verdaulich, aber leider leicht eintönig klingt. 


Dann, nach schier endlosem Warten auf den Meister: Rocky Votolato höchstpersönlich. Versteckt unter einem unauffälligem schwarzen Kapuzenpulli erkennt man ihn erst, als er wahrhaftig – mit Gitarre in der Hand – vor einem steht. Es braucht nur ein Lachen und seine warmen Willkommensworte "Thank you for all Coming out tonight", und schon hat man den Rocky einfach gern

Total verliebt in seine Songs sind die meisten der im Auditorium der Jazz & Rock Schulen Anwesenden eh schon. Die Setlist beginnt mit ein paar Songs des 2003er Albums "Suicide Medicine". Was bei Matze Rossi noch wie Anstrengung aussah, geht bei Votolato ganz natürlich von der Hand. "Every Red Cent" oder "Suicide Medicine" funktionieren auch ohne Band, nur mit Akustikgitarre, Mundharmonika und Rockys vor allem in den hohen Tönen kratzigen Whiskey-Stimme.

Einfach schön, das.



Und überhaupt: gibt es Besseres, als diese Stimme? Die durch Texte leitet, die von düsteren und vertrackten Momenten im Leben erzählen, von denen jeder so einige durchleben muss. Und die auch wieder vergehen, irgendwann.

Wertvolle Song-Perlen, die Licht bringen in die dunklen Seiten des Lebens, schüttelt Votolato nur so aus den Ärmeln. "Before You were Born", "White Daisy Passing" oder "Whiskey Straight" – auch die männlichen Besucher singen – mal laut, mal leise – mit. Fast geht Votolato auf der großen Bühne des Auditoriums ein bisschen verloren, aber die vielen Fans machen die Sache mit der Atmosphäre wieder wett. 

Die Saiten seiner Gitarre bearbeitet Rocky mal zärtlich und finger-pickend, mal rauh und zerstörerisch, sodass -zack- eine Saite reißt. Senor Matze Rossi hilft aus und schon geht's weiter. Sogar "Golden Slumbers" von den Beatles wird von Rocky gecovert und reiht sich ein in die Liga der Gänsehautsongs.  

Country-Folk-Musik spielen kann anstrengend sein. Er hat einfach einen ausgezeichneten Job gemacht, mit Gesang, Gerede und Gespiele. Wie kräftezehrend ein gutes Dutzend Songs auf der Akustikgitarre sein können, erzählt er seinem Publikum am Ende des Konzerts. "Sorry guys, these songs rock so hard. Just a couple of more."  

Und dann ist der Glücksmoment auch schon vorbei. Schade. Rocky, komm' mal wieder vorbei.

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[Fotos: Caro]